Verschiedene Themen

Können wir objektiv feststellen, welche Auslegung richtig und welche falsch ist? Und wie gehen wir mit einer Gemeinde bzw. einer Person um, die eine Auslegung vertritt, von der wir der Meinung sind, dass sie falsch ist? Im folgenden kurzen Text möchten wir versuchen, einige hilfreiche Gedanken zu diesem Thema zu entwickeln.


 

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
2. Gottes Wort ist unfehlbar – wir sind es nicht!
3. Persönliche Erfahrung der Autoren von www.derdrachekommt.de
4. Richtlinien zum Umgang mit anderen theologischen Meinungen
5. Wie können wir bestimmen, welche Lehren wichtiger und welche weniger wichtig sind?

 

 

1. Einleitung

Bei der genaueren Betrachtung verschiedener christlicher Gemeinden stellen wir fest, dass nicht einmal zwei von ihnen im Ablauf ihrer Gemeinschaftsstunden und in ihrer Bibelauslegung genau übereinstimmen.

Zunächst werden uns natürlich die rein äußerlichen Unterschiede auffallen: Wie läuft ein Gottesdienst ab, welche Gemeindestunden werden angeboten, wie sind die Gottesdienstbesucher gekleidet?

Bei genauerem Hinhören fallen dann auch die Unterschiede in der theologischen Auslegung verschiedener Abschnitte der Bibel auf: Welchen Stellenwert räumt man den Geistesgaben ein? Wie geht man mit den Bibelstellen über Ältestenschaft und Diakone um? Wie mit der Stelle über das Schweigen von Frauen in der Gemeinde?

Schließlich erkennen wir auch noch eine weitere Tatsache: Nicht nur Gemeinden als ganze sind unterschiedlich, sondern auch die einzelnen Gemeindemitglieder haben häufig zu bestimmten Punkten unterschiedliche theologische Ansichten.

Welche Gemeinde bzw. welches Gemeindemitglied hat nun „Recht“? Können wir objektiv feststellen, welche Auslegung richtig und welche falsch ist? Und wie gehen wir mit einer Gemeinde bzw. einer Person um, die eine Auslegung vertritt, von der wir der Meinung sind, dass sie falsch ist? Im folgenden kurzen Text möchten wir versuchen, einige hilfreiche Gedanken zu diesem Thema zu entwickeln.

 

 

2. Gottes Wort ist unfehlbar – wir sind es nicht!

Zunächst einmal müssen wir festhalten, dass nur Gottes Wort allein die Wahrheit ist.

Joh 17,17: „Heilige sie in deiner Wahrheit! Dein Wort ist Wahrheit.“

 

Die Bibel wurde von Menschen aufgeschrieben, die Gott für diesen besonderen Dienst ausgewählt hatte. Dass die gesamte Heilige Schrift von Gott inspiriert ist, erkennen wir deutlich an dem Vorhandensein eines inneren Zusammenhangs aller Bibelteile, einer zeitlichen Abfolge sowohl der historischen Bibelbücher als auch der Heilsgeschichte, sowie an zahlreichen erfüllten Prophetien und der Irrtumslosigkeit der gesamten Heiligen Schrift.

Gott als der ewig seiende Schöpfer des Himmels und der Erde weiß alles von Ewigkeit her. Er ist allwissend und macht daher niemals falsche Aussagen. Ganz anders ist es bei uns Menschen. Da wir zeitlich, räumlich, intellektuell und geistlich sehr begrenzte Geschöpfe sind, haben wir aus uns selbst nicht die Möglichkeit, den „ganzen Ratschluss Gottes“ bis in die tiefsten Tiefen zu verstehen. Wir sind zudem kulturell vorgeprägt und haben unsere persönlichen Lebenserfahrungen gemacht. Somit interpretieren wir fast zwangsläufig die biblischen Aussagen zunächst einmal in unserem eigenen Kontext.

