Endzeit

In diesem Artikel wollen wir einen Blick auf das biblische Millennium werfen. Darüber hinaus wollen wir anhand einiger Schriftstellen versuchen, eine Einordnung der endzeitlichen Ereignisse vorzunehmen.


Inhaltsverzeichnis

1. Die prämillennialistische Sichtweise
1.1 Kritikpunkte an der prämillennialistischen Sichtweise
1.2 Weitere Kritikpunkte aus Offenbarung 20
1.3 Ein alternativer Deutungsvorschlag zur zeitl. Einordnung des Millenniums
2. Die Endzeit – Ein biblischer Überblick
2.1 Die Offenbarung (Kapitel 10, 11 und 20) und das Buch Sacharja
2.2 Sacharja 14
2.3 Jesaja und die Offenbarung
3. Zwei Weltzeitalter und zwei Heilszeiten in der Heiligen Schrift
4. Die Gründung und die weitere Entwicklung des Reiches Gottes
5. Die Heilsgeschichte ist unumkehrbar
6. Fazit

 

 

1. Die prämillennialistische Sichtweise

Ein Prämilliennialist glaubt, dass Jesus Christus physisch wieder auf diese Erde kommen wird, um seine Gemeinde zu sammeln. Dies wird vor dem Millennium, also dem buchstäblich verstandenen tausendjährigen Zeitalter des Friedens geschehen. Die Lehre basiert auf einer buchstäblichen Auslegung von Off 20,1-8. Sie ist auch bekannt unter der Bezeichnung „Chiliasmus“ (chilias = tausend), was auf die Zeitdauer dieses Reiches unter der Herrschaft Christi auf Erden hinweisen soll.

Der Prämillennialismus lehrt in manchen Ausprägungen zwei, in anderen drei leibliche Auferstehungen sowie mindestens zwei Gerichte. Er kann unterschieden werden in den dispensationalistischen (Entrückung vor der großen Drangsal) und den historischen Prämillennialismus (Entrückung erst danach). Die große Drangsal wird jeweils zeitlich vor dem Millennium eingeordnet. Die Grafik veranschaulicht vier Sichtweisen auf das Millennium.

Das Konzept der Aufrichtung eines zeitlichen irdischen Weltreiches für Israel bei der Erscheinung des Messias entstammt ursprünglich dem Judentum zur Zeit unseres Herrn. Unter den Juden hoffte man damals auf ein nationales goldenes Zeitalter, in welchem die von den damaligen Pharisäern buchstäblich gedeuteten Verheißungen der Propheten für die Nation Israel Wirklichkeit werden sollten.

In den ersten Jahrhunderten nach Christus fand diese Auffassung auch unter vielen Christen Verbreitung. Seit Augustinus wurden jedoch die „1000 Jahre“ als das Zeitalter der Gemeinde angesehen. Der Prämillennialismus tauchte später vereinzelt wieder auf, wurde aber von allen großen protestantischen Glaubensbekenntnissen abgelehnt. Erst im 19. Jhd. kam er dann wieder auf. Seitdem hat er sich stark ausgebreitet und ist heute die beherrschende Auslegung in den evangelikalen Gemeinden der westlichen Welt. Auch in anderen Gemeindeformen breitet er sich zunehmend aus. Ein guter Überblick über den Prämillennialismus findet sich auf der englischsprachigen Seite von www.wikipedia.org. Soweit die Grundzüge des Chiliasmus.

 

 

1.1 Kritikpunkte an der prämillennialistischen Sichtweise

Hinsichtlich der Einzelheiten der Deutung bestehen innerhalb des dispensationalistischen und des historischen Prämillennialismus wiederum weitreichende Differenzen, deren Erläuterung Bände füllen könnte und auch gefüllt hat. Wir möchten jedoch nicht ausufern und haben daher oben nur die Grundzüge erläutert. Es folgen nun einige Kritikpunkte bezüglich des Prämillennialismus, zunächst allgemeiner Natur, danach anhand von Off 20:

 

  1. Die Lehre vom 1000-jährigen Reich findet sich weder in den Evangelien noch an irgendeiner Stelle in den neutestamentlichen Briefen. Sie basiert einzig auf den Versen in Off 20,1-8. Es ist bedenkenswert, dass es an keiner anderen Schriftstelle des Neuen Testamentes einen weiteren Hinweis auf diese Lehre gibt, die als derart grundlegend angesehen wird. Dies widerspricht dem Prinzip der zwei oder drei Zeugen, welches die ganze Bibel durchzieht, und welches auch vom Herrn selbst ausgesprochen wurde.
     
  2. Das vom Prämillennialismus angenommene 1000-jährige Reich wäre ein irdisches Reich mit einer leiblichen Herrschaft des Herrn Jesus. Im Gegensatz dazu hörte der Herr während seines Dienstes auf dieser Erde nicht auf zu betonen, dass sein Reich geistlich ist. Sein Reich ist nicht von dieser Welt (Joh 18,36). Das Millennium soll aber gerade in dieser Welt stattfinden.
     
  3. Die Schrift sagt an keiner Stelle, dass die Juden für 1000 Jahre als Volk mit absoluter Vormachtstellung über den Rest der Welt eingesetzt werden, auch nicht in Off 20. Diese Stelle erwähnt weder Juden, noch Israel, noch Jerusalem. Es muss auch hier betont werden: Es gilt, was da steht! Die Deutung steht im Widerspruch zu Versen wie Kol 3,11; Eph 2,14; Eph 2,19; Eph 3,6; Mt 21,43. Anstelle der Nation Israel auf dieser Erde ist die Gemeinde als das Volk des Segens eingesetzt, und zwar für immer. Diese neue geistliche Nation nach Mt 21,43 bringt die Frucht des Reiches. Sie enthält zwar zahlreiche Juden, aber sie ist nicht Israel. Auch das Gleichnis vom Feigenbaum bei Matthäus und Markus deutet klar darauf hin, denn der Feigenbaum (ein Bild für das irdische Israel im Fleisch) wird nach dem Wort des Herrn in Ewigkeit keine Frucht mehr bringen. Also auch nicht in einem zukünftigen irdischen Reich. Siehe auch Jak 3,12: Der Feigenbaum trägt keine Oliven!
     
  4. Der Prämillennialismus lehrt mindestens 2 Ankünfte des Herrn, wobei eine davon geheim stattfindet. Die Schrift lehrt an verschiedenen Stellen, dass der Herr nur einmal wiederkommt, und zwar sichtbar am letzten Tag, dem Tag des Herrn, dem Tag Christi (denn Christus ist der Herr, es gibt keinen anderen), bei der letzten Posaune, mit Blitz, Donner, Erdbeben und Bewegung der Gestirne. Jedes Auge wird ihn sehen. Das wird jeder mitbekommen, und man findet hier nichts Geheimes.
     