Das muss jedoch nicht unbedingt schlimm sein. Gott weiß um unsere Begrenztheit, und als Hirte der Schafe hat er sein Wort so formuliert, dass Menschen jeglicher Herkunft und persönlicher Prägung zu allen Zeiten reichlich Nahrung darin finden konnten und immer noch können. Gott möchte durch die Bibel unmittelbar zu unserem Herzen reden. Manchmal benutzt er auch Menschen mit einem ganz anderen Lebenshintergrund dazu, mir als Lehrer Dinge in seinem Wort klarer zu machen. Natürlich ist es dann immer noch meine eigene Verantwortung, alle gemachten Aussagen – egal ob sie von einem Pastor, einem Ältesten oder von sonst wem kommen – anhand der Schrift zu prüfen.

Im Laufe unseres christlichen Lebens lesen wir die Bibel immer wieder. Ist es nicht bemerkenswert, dass sie niemals langweilig wird? Vielmehr öffnet sie sich uns mehr und mehr und wir begreifen bei jedem Lesen ein Stück mehr von Gottes herrlicher Größe und von seinem Plan für uns Menschen.

 

 

3. Persönliche Erfahrung der Autoren von www.derdrachekommt.de

Wie gehen wir nun damit um, wenn wir uns mit einem bestimmten Thema im persönlichen Bibelstudium intensiv auseinandersetzen und dann feststellen, dass wir eine andere Auslegung favorisieren als die meisten unserer Gemeindeglieder? Oder wie gehen wir als Gemeinde damit um, wenn einzelne Mitglieder Dinge (plötzlich) anders sehen, als es in unserer Ortsgemeinde üblich ist?

Wir von www.derdrachekommt.de durften diese Erfahrung machen. In unserer Gemeinde wurde mit sehr viel Nachdruck betont, dass der Dispensationalismus die einzig richtige Art und Weise darstelle, auf welche Gottes Heilsgeschichte auszulegen sei. Alternative Auslegungsmöglichkeiten wurden von den leitenden Brüdern nie erwähnt. Stattdessen wurde eine riesengroße Abbildung des heilsgeschichtlichen Ablaufs aus Sicht des Dispensationalismus im Gemeinderaum als Wandtafel installiert. Den Gemeindemitgliedern sollte dadurch der Eindruck vermittelt werden, als handele es sich hier um eine fundamentale biblische Wahrheit, welche zu allen Zeiten und an allen Orten von den Christen anerkannt wurde, und welcher nicht widersprochen werden kann.

Nachdem wir jedoch von anderer Seite auf die Probleme dieses Modells sowie auf ernstzunehmende Alternativen aufmerksam gemacht worden waren, setzten wir uns beide voneinander unabhängig und zunächst ohne Kenntnis der Gedanken des jeweils anderen in einem länger anhaltenden Prozess intensiv mit der Materie auseinander. Unterschiedliche Ansichten wurden studiert, Bibelstellen miteinander verglichen. Immer wieder haben wir Gott im Gebet um Leitung und persönliche Wegweisung gefragt. Schließlich kamen wir dann beide zu dem Entschluss, dass die relevanten Bibelstellen im Zusammenhang betrachtet nicht das Lehrsystem des Dispensationalismus unterstützen, sondern viel eher den sogenannten „Amillennialismus“, besser zu bezeichnen als den „schriftgemäßen Millennialismus“ (siehe hierzu unseren Artikel „Das biblische Millennium und die Endzeit“). Nach einer Zeit der vollständigen Trennung führte der Herr unsere Wege schließlich wieder zusammen. Unser „Team“ besteht somit bis heute aus zwei schreibenden Jüngern, von denen einer dazu noch als Webmaster tätig ist. Die Entstehung des ganzen Projekts in seiner heutigen Form ist aus unserer Sicht nichts weniger als die buchstäbliche Nadel im Heuhaufen. Wir empfinden es immer mehr als ein Wunder des Herrn.

Unsere neugewonnene Erkenntnis konnten und wollten wir natürlich nicht verschweigen. Über dieses Thema führten wir daher zahlreiche Gespräche mit Christen innerhalb und außerhalb der Gemeinde. Schließlich kam dieses Thema auch zur Gemeindeleitung. Es kam zu einer ganzen Reihe von Problemen (bis hin zum Predigtverbot), da die verantwortlichen Brüder von einer durchaus verständlichen Sorge um den Zusammenhalt der Gemeinschaft bewegt waren.  Sie sahen eine alternative Sicht auf die Prophetie mitunter als Lehre von Dämonen an, so dass wir uns mit aus dem Kontext gerissenen Schriftstellen wie 1Tim 4,1 („Der Geist aber sagt ausdrücklich, dass in späteren Zeiten etliche vom Glauben abfallen und sich irreführenden Geistern und Lehren der Dämonen zuwenden werden“) konfrontiert sahen, welche in den Brüderstunden als „Schwerter des Geistes“ auf uns herniederfuhren.

Eine offene Diskussion der Lehre vor den Mitgliedern der Gemeinde (wie sie in Korinth mit Sicherheit stattfand und wie sie zum Beispiel auch von den sieben Gemeinden Kleinasiens ausgehalten wurde, welche durch die Niederschrift der Sendschreiben der Offenbarung sowohl ihren eigenen geistlichen Zustand als auch den Zustand aller sechs anderen Gemeinden klar und deutlich zu hören bekamen und sich damit auseinanderzusetzen hatten) wurde aus verständlicher Furcht vor der Erschütterung der Einheit der Gemeinde nicht zugelassen.

Insgesamt muss gesagt werden, dass die gesamte Auseinandersetzung mit der Thematik  sehr emotional besetzt blieb. Sie wurde nicht auf der geistlichen Ebene der Schrift ausgetragen, sondern vielmehr auf der Ebene der menschlichen Überzeugungen, welche teilweise über Jahrzehnte gewachsen waren. Auf beiden Seiten wurden bedauerliche Fehler begangen, welche im Wesentlichen aus drei Hauptpunkten resultierten, und von welchen wir uns auch selbst (hinsichtlich der Punkte 2 und 3) nicht freisprechen können.

 

  1. Durch einseitige Belehrung war nur der Dispensationalismus bekannt. Jede andere Art der Auslegung wurde ohne wirklich objektive und ausführliche Prüfung als unbiblisch abgelehnt.Die Verteidigung des Prämillennialismus war dabei leider oftmals nicht frei von Voreingenommenheit und bisweilen sogar deutlich angstbesetzt. So ist zum Beispiel auch bekannt, dass auf der Website der KFG (Konferenz für Gemeindegründung) der Glaube an die Endzeitlehre des dispensationalistischen Prämillennialismus noch immer als Voraussetzung für eine Gemeinde zum Beitritt vorgeschrieben ist. Genau diesem Geist sind auch wir begegnet.
     
  2. Die Richtlinien zum Umgang mit anderen theologischen Meinungen wurden nicht berücksichtigt, wodurch ein sachlicher und in Liebe geführter Meinungsaustausch kaum möglich war. Leider müssen wir vor dem Herrn bekennen, dass auch wir selbst oftmals zu leidenschaftlich und emotional auftraten, was dann natürlich zu verständlichen Gegenreaktionen von Seiten der Brüder führte.Inzwischen können wir sagen, dass sich die Wogen geglättet haben, und dass der Herr uns alle vor Bitterkeit und Unversöhnlichkeit bewahrt hat. Manches musste vergeben werden, und es wurde auch vergeben. Die Liebe zu den Geschwistern muss in letzter Konsequenz über der Erkenntnis stehen. Dass dies so geschah, macht uns dankbar gegenüber dem Herrn und den Geschwistern. Die Standpunkte hinsichtlich der Lehre sind und bleiben klar, können jedoch heute in gegenseitiger persönlicher Achtung und weiter bestehender Bruderliebe ausgehalten werden.
     