  5. Der Prämillennialismus lehrt mindestens 2 leibliche Auferstehungen. Dies steht im Widerspruch zu den Aussagen des Herrn, welche er während seines Lebens gemacht hat. Lesen sie folgende Stellen: Joh 6,39+40+44+54; Joh 11,24; Joh 5,28-29. Es wird eine allgemeine leibliche Auferstehung aller Menschen, der Ungerechten und der Gerechten, am letzten Tag geben.
     
  6. Der Prämillennialismus lehrt, dass es während 1000 Jahren auf der Erde zu gleicher Zeit verherrlichte Heilige und Heilige in irdischen Leibern geben wird, die nebeneinander leben werden. Wann immer wir jedoch sehen, dass Menschen im Fleisch dem verherrlichten Herrn begegnen, dann fallen sie wie tot zu Boden.
     
  7. Vom dispensationalistischen Prämillennialismus wird auch gelehrt, dass während der 1000 Jahre viele Menschen auf der Erde leben werden, die im Grunde ihres Herzens noch unbekehrte Sünder sind. Das würde aber bedeuten, dass das Zeitalter doch nicht so herrlich sein würde, wie wir glauben sollen. Wie könnte es möglich sein, dass der Herr für 1000 Jahre geherrscht hat, und dass der Satan es am Ende dieser totalen Herrschaft des Herrn fertigbringen sollte, eine Masse von Menschen, so zahlreich wie der Sand des Meeres aufzubringen, welche nach Jerusalem ziehen und dort das Heerlager der Heiligen tödlich bedrohen könnte?

 

Bevor wir nun zu den Einwänden aus Off 20 selbst kommen, muss erneut darauf hingewiesen werden, dass nicht nur das Buch der Offenbarung, sondern die gesamte Heilige Schrift eine Einheit ist. Wir dürfen nicht eine Stelle in einer bestimmten Art und Weise auslegen, wenn es an anderen Schriftstellen Aussagen gibt, welche unserer Auslegung widersprechen. Genauso dürfen wir bei der Auslegung unklarer oder schwieriger Stellen nicht auf die ergänzenden Aussagen verzichten, welche die Schrift an anderen Stellen macht. Wir müssen sie mit einbeziehen, wenn wir zu einer richtigen Deutung gelangen wollen.

 

1.2 Weitere Kritikpunkte aus Offenbarung 20

Johannes sieht einen Engel aus dem Himmel herabkommen, er blickt also in den Himmel. Dort sieht er Throne. Im gesamten Buch der Offenbarung stehen die Throne niemals auf der Erde, sondern immer im Himmel. Das ist eine äußerst bedeutsame Tatsache. Johannes sieht überhaupt keine irdische Szene, sondern eine Szene im Himmel! Es ist hier gar nicht die Rede von den Juden, von Israel, von Jerusalem, vom Tempel oder von der Erde.

Dann sieht Johannes, wie der Engel den Satan an eine Kette legt. Man ist noch bereit zuzugeben, dass der Satan ein Geistwesen ist. Seltsam ist dann aber die Tatsache, dass man nicht mehr bereit ist zuzugeben, dass man einen Geist nicht an eine materielle Kette legen kann, und dass somit das gesamte Bild ein Symbol sein muss. Auch die Zahl 1000 ist eine symbolische Zahl, denn sie symbolisiert im Kontext der Offenbarung dreifache Vollständigkeit: 10 x 10 x 10. Das bedeutet einen langen Zeitraum, der in den Plänen Gottes vollständig ist. Die Auslegung sagt also in symbolischer Sprache das Folgende: Es wird eine sehr lange Zeit geben, während welcher ein mächtiger Engel den Geist Satan geistlich bindet und in seiner Aktivität entscheidend einschränkt, so dass er nicht mehr ungehindert wirken kann. Er kann nämlich infolge seines Gebundenseins die Nationen nicht mehr verführen.

Auch hier müssen wir wieder mit anderen Schriftstellen vergleichen. Jes 49,24-26 sagt aus, dass dem Starken die Beute genommen werden wird, und dass der Herr selbst als der Messias (von dem Jes 49 als Ganzes redet) seine Kinder erretten wird. Jes 49,6 sagt, dass der Messias nicht nur zu Israel kommen wird, sondern dass er das Licht der Nationen sein würde.

Psalm 22 spricht von der großen Gemeinde aus allen Nationen und von den Enden der Erde, die den Messias nach seiner Auferstehung und Verherrlichung anbeten werden. Das ist seit der Himmelfahrt der Fall. In Mt 12,29 sagt der Herr selbst, dass er in das Haus des Starken eindringen und ihn binden werde. Das geschah während seines Dienstes auf der Erde. Er schickte die Jünger zu zweit los und ließ sie im Angesicht des geistlich gebundenen Satans evangelisieren. Als sie zurückkehrten, sagte er in Lk 10,18, dass er den Satan wie einen Blitz aus dem Himmel fallen sah. Schließlich noch das Wort des Herrn aus Joh 12,31-32: „Jetzt ergeht ein Gericht über diese Welt. Jetzt wird der Fürst dieser Welt hinausgeworfen werden. Dies sagte er aber um anzudeuten, durch welchen Tod er sterben würde.“ Im Dienst des Herrn auf der Erde wurde der Satan also geistlich gebunden, und kurz nach Golgatha (nämlich bei der Himmelfahrt des Herrn) wurde der Satan aus dem Himmel hinausgeworfen. Diese beiden Dinge hängen nach den Aussagen der Schrift unmittelbar mit dem ersten Kommen des Herrn zusammen. Beides finden wir genauso in Off 20 wieder: Der starke Engel kommt, bindet den Satan und wirft ihn aus dem Himmel hinab. Und damit noch nicht genug. Off 12,7-12 zeigt uns, wie der Teufel vom Erzengel Michael besiegt und aus dem Himmel hinausgeworfen wird. Dies geschieht im Kontext von Off 12 unmittelbar im Anschluss an die Auferstehung und Himmelfahrt des Herrn in Vers 5. Der starke Engel könnte somit Michael selbst sein.

 

1.3 Ein alternativer Deutungsvorschlag zur zeitl. Einordnung des Millenniums

Abschließend möchte ich Ihnen in aller Bescheidenheit und im klaren Bewusstsein der Begrenztheit meiner eigenen Erkenntnis den folgenden Deutungsvorschlag für die Stelle in Off 20 unterbreiten:

Vor dem Kommen des Herrn waren nur dem Volk Israel die Aussprüche Gottes anvertraut, nur dieses Volk lebte im Licht und unter der Führung Gottes. Über den Nationen lag geistliche Finsternis, und sie wurden vom Satan verführt, indem er sie in allen Variationen des heidnischen Götzendienstes festhielt. Im irdischen Leben des Herrn Jesus Christus wurde der Satan geistlich gebunden. Im Tod und in der Auferstehung des Herrn wurde der Satan völlig entmachtet. Er wurde nach der Himmelfahrt des Herrn von dem starken Engel Michael aus dem Himmel hinausgeworfen auf die Erde. Da er geistlich gebunden ist, kann er die Nationen nicht mehr verführen. Der Dienst des Herrn hat das Evangelium ans Licht gebracht, welches nun bis zu den Enden der Erde läuft und von den Nationen angenommen wird. Die Nationen sind nun nicht mehr durch den Satan verblendet und verführt, sondern sie folgen dem Licht des Herrn. Dies wird für eine lange Zeit von symbolischen 1000 Jahren so sein, nämlich während des gesamten Evangeliumszeitalters.