  3. Die Wichtigkeit des Themas wurde von allen Beteiligten viel zu hoch eingeschätzt. Für manche ging es somit bei dieser Auseinandersetzung um eine Verteidigung der Fundamente des christlichen Glaubens, obwohl es sich eigentlich nur um eine unterschiedliche Sichtweise im Hinblick auf die Endzeitlehre (Eschatologie) der Schrift handelt, welche nicht heilsnotwendig ist. Leider muss gesagt werden, dass die Lehre vom zweimaligen Kommen des Herrn (zunächst unsichtbar zur geheimen Vorentrückung der Gemeinde und sieben Jahre später sichtbar zum Gericht über die Welt, gefolgt von dem genau 1000 Jahre dauernden Friedensreich auf der alten Erde) in der gesamten evangelikalen Christenheit des Westens, in den Pfingstgemeinden und Brüdergemeinden noch immer das große Schibbolet (Ri 12,6) der Eschatologie und der Prophetie ist. Wer sie nicht vertritt, der wird nach wie vor nicht ernstgenommen. Dieses Denken und Handeln trägt bisweilen sektenartige Charakterzüge. Sogar unser Herr selbst stand zu seinen Lebzeiten auf der Erde in Israel einer religiösen Führungsgruppe gegenüber, welche seine Lehren über das Kommen des Reiches Gottes in keiner Hinsicht akzeptierte und ihn letztlich verwarf.

 

 

4. Richtlinien zum Umgang mit anderen theologischen Meinungen

Oft wissen Gemeinden nicht, wie sie mit der oben beschriebenen Thematik umgehen sollen. Sie „schmoren in ihrem eigenen Saft“ und haben nicht immer Brüder in verantwortlicher Position, die dazu in der Lage sind, „über den Tellerrand zu schauen“ und alternative Aspekte der Lehre in der Gemeinde sachlich anhand der Schrift zu beurteilen. Ist dies der Fall, dann besteht immer die Gefahr, dass solche Aspekte in der Gemeinde nicht wirklich mit dem Wort Gottes in der Hand untersucht werden, sondern dass sie sich letztlich dem geltenden Konsens der jeweiligen Gemeinde unterzuordnen haben.

Die nun folgenden Richtlinien wurden (leicht abgewandelt) von den Leitlinien der Reformations-Gesellschaft Heidelberg übernommen:

 

1. Nur Gott allein ist unfehlbar.
Unser Wissen ist Stückwerk und niemals umfassend. Das sollte uns demütig machen.

1Kor 13,12: „Denn wir sehen jetzt mittels eines Spiegels wie im Rätsel, dann aber von Angesicht zu Angesicht; jetzt erkenne ich stückweise, dann aber werde ich erkennen, gleichwie ich erkannt bin.“

 

2. Die biblische Exegese ist frei.
Wir dürfen den anderen nicht allzu leicht der Ketzerei beschuldigen.

Apg 17,11: „Diese aber waren edler gesinnt als die in Thessalonich und nahmen das Wort mit aller Bereitwilligkeit auf; und sie forschten täglich in der Schrift, ob es sich so verhalte.“

1Thes 5,21: „Prüft alles, das Gute behaltet!“

 

3. Streben nach Einheit.
Wir sollen unsere Energie nicht darauf verwenden, Unterschiede zu vergrößern. Vielmehr sollen wir die Einheit suchen in den wesentlichen Dingen von Gottes kostbarem Wort.

1Kor 1,10: „Ich ermahne euch aber, ihr Brüder, kraft des Namens unseres Herrn Jesus Christus, dass ihr alle einmütig seid in eurem Reden und keine Spaltungen unter euch zulasst, sondern vollkommen zusammengefügt seid in derselben Gesinnung und in derselben Überzeugung.“

 

4. Sola scriptura.
Wir sollen uns nicht ungeprüft auf die Auslegung bzw. die Meinung eines Pastors oder Ältesten verlassen, denn nur die Bibel hat absolute Autorität.