Am Ende dieses Zeitalters wird der Satan für eine kurze Zeit losgelassen, was in unseren Tagen bereits geschehen sein könnte. Er wird seine menschlichen Diener dazu befähigen, ein Weltreich aufzurichten, in welchem die Verkündigung des Evangeliums nicht mehr möglich sein wird (vgl. Joh. 9,4) und in welchem die wenigen noch auf der Erde verbliebenen Gläubigen zuletzt einer hoffnungslosen Übermacht von menschlichen Heeren des Satans gegenüberstehen werden, welche so zahlreich wie der Sand des Meeres sein werden. Das gesamte Weltsystem mit allen seinen Dienern wird jedoch am letzten Tag von dem aus dem Himmel kommenden Herrn gerichtet werden. Aus diesem Grund geht die lange Zeit der „1000 Jahre“ im Kontext von Off 20 dem Gericht voraus.

Des Weiteren sieht Johannes in 20,4 außer den Thronen auch noch die Seelen derjenigen, welche um des Zeugnisses Jesu willen enthauptet worden waren. Noch einmal: Er sieht keine menschlichen Körper, sondern Seelen, welche von ihren Körpern getrennt im Himmel bei Christus sind. Sie wurden enthauptet um des Zeugnisses Jesu willen. Auch hierzu wieder einige Fragen:

 

  • Frage: Wann wird das Zeugnis Jesu verkündigt?
    Antwort: Im heutigen Zeitalter der Gemeinde Jesu.
  • Frage: Wann werden Menschen enthauptet, weil sie das Zeugnis Jesu geben?
    Antwort: Im heutigen Zeitalter der Gemeinde Jesu. Dies geschah bereits zum Zeitpunkt der Niederschrift der Offenbarung, und es wird auch weiterhin geschehen, bis der Herr wiederkommt.
  • Frage: Wann befinden sich die Seelen der getöteten Jünger Jesu getrennt von ihren Leibern im Himmel bei Christus?
    Antwort: Im heutigen Zeitalter der Gemeinde Jesu. Wenn der Herr wiederkommt, dann werden die Toten in Christo auferstehen aus ihren Gräbern. Ihre Seelen werden mit den Leibern vereinigt, und sie werden von da an als ganze verherrlichte Menschen mit Leibern und Seelen für immer bei dem Herrn sein.

 

Die Gesamtschau aller dieser Dinge lässt für Off 20,1-8 bei textorientierter Schriftauslegung nur einen einzigen Schluss zu: Die 1000 Jahre stellen das Zeitalter der Gemeinde Jesu dar, währenddessen die Christen auf der Erde verfolgt und getötet werden wegen ihres Zeugnisses für Jesus. Der Satan ist geistlich gebunden und kann die Nationen nicht mehr uneingeschränkt verführen. Das Evangelium geht zu den Nationen und viele Menschen nehmen es an. Sie werden zu Zeugen Jesu im Angesicht Satans. Der Satan kann zwar noch ihre Leiber töten, aber nicht mehr ihre Seelen. Nach ihrem Tod gehen ihre Leiber ins Grab. Ihre Seelen gehen in den Himmel und sitzen dort mit Christus in den himmlischen Örtern (Eph 1), wo sie auf Thronen sitzend (Off 3,21) herrschen mit Christus, und wo sie wie die gesamte Schöpfung die Erlösung des Leibes erwarten. Diese Erlösung des Leibes wird sich bei der leiblichen Auferstehung am Tag des zweiten Kommens Christi ereignen. Somit redet Off 20 nach meiner bescheidenen Ansicht ganz eindeutig nicht über ein zukünftiges 1000-jähriges Reich auf der Erde.

Während dieser symbolischen „1000 Jahre“ herrscht also Christus im Himmel, und die gestorbenen Gläubigen herrschen mit ihm. Das ist gegenwärtig der Fall. Diese Auslegung ist in vollkommener Harmonie mit folgenden Schriftstellen: Ps 110,1; Mt 28,18; Eph 2,5-6; Phil 1,21-23; Phil 2,9; Kol 1,1-3; 2Tim 2,12. Aber damit noch nicht genug. Nicht nur unser Herr herrscht jetzt im Himmel und auf der Erde, sondern auch wir selbst herrschen bereits jetzt im Leben:

 

Rö 5,17: „Denn wenn infolge der Übertretung des einen der Tod zur Herrschaft kam durch den einen, wie viel mehr werden die, welche den Überfluss der Gnade und das Geschenk der Gerechtigkeit empfangen, im Leben herrschen durch den Einen, Jesus Christus!“

 

Die symbolischen „1000 Jahre“ in Off 20 reden über das gegenwärtig noch andauernde Zeitalter der Gemeinde.

 

 

2. Die Endzeit – Ein biblischer Überblick

Die soeben gegebene texttreue Deutung des Millenniums („schriftgemäßes Millennium“ auf Deutsch oder „scriptural millennium“ im Englischen) wird durch weitere Schriftabschnitte untermauert. Alle diese Schriftstellen reden nicht von tausend Jahren. Die gesamte Deutung der prä- und postmillennialistischen Ausleger ist letztlich an Offenbarung 20,1-6 aufgehängt, denn einzig und allein dort kommt die Zahl der „1000 Jahre“ vor, welche nach allem bisher Gesagten symbolisch zu verstehen ist. Wir wollen auf den kommenden Seiten aufzeigen, dass die nun zu diskutierenden Schriftabschnitte, sowohl gemäß ihrer eigenen inneren Logik als auch gemäß ihrer kontextuellen Stellung in der Schrift, in völliger Harmonie mit der symbolischen Auslegung der „1000 Jahre“ sind. Alle diese Schriftstellen reden wie gesagt nicht über das von den buchstäblichen Auslegern geforderte Millennium, denn der Heilige Geist kennt kein solches Millennium. Wenn er es kennen würde, dann hätte er es uns mit Sicherheit auch in der Schrift mitgeteilt, denn es wäre für uns viel zu wichtig gewesen, um verschwiegen zu werden. Wir werden vielmehr erkennen, dass die korrekte Deutung dieser Verse ein buchstäbliches Millennium im Sinne des Dispensationalismus ausschließt.

 

2.1 Die Offenbarung (Kapitel 10, 11 und 20) und das Buch Sacharja

In Kapitel 9 des Buches Sacharja werden Ereignisse aus den Jahrhunderten nach der Wiederherstellung Jerusalems bis zum Kommen des Messias angesprochen, nämlich die Kriege Alexanders des Großen und die Kämpfe der Makkabäerzeit. Der weitere Handlungsgang führt über das Kommen und die Verwerfung des wahren Königs mit der darauf folgenden erneuten und diesmal völligen Zerstörung Jerusalems in Sacharja 11 bis zur Bekehrung derer, die auf den durchbohrten Heiland schauen, was Sacharja 12 entspricht und unser Zeitalter des Evangeliums umfasst. Sacharja 13 zeigt die Quelle der Reinigung und Vergebung während unseres Zeitalters, sowie die Zerstreuung der Gläubigen aus dem irdischen Israel und aus allen Nationen über die ganze Erde. Die Gläubigen werden in der Bedrängnis bis zum Kommen des Herrn geprüft und gereinigt. Sacharja 14 bringt uns schließlich in die Drangsale der Gemeinde zur Zeit des Endes hinein und zeigt uns die Umstände der Wiederkunft des Herrn und die Verhältnisse – nicht im darauf folgenden 1000-jährigen Reich, sondern – im ewigen Zustand. Für eine genauere Auslegung dieser Dinge verweisen wir auf unseren Text: „Das Buch Sacharja: Die Apokalypse des Alten Testamentes“ unter www.derdrachekommt.de.

Die soeben beschriebene prophetische Linie Sacharjas ist in Harmonie mit den Aussagen der Offenbarung in den Kapiteln 10, 11 und 20, denn Sacharja ist die Apokalypse des Alten Testamentes. In Offenbarung 10 ist das Buch, welches Johannes essen muss, das Zeugnis des Evangeliums. Die Wurzel findet sich in Hes 3,1-3, wo der Prophet ebenso ein Buch essen musste. Das Evangelium ist eine süße Botschaft, es ist das Wort der ewigen Errettung. Wenn es gegessen wurde und danach verkündigt wird, dann führt es für die Gläubigen zu bitteren Verfolgungen und Zurückweisungen durch die Hand derer, die es ablehnen. Inmitten der Siegel der Offenbarung (also der Verfolgungen), zugleich aber auch inmitten der Posaunengerichte über die nicht umkehrenden Verfolger, gibt die Gemeinde ihr Zeugnis.

Die Verbindung zur Endzeit bringt uns Offenbarung 11. Johannes muss in Offenbarung 11 mit einer Rute den Tempel Gottes messen. Den Vorhof soll er nicht messen, denn er wird von den Heiden zertreten werden für 42 Monate. Das ist das Bild. Was bedeutet es? Der Tempel Gottes in dem heutigen Gemeindezeitalter ist die Gemeinde Christi (1Kor 3,16; 2Kor 6,16). In der Offenbarung bezeichnet das griechische Wort naos entweder den jetzigen himmlischen Tempel oder den ewigen Tempel der Zukunft. So also auch in Offenbarung 11,2. Die Gemeinde wird hier gemessen, so wie sie in Offenbarung 7 gezählt wurde. Die echten Gläubigen sind von Gott bereits von Ewigkeit her im Voraus gekannt, gemessen und gezählt, sie stehen unter Gottes ewigem geistlichem Schutz. Das Vermessen stellt in geistlicher Hinsicht dar, dass eine von Gott im Voraus geplante Sache zur Ausführung kommt, nämlich der Aufbau seiner Gemeinde. Das Bild des Tempels deutet hier die geistliche Einheit der Gemeinde als Ganzheit an. In der Gemeinde, also in seinem neuen Tempel, wohnt Gott in Ewigkeit im Innersten der Herzen (im Allerheiligsten). Der Bau dieses Tempels begann an Pfingsten und wird fortdauern bis zur Wiederkunft des Herrn zum Gericht am Jüngsten Tag. Der Satan und die Welt werden diesen Tempel niemals zerstören können.

Nach ihrem äußerlichen Leben in der Welt und nach ihrer leiblichen Existenz, im Bild von Offenbarung 11 repräsentiert durch den Vorhof, stehen die Gläubigen jedoch nicht ununterbrochen unter dem absoluten Schutz Gottes. So wie Christus in der Welt gelitten hat, so werden auch die Christen leiden für eine Zeit, und viele werden für den Namen des Herrn sterben. Der Vorhof der Gemeinde, die leiblich sichtbare Gemeinschaft der Gläubigen, wird von der Welt zertreten, sie ist äußerlich verwundbar, ohne jedoch jemals ganz unterzugehen (Joh 16,33; Joh 17,15). Der Altar (11,1: thysiasterion) ist der Ort des Opfers und des Leidens der Gemeinde, der himmlischen Gemeinschaft Gottes in dieser Welt. Dies dauert an für symbolisch 42 Monate (dreieinhalb Jahre, 1260 Tage), also während des gesamten Gemeindezeitalters.

Die soeben genannte Zahlensymbolik erklärt sich folgendermaßen: Wie wir aus Dan 9,24-27 wissen, starb der Herr in der Mitte der siebzigsten Jahrwoche Daniels am Kreuz (siehe hierzu unseren Text: „Daniel besser verstehen. Der innere Zusammenhang seiner Visionen“). Der Aufbau der christlichen Urgemeinde begann nach der Auferstehung und Himmelfahrt des Herrn während der zweiten Hälfte der siebzigsten Jahrwoche und dauerte etwa bis Apg 10, wo Petrus sein Zeugnis an die Heiden in Caesarea gibt. So wie der Herr während der ersten Hälfte der siebzigsten Jahrwoche Daniels seinen Dienst unter Leiden und Verfolgung tat, so setzte die Gemeinde, der Leib Christi auf der Erde, diesen Dienst unter Leiden und Verfolgung fort. Das Bild in Offenbarung 11 dehnt nun diese Leidenszeit der Gemeinde, welche mit tatsächlichen dreieinhalb Jahren Dienst und Leiden in Israel begann, in symbolischer Sprache auf das gesamte Gemeindezeitalter bis zur Wiederkunft des Herrn aus.

Die Gemeinde wird in ihrem gesamten Dienst bis zum Ende ebenso zu leiden haben wie der Herr. Der öffentliche Dienst des Herrn als Messias Israels dauerte dreieinhalb wirkliche Jahre. Während dieser Zeit wurde der Herr unentwegt verfolgt, bis er schließlich zur Kreuzigung überliefert wurde. Dies alles geschah nach dem ewigen Plan Gottes, den der Herr willig ausführte. Der Dienst der Gemeinde auf der Erde dauert an für symbolische dreieinhalb Jahre, nämlich bis kurz vor der Wiederkunft des Herrn. So ist auch die große Stadt in diesem Bild in der Offenbarung eine Darstellung der ganzen ungläubigen Welt, welche die Gemeinde verfolgt. In Off 11,8 kommt es zum Ausdruck: Es ist die große Stadt (das ist: die ganze Welt), die im geistlichen Sinn Sodom und Ägypten heißt (wieder die Bosheit der Welt), wo auch unser Herr gekreuzigt worden ist.