2Tim 3,16-17: „Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nützlich zur Belehrung, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit,
17 damit der Mensch Gottes ganz zubereitet sei, zu jedem guten Werk völlig ausgerüstet.“

 

5. Bildung eines gemeinsamen Schutzes nach außen.
Wir sollen einen gemeinsamen Schutz gegen Bedrohungen von außerhalb der Gemeinde bilden und nicht Streit unter Brüdern führen.

Jak 4,1: „Woher kommen die Kämpfe und die Streitigkeiten unter euch? Kommen sie nicht von den Lüsten, die in euren Gliedern streiten?“

2Tim 2,24: „Ein Knecht des Herrn aber soll nicht streiten, sondern milde sein gegen jedermann, fähig zu lehren, geduldig im Ertragen von Bosheiten;“

 

6. Streben nach Sanftmut und Demut.
Als Christen ist es unsere Aufgabe, Sanftmut und Demut in unseren zwischenmenschlichen Beziehungen herauszubilden. Wenn wir auf unser eigenes Leben und auf die Heiligkeit Gottes schauen, dann werden wir unweigerlich mit unserer Fehlbarkeit und Sündhaftigkeit konfrontiert. Diese Selbsterkenntnis sollte uns sanft und nachsichtig mit Glaubensgeschwistern machen.

Kol 2,12-13: „So zieht nun an als Gottes Auserwählte, Heilige und Geliebte herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut, Langmut;
13 ertragt einander und vergebt einander, wenn einer gegen den anderen zu klagen hat; gleichwie Christus euch vergeben hat, so auch ihr.“

1Pet 5,5: „Ebenso ihr Jüngeren, ordnet euch den Ältesten unter; ihr alle sollt euch gegenseitig unterordnen und mit Demut bekleiden! Denn »Gott widersteht den Hochmütigen; den Demütigen aber gibt er Gnade«.“

 

7. Ausüben von Gemeindezucht.
Die Heilige Schrift warnt uns vor Irrlehrern, welche in der Gemeinde auftreten werden. Wenn wir diese Personen und ihre Lehre genau geprüft haben, kann es notwendig sein, Zuchtmaßnahmen vonseiten der Gemeinde gegen sie auszuüben. Denn die Bestrafung von Sünde ist eine notwendige Pflicht, sie muss jedoch aus Liebe und mit dem Ziel der Wiederherstellung geschehen. Wir sollten uns daran erinnern, dass wir einst alle wie Schafe in die Irre gingen und dass uns der Hirte aus dieser Situation errettet hat.

2Petr 2,1: „Es gab aber auch falsche Propheten unter dem Volk, wie auch unter euch falsche Lehrer sein werden, die heimlich verderbliche Sekten einführen, indem sie sogar den Herrn, der sie erkauft hat, verleugnen; und sie werden ein schnelles Verderben über sich selbst bringen.“

1Kor 5,13: „… So tut den Bösen aus eurer Mitte hinweg!“

Jak 5,19-20: „Brüder, wenn jemand unter euch von der Wahrheit abirrt, und es führt ihn einer zur Umkehr,
20 so soll er wissen: Wer einen Sünder von seinem Irrweg zur Umkehr führt, der wird eine Seele vom Tod erretten und eine Menge Sünden zudecken.“

 

8. Streben nach Frieden und Wahrheit.
Als Christen sollen wir nach Möglichkeit mit allen Menschen in Frieden leben. Natürlich warnt uns die Schrift, dass Verfolgungen kommen werden, aber dieser Unfrieden soll nicht von uns ausgehen, sondern von der Welt. Allerdings sollen wir nicht auf Kosten der Wahrheit nach Frieden streben.

Röm 12,18: „Ist es möglich, soviel an euch liegt, so haltet mit allen Menschen Frieden.“

2Tim 2,22: „So fliehe nun die jugendlichen Lüste, jage aber der Gerechtigkeit, dem Glauben, der Liebe, dem Frieden nach zusammen mit denen, die den Herrn aus reinem Herzen anrufen!“

Jak 3,18: „Die Frucht der Gerechtigkeit aber wird in Frieden denen gesät, die Frieden stiften.