Dann kommen die zwei Zeugen, und auch sie dienen für 1260 Tage. Das sind wiederum die 42 Monate und somit ein Bild für das gesamte Evangeliumszeitalter. Wer sind sie? Im Alten Testament sehen wir sie vorgeschattet in Elia und Elisa, ebenso auch in Josua und Serubbabel. Die Erfüllung des Bildes von Elia und Elisa kam in Johannes dem Täufer und dem Herrn Jesus selbst: Johannes mit dem Dienst der Buße unter dem Gesetz, der Herr mit dem Dienst der Gnade und Wahrheit. Der Herr Jesus sagt: „Wenn ihr es glauben wollt: Elia ist schon gekommen“ (vgl. Mat 11,14). Er sprach von Johannes dem Täufer. So hat auch die ganze Bibel zwei Zeugen, nämlich das Alte und das Neue Testament. Sowohl im Alten als auch im Neuen Testament kommen entscheidende Stellen vor, an denen über zwei Zeugen geredet wird: 5Mo 17,6; 5Mo 19,15; Mt 18,16; 2Kor 13,1. Sehr auffällig ist, dass es genau zweimal zwei Stellen sind. Das Zeugenprinzip hat also sehr stark mit der Zahl zwei zu tun, und es ist untrennbar mit dem Evangelium verknüpft, denn auch der Herr sendete seine Jünger immer wieder zu zweit aus (Lk 10,1-2), um das Evangelium zu verkünden.

Wenn wir in Sacharja 4 die zwei Ölbäume (die zwei Söhne des Öls, also die Zeugen des Heiligen Geistes) sehen, dann sind sie dort mit sieben Lampen verbunden. Auch dieses Bild weist klar auf die Verkündigung des Evangeliums im neuen Bund hin. Im direkten Kontext von Sacharja 4 weisen die beiden Söhne des Öls natürlich auf Josua den Priester und Serubbabel den Fürsten oder König hin, welche das Volk Gottes führten und den Tempelbau leiteten. Jedoch ist bereits Sach 6,12-13 eine Prophetie auf den Herrn Jesus Christus, welcher König und Priester in einer Person sein wird. Der wahre und endgültige Tempel Gottes wird nach Sach 4,6-7 auch nicht durch Macht und Kraft gebaut werden, sondern durch den Geist Gottes. Der Schlussstein ist hier ein Hinweis auf den Stein aus Daniel 2, sowie auf den Grundstein und den Eckstein der Gemeinde, den Herrn Jesus. Josua und Serubbabel bauten in damaliger Zeit gegen Widerstand den steinernen Tempel, und ebenso tut es die Gemeinde in unserer Zeit mit dem geistlichen Tempel, dem Leib Christi. In Offenbarung 2 und 3 sehen wir wieder sieben Lampen oder Leuchter als Bilder der sieben Gemeinden Kleinasiens. Die Gemeinden selbst sind in diesem Bild die äußere Darstellung des Evangeliums in der Welt, sie werden gesehen. Ihr geistliches Licht kann aber nur leuchten, wenn sie das Öl der beiden Ölbäume, also das Öl des Zeugnisses Gottes durch den Heiligen Geist, besitzen.

In der Gesamtschau zeigt sich, dass die zwei Zeugen in Offenbarung 11 ein symbolisches Bild für das Zeugnis des Evangeliums in der Welt sind, gegeben durch die Gemeinde, und zwar während des gesamten Evangeliumszeitalters, symbolisch dargestellt durch die 1260 Tage oder 42 Monate, was dreieinhalb Jahren entspricht und somit die Zeit des öffentlichen Dienstes unseres Herrn Jesus Christus auf der Erde darstellt. So wie der Herr während seines dreieinhalbjährigen Dienstes verfolgt wurde, so wird es auch der Gemeinde bis zur Wiederkunft des Herrn für symbolische dreieinhalb Jahre ergehen. Die Gemeinde ist dabei das königliche Priestertum, das geistliche Israel, angedeutet in dem zweifachen Bild von Sacharja 4 und 6, erfüllt in dem Herrn Jesus selbst (2Mo 19,5-6; Hes 40,2; Off 1,6; 1Pe 2,9). Die alttestamentliche Wurzel der Zeit von dreieinhalb Jahren findet sich im Dienst des Elia. Auch er wurde – zusammen mit dem nahezu unbekannten gläubigen Überrest in Israel – unter schwierigsten Umständen für dreieinhalb Jahre verfolgt, bevor Gott direkt aus dem Himmel den Sieg gab.

An diesem Punkt kommen wir nun zu der entscheidenden Verbindung mit unserem Thema des Millenniums. Wir sehen in Off 11,7-12, dass die Zeugen ihr Zeugnis vollendet haben und schließlich getötet werden. Für die kurze symbolische Zeitdauer von dreieinhalb Tagen (im Gegensatz zu der langen Zeit ihres Zeugnisses von symbolischen dreieinhalb Jahren) liegen sie tot auf der Erde und die Menschen freuen sich darüber. Die Zeugen werden am Ende für kurze Zeit tot sein, das Zeugnis des Evangeliums wird ganz am Ende von der Macht des satanischen Weltsystems erstickt werden. Somit haben wir hier drei Zeiten: Die lange Zeit der symbolischen dreieinhalb Jahre für die Verkündigung des Evangeliums, die kurze Zeit der symbolischen dreieinhalb Tage mit der Erstickung des Evangeliums durch die gottlose Welt und schließlich die Wiederkunft des Herrn in Macht und Herrlichkeit mit der Errichtung seines ewigen Reiches auf der neuen Erde.

Am Ende der „dreieinhalb Tage“ werden die Zeugen auferweckt und gehen in den Himmel. Dies ist ein deutliches Bild für die Aufnahme der Gläubigen in die Herrlichkeit am letzten Tag. Deshalb folgt auch am Ende von Offenbarung 11 unmittelbar die siebte Posaune, welche das sichtbare Kommen des Herrn zum Gericht über die Verfolger und über die ganze gottlose Welt bringt. Sie ist identisch mit der Posaune aus 1Thess 4,13-18 und 1Kor 15,52ff. Die Elemente stimmen exakt miteinander überein.

In Offenbarung 20 finden wir das Gleiche, nur in etwas anderer Formulierung. Am Ende der symbolischen „1000 Jahre“ des Gemeindezeitalters (welche exakt den symbolischen „dreieinhalb Jahren“, den „1260 Tagen“ in Offenbarung 11 entsprechen) wird der Satan aus dem Gefängnis des Abgrundes losgelassen (Off 20,7-9), in welches er nach der Himmelfahrt des Herrn gebunden hineingeworfen wurde (Off 12,9; Off 20,1-3). Er wird den Gog und den Magog (siehe auch die Harmonie mit Hesekiel 38) von den Enden der Erde aufbieten, um die Stadt Gottes, das Heerlager der Heiligen, die Gemeinde der Christen auf der Erde, zu vernichten. Die Lage wird hoffnungslos erscheinen. In diesem Augenblick wird der Herr wiederkommen. Alle diese Dinge gehören geistlich zusammen und ergeben ein klares Bild. Der Herr wird sowohl im Kontext von Offenbarung 20 als auch im Kontext der gesamten Schrift nicht zu Beginn eines von Prämillennialisten angenommenen 1000-jährigen Reiches kommen, sondern an dessen Ende. Er wird kommen, um die alte Welt zu richten und die neue Welt zu gründen.

Als Christen müssen wir uns daher umso mehr mit dem Gedanken einer unter Umständen auch uns betreffenden harten Verfolgung auseinandersetzen, je näher das Kommen des Herrn heranrückt. Der Satan wird am Ende losgelassen werden und unter der Zulassung Gottes unsere Fluchtwege versperren. In dieser letzten Zeit wird es kein goldenes Zeitalter geben, sondern die Christen werden weltweit mit dem Rücken zur Wand stehen. Es wird nach Lk 17,26-30 auch so sein wie in den Tagen Noahs und Lots. Das bedeutet, dass die Welt – abgesehen von der Verfolgung der Christen, die man in den Medien ausblenden und im Bewusstsein der unbekehrten Menschen totschweigen wird – ihre ganz offen gottlose Betriebsamkeit nicht nur weiterführen, sondern sie noch erheblich steigern wird. Könnte es sein, liebe Geschwister, dass wir am Beginn dieser Zeit stehen? Weltweit sterben so viele Christen wie niemals zuvor, und zahllose werden vertrieben. Die Medien berichten über alles Mögliche, nur nicht darüber. Es scheint den Weltmächten mehr und mehr gleichgültig zu sein, wie viele Christen in allen Teilen der Welt unter Ausschluss der Öffentlichkeit ermordet werden.

 

2.2 Sacharja 14

Das Kapitel 14 steht im Kontext von Sacharja in der ungebrochenen Kontinuität des dritten Teiles des Buches, und zwar sowohl in historischer als auch in geistlicher Hinsicht, wie wir bereits im vorigen Abschnitt erkennen konnten. Es bringt uns in die Drangsale der Gemeinde zur Zeit des Endes hinein und zeigt uns die Umstände der Wiederkunft des Herrn und die Verhältnisse im ewigen Zustand.

Wir finden hier einen erfolgreichen Angriff aller Nationen gegen die Stadt Gottes, die Gemeinde Christi, das geistliche Jerusalem Gottes (Verse 1-2, siehe hierzu auch Off 21,2 und Hebr 12,22), die persönliche Erscheinung des Herrn zur Verteidigung seines Volkes (Verse 3-5), sowie die Ergebnisse dieser letzten Katastrophe mit der Aufrichtung des Reiches Gottes in Macht und Herrlichkeit (Verse 6-11). In Sacharja 13,9 wurden die Gläubigen zerstreut und in das Feuer der Reinigung gebracht. Hier sehen wir nun in den Versen 1-2, wie Gott diese Reinigung durch schreckliche Verfolgungen in der Welt zustande bringt. Zu allen Zeiten der Evangeliumsverkündigung gab es in verschiedenen Teilen der Welt immer wieder harte Verfolgungen der Gemeinde. Diese Verfolgungen werden sich zur Zeit des Endes so sehr steigern, dass Gottes neues Jerusalem, also die Gemeinde, symbolisch gesehen eingenommen und zur Hälfte zerstört wird. Die Verfolgungen werden weltweit sein, denn alle Nationen der Erde werden sich gegen die Gemeinde Christi wenden. Möglicherweise wird es sogar ganz real so sein, dass die Hälfte aller Christen weltweit umkommen wird.

Wir finden in der Offenbarung eine feste Ordnung von drei Zeiten:

  • Erstens das lange Zeitalter des Evangeliums, die 42 Monate oder tausend Jahre, die Zeit, Zeiten und eine halbe Zeit, die 1260 Tage (Off 11,2-3; 12,6+14; 13,5; 20,2-5).
  • Zweitens eine sehr kurze Zeit von „dreieinhalb Tagen“, in welcher das Evangelium zum Schweigen gebracht ist und die zwei Zeugen tot auf der Straße liegen (Off 11,7-9; 13,7; 20,7-10).
  • Drittens den Tag des Gerichts mit dem zweiten Kommen des Herrn (Off 11,11,12+16ff; 14,14ff; 20,11ff).

 

Der Geist des Antichristen wird am Ende weltweit herrschen und die Christen mächtig unter Druck setzen. Während der kurzen „dreieinhalb Tage“ nach den „dreieinhalb Jahren“ wird er die Heiligen töten und das Zeugnis des Evangeliums für kurze Zeit weltweit zum Schweigen bringen (Off 11,7). Dieses Zeugnis der Offenbarung ist überaus stark, und es hat seine Entsprechung hier in unserem Kapitel Sacharja 14.

In Sacharja 14 haben wir somit das rettende Handeln Gottes zur Zeit des Endes in bildlicher Darstellung. Das heutige Jerusalem ist geographisch betrachtet an allen Seiten von Bergen eingeschlossen. Einer von diesen Bergen ist der Ölberg, von wo aus der Herr in den Himmel aufgefahren ist. Diese geographische Tatsache nimmt nun der Prophet und wendet sie in symbolischer Sprache auf das geistliche Jerusalem des Endes an, also auf die Gemeinde Christi in der Welt. Die Teilung des Ölbergs stellt in apokalyptischer Sprache dar, dass der Herr durch sein völlig überraschendes Kommen am Ende dieses Zeitalters seinem ausweglos eingeschlossenen geistlichen Jerusalem auf dieser Erde einen nicht mehr für möglich gehaltenen Ausweg schaffen wird. Auf diesem Ausweg werden sie aus der Bedrängnis dieser Welt hinausrennen bis zu dem Ort der Absonderung, also bis nach „Azel“. Dieser Ort der Absonderung wird die direkte Gegenwart des Herrn sein, wenn er die Welt richten wird. Azel ist ein geistlicher Ort, welcher in der Geographie des heutigen Israel nicht existiert. Das prophetische Bild redet von der weltweit sichtbaren Entrückung der Christen, welche noch auf dieser Erde leben werden, im Augenblick der Ankunft des Herrn mit Macht und Herrlichkeit. Sie werden aus dieser Welt hochgehoben und dem Gericht über alle Feinde entnommen. Von Pfingsten an bis heute hat der Herr zwar unzähligen Christen Auswege aus schrecklichen Situationen geschenkt, aber am letzten Tag wird es weltweit sein.

In Sach 14,6-7 sehen wir die Verfinsterung der Himmelskörper bei der Ankunft des Herrn an diesem Tag, entsprechend Matthäus 24,29-31. Die Verse 8-9 reden von dem Strom des Segens und von der Königsherrschaft des Herrn über die ganze Erde. Sie stehen geistlich in direkter Verbindung mit Hesekiel 47,1-12 (siehe hierzu unseren Text: „Gedanken zum Buch Hesekiel“, und hier besonders die Auslegung hinsichtlich des Stromes aus dem Heiligtum in Hesekiel 47,1-13), Joh 7,37-39 (unmittelbare Anwendung des Bildes aus dem Mund des Herrn auf die Gläubigen, die den Heiligen Geist empfangen würden) und Off 22,1-2 (endgültige und ewige Erfüllung auf der neuen Erde, entsprechend der direkten Bedeutung unseres Kapitels). Wir empfehlen hierzu auch unseren Text: „Der Strom“. Sacharja 14,10 redet im symbolischen Bild einer Umgestaltung der Erdoberfläche Israels über die Erhöhung der Gemeinde Christi auf der neuen Erde. Das neue Jerusalem, der komplett fertiggestellte Tempel, dessen geistlich gesehen noch nicht ganz vollendeten Grundriss wir aus den Kapiteln Hesekiel 40-48 kennen (siehe hierzu: „Gedanken zum Buch Hesekiel“, Auslegung der Kapitel 40-48), wird aus dem Himmel herab auf die neue Erde kommen und sie auf ewig erfüllen. Jerusalem wird sicher wohnen (Vers 11). Sacharja 14 führt uns somit nicht in ein 1000-jähriges Reich auf dieser Erde hinein, sondern in die neue und ewige Welt. Der zweite Teil des Kapitels verdeutlicht dies noch weiter.

In diesem Abschnitt sehen wir das Gericht über die Nationen, welche die Stadt Gottes, sein neues Jerusalem, in dieser Welt vernichten wollten. Dieses endgültige Gericht kommt am gleichen Tag wie die Rettung der Gläubigen. Ein Zwischenraum von 1000 Jahren zwischen dem Kommen des Herrn und dem Endgericht über diese Welt ist auch hier nicht erkennbar. Die unerbittliche Härte und Totalität des Gerichtes wird bildlich in verschiedenen Szenen dargestellt.

In Vers 12 sehen wir, wie die Leiber der Feinde verfaulen. Die Wurzel dieses Bildes liegt in tatsächlichen Ereignissen wie etwa der Plage über die 185.000 Assyrer vor den Toren Jerusalems, welche in einer einzigen Nacht starben. Sacharjas Zuhörer konnten es verstehen. Das Bild beschreibt das verwesende Fleisch der Feinde, während sie noch auf ihren Füßen stehen und illustriert somit die Plötzlichkeit und Vollständigkeit der Vernichtung. Besonders genannt werden zwei Dinge. Einmal die Augen der Feinde, welche gierig nach der Vernichtung der Stadt Gottes ausgeschaut hatten: sie werden verfaulen. Außerdem die Zungen, welche Gott und sein Volk gelästert hatten: auch sie werden verfaulen.

In Vers 13 sehen wir völlige Verwirrung, Panik und gegenseitiges Abschlachten der Feinde untereinander. Dieser Vers zeigt uns in bildlicher Darstellung nicht nur den gewaltigen Schrecken der Verlorenen bei der für sie völlig unerwarteten Ankunft des Herrn, sondern auch eine geistliche Vorausschau auf den Hass der Verlorenen gegeneinander, welcher sich im Zustand der Hölle in der Ewigkeit ungehemmt Bahn brechen wird. Die Hölle wird keine Party bei leicht erhöhter Raumtemperatur sein, sondern der Ort der ewigen Gottverlassenheit, an welchem die Verlorenen in äußerster Verzweiflung und Hass gegeneinander auf ewig sich selbst überlassen sein werden.

Vers 14 bringt zum Ausdruck, dass die Welt beim Kommen des Herrn vergehen wird und dass den unbekehrten Sündern restlos alles genommen werden wird, was sie jemals besessen haben. Es wir ihnen nichts verbleiben. In Vers 15 werden sie auch ihrer Machtmittel, Waffen und Kommunikationsmittel beraubt, ausgedrückt im Bild der Reit-und Transporttiere. Es war schon in den Kriegen des Alten Testamentes oftmals so, dass den Verlierern alles abgenommen wurde, ja dass bisweilen sogar ihre Frauen und Kinder umgebracht wurden. Auch dieses Bild erinnert uns somit an die Totalität des letzten Gerichtes, welches Sach 14 abbildet. Die Gemeinde kann in unseren Tagen gläubig auf den Herrn harren. Sie soll nicht Böses mit Bösem vergelten, sondern alles dem übergeben, der gerecht richtet. Bei seiner Ankunft wird der Herr in der neuen Welt seine Gläubigen für alle Verluste dieser Zeit entschädigen. Er wird weit mehr tun als wir jemals zu hoffen gewagt hätten.

In den Versen 16-19 ist wieder besonders zu beachten, dass es sich um apokalyptische Literatur in Symbolen und Bildern handelt. Eine rein wörtliche Deutung würde der geistlichen Botschaft des Abschnittes nicht gerecht werden. Einerseits erscheint es heilsgeschichtlich undenkbar, dass der Herr am Ende dieses Zeitalters wiederkommt, um das mosaische Gesetz in Teilen wieder aufzurichten und damit in das Alte Testament zurückzufallen. Andererseits zeigt die Parallelität zu Off 22, dass Sacharja hier über die Zustände redet, welche vor und nach der Wiederkunft Christi in seiner ewigen Stadt herrschen werden. Diese letzten Verse des Buches dienen nicht dazu, tatsächliche Ereignisse im letzten und ewigen Zustand zu beschreiben. Vielmehr sollen sie in symbolischen Bildern die Absolutheit der Herrschaft des Herrn und die Vollkommenheit der Anbetung beschreiben, welche er in schwacher Form schon heute in seiner Gemeinde bekommt und welche er im ewigen Zustand in Vollkommenheit empfangen wird. Sacharja ist der letzte große Prophet des Alten Testamentes, sein Buch fasst gewissermaßen die Prophetien seiner Vorgänger abschließend zusammen, daher greift er auch in diesen letzten Versen auf Bilder zurück, die in früheren Büchern der Schrift vorkommen.

Vers 16 redet von den Überlebenden aus den Nationen, welche gegen Jerusalem herangezogen sind. Das können nicht die kämpfenden Heere der Feinde selbst sein, denn von diesen wird kein einziger den Tag des Herrn überleben. Es sind vielmehr diejenigen, die aus diesen feindlichen Nationen heraus errettet wurden und deshalb am Tag des Herrn verschont geblieben sind. Es sind die Gläubigen des Gemeindezeitalters aus den Nationen, die nun mit dem Herrn auf der neuen Erde wohnen. Sie werden alle Jahre, das ist bildlich gesprochen für immer und ewig, das Laubhüttenfest in Jerusalem feiern. Dieses Fest symbolisiert im neutestamentlichen Sinn die ewige Gemeinschaft Gottes mit seinem Volk: „Siehe die Hütte Gottes bei den Menschen (Off 21,3)!“ (Wenn Sie dieses Thema näher interessiert, dann lesen Sie doch bitte auch unseren Text über die Feste des Herrn, und darin insbesondere den Abschnitt über das Laubhüttenfest.)

Das Bild des fehlenden Regens in Vers 17 geht auf alttestamentliche Ereignisse zurück. Wir denken an die Trockenheit zur Zeit Elias. Vers 18 geht zurück auf die Zeit der Plagen über Ägypten und erinnert daran, dass Gott dieses Volk nicht durch Mangel an Regen gezüchtigt hat, denn das hätte sie wenig interessiert, weil sie ja das Wasser des Nils hatten. Sie glaubten sich unabhängig vom Regen Gottes. Gott wandte deshalb ein anders Mittel an, um den Willen der Ägypter zu brechen.

Sacharja ruft hier gewissermaßen den vorausgegangenen Propheten seine abschließende Botschaft zu. „Elia, du hast den Regen für drei Jahre zurückgehalten, und sie haben doch nicht Buße getan. Es wird aber der Tag kommen, an dem deine Hoffnung erfüllt und die Herrschaft des Herrn vollendet sein wird. Sie werden nie mehr Regen bekommen. Heute lässt Gott es noch regnen auf Gerechte und Ungerechte, dann aber in Ewigkeit nicht mehr. Und du Mose, die Plagen in deiner Zeit haben den gottlosen Willen des Pharaos nicht gebrochen. Es wird aber der Tag kommen, an dem sich unter den Plagen der letzten Gerichte jedes Knie beugen und jede Zunge den Herrn bekennen wird. Der Herr wird einmal angebetet werden, und man wird ihm gehorchen.“

Die hier von Sacharja beschriebenen Dinge begannen in geistlicher Hinsicht bereits nach der Gründung der neutestamentlichen Gemeinde. Die Gläubigen beteten den Herrn an, blieben in seiner Gemeinschaft und empfingen den geistlichen Segen, den Regen Gottes vom Himmel. Die Feinde des Volkes Gottes mussten früher oder später die Erfahrung machen, über welche Sacharja hier symbolisch redet. Denken wir auch an Psalm 2, wo Gott die Nationen und ihre Fürsten warnt. Der Herr Jesus Christus wird die Nationen mit eisernem Zepter regieren, er wird sie einmal endgültig richten, wenn sie nicht auf dem Weg zu diesem Gerichtstag ihm umkehren. Dies gilt auch für unsere Zeit. Auch heute haben diejenigen keinen dauerhaften Segen zu erwarten, die sich dem Glauben an das Evangelium und der Gemeinschaft mit dem Herrn verweigern. Diejenigen, die den Herrn lästern anstatt ihn anzubeten, haben mit dem Gerichtshandeln Gottes zu rechnen. Eines Tages werden die Plagen Gottes sie treffen. Wir finden diese Dinge in der Offenbarung im Bild der Siegel, der Posaunen und der Schalen.

Wir kommen nun zu den beiden letzten Versen von Sacharja 14. Sie beschreiben die Heiligkeit der neuen Schöpfung. Im Alten Testament trug der Hohepriester ein Stirnband mit der Aufschrift: „Heilig dem Herrn“. In unseren beiden Versen wird ein Zustand beschrieben, in welchem die Pferde und alle Gebrauchsgegenstände des Alltags (bildlich dargestellt in den Töpfen) diese Aufschrift tragen werden. Gottes neue und ewige Stadt, seine Gemeinde, wird bis in den letzten Winkel von seiner Heiligkeit durchdrungen sein. Vergleichen sie hiermit das Ende des Buches Jesaja, den letzten Vers des Buches Hesekiel sowie Off 21,9-22,5. In dieser Stadt wird es keinen Kanaaniter mehr geben, in der Bildersprache der Schrift also keinen betrügerischen Händler mehr. Als Christen dürfen wir heute bereits damit beginnen, in der Kraft Gottes (und nicht in unserer eigenen Kraft) diese Heiligkeit in unserem Leben mehr und mehr zu verwirklichen. Wenn der Herr kommt, wird alles vollkommen sein.

 

2.3 Jesaja und die Offenbarung

Kaum ein Kapitel im Alten Testament wurde von den Vertretern der Lehre eines 1000-jährigen Reiches auf dieser Erde häufiger als eine Beschreibung der irdischen Umstände in diesem Reich angeführt als Jesaja 65. Die Frage nach der zeitlichen Zuordnung der darin beschriebenen Dinge kann jedoch sowohl aus dem unmittelbaren Wortlaut des Textes als auch aus der Stellung von Jesaja 65 im Kontext des gesamten prophetischen Wortes der Heiligen Schrift überraschend einfach beantwortet werden.

Hierzu müssen wir uns erneut eine der Grundregeln der Auslegung biblischer Prophetie bewusst machen. Die gesamte Bibel und somit auch das prophetische Wort sind uns von Gott in Form einer fortschreitenden Offenbarung gegeben. Die Prophetie beginnt im Buch 1Mose und endet in der Offenbarung. Die Offenbarung offenbart uns in vielfältiger Art und Weise die endgültigen Zusammenhänge der Prophetie, welche uns in den prophetischen Büchern des Alten Testamentes angedeutet sind. Die Propheten des alten Bundes haben nicht nur über die Dinge bis zum Kommen des Messias Israels und seiner Verwerfung geredet. Sie haben nicht nur über seinen Tod gesprochen, sondern auch über seine Auferstehung und die Herrlichkeiten danach. Sie haben ausführlich über die Zeit der Gemeinde gesprochen und auch Einblicke in den ewigen Zustand nach dieser Zeit erlangt. Im Neuen Testament wird uns dies klar bezeugt.

 

Apg 3,18-24: „Gott aber hat das, was er durch den Mund aller seiner Propheten zuvor verkündigte, dass nämlich der Christus leiden müsse, auf diese Weise erfüllt. So tut nun Buße und bekehrt euch, dass eure Sünden ausgetilgt werden, damit Zeiten der Erquickung vom Angesicht des Herrn kommen und er den sende, der euch zuvor verkündigt wurde, Jesus Christus, den der Himmel aufnehmen muss bis zu den Zeiten der Wiederherstellung alles dessen, wovon Gott durch den Mund aller seiner heiligen Propheten von alters her geredet hat. Denn Mose hat zu den Vätern gesagt: »Einen Propheten wie mich wird euch der Herr, euer Gott, erwecken aus euren Brüdern; auf ihn sollt ihr hören in allem, was er zu euch reden wird«. Und es wird geschehen: Jede Seele, die nicht auf diesen Propheten hören wird, soll vertilgt werden aus dem Volk. Und alle Propheten, von Samuel an und den folgenden, so