Eph 5,9: „Die Frucht des Geistes besteht nämlich in lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit.“

 

 

5. Wie können wir bestimmen, welche Lehren wichtiger und welche weniger wichtig sind?

 

Wir möchten uns nochmals unsere beiden Fragen aus Kapitel 3 in Erinnerung rufen:

  • Wie soll die Gemeinde damit umgehen, wenn sie feststellt, dass Mitglieder unterschiedliche theologische Auslegungen vertreten?
  • Wie soll ein Gemeindemitglied damit umgehen, wenn es eine neue Erkenntnis gewinnt, die nicht mit dem Konsens der Gemeinde übereinstimmt?

 

Wie wir uns als Gemeinde bzw. als Gemeindemitglied zu verhalten haben, hängt zunächst einmal von der Wichtigkeit und Zentralität des Themas ab. Wie können wir nun bestimmen, welche Lehren wichtiger und welche weniger wichtig sind? Im Folgenden haben wir dazu einen sehr hilfreichen Artikel von 9 Marks Ministries übersetzt:

 

Die Antwort auf diese Frage hängt davon ab, wie eng eine Lehre mit dem Evangelium verbunden ist und wie viel praktische Auswirkung sie auf das christliche Leben hat.

(1) Lehren wie die Dreieinigkeit, die volle Gottheit und Menschheit Christi, die Rechtfertigung allein durch den Glauben und die Autorität der Heiligen Schrift sind alle eng mit dem Evangelium verbunden. Ohne diese Lehren verlieren wir entweder entscheidende Aspekte des Evangeliums oder das Evangelium selbst. Solche Lehren sind daher von größter Wichtigkeit. Meinungsverschiedenheiten in diesem Bereich teilen die Gemeinde von der Nicht-Gemeinde.

(2) Lehren wie die genaue Bedeutung der Taufe und die biblische Form der Gemeindeleitung sind weniger eng mit dem Evangelium verbunden und daher weniger zentral für den Glauben. Dennoch sind solche Lehren nicht völlig unabhängig vom Evangelium. Zum Beispiel ist die Taufe ein Bild des Evangeliums und definiert die Zugehörigkeit zur Gemeinde, also zu den Menschen des Evangeliums. Andere theologische Fragen, wie unser Verständnis der Rollen von Mann und Frau in der Ehe und in der Gemeinde, haben große praktische Auswirkungen und sind daher sehr wichtig, auch wenn sie nicht direkt mit dem Evangelium verbunden sind. Meinungsverschiedenheiten in diesem Bereich können eine Gemeinde von einer anderen trennen, wie die Unterschiede zwischen einem Baptisten und einem Presbyterianer. Solche Unterschiede brauchen jedoch unsere gegenseitige Umarmung als Mitchristen nicht zu verhindern.

(3) Einige Lehren, wie die Bedeutung der tausend Jahre in Offenbarung 20, sind weit entfernt vom Evangelium und haben etwas weniger praktische Auswirkungen auf das christliche Leben. Das soll zwar nicht heißen, dass solche Lehren völlig bedeutungslos sind, aber Meinungsverschiedenheiten in diesem Bereich können immer noch die Zusammenarbeit zwischen Christen in höchstem Maße ermöglichen, nämlich die Zugehörigkeit zu ein und derselben lokalen Gemeinde.

(https://www.9marks.org/answer/how-do-we-determine-which-doctrines-are-more-important-and-which-are-less-important/)

 

Die im Kapitel 3 beschriebenen Probleme, welche wir mit unserer Gemeinde hatten, hätten somit gar nicht erst auftreten müssen. Wir wünschen jedem Leser, dass er die Richtlinien aus Kapitel 4 sowie die Einteilung auf Kapitel 5 beherzigt, wenn es in seiner Gemeinde zu Meinungsverschiedenheiten kommen sollte. Vielleicht kannst gerade du, lieber Leser, derjenige sein, der alle Beteiligten einer solchen Kontroverse auf diese Punkte aufmerksam macht.

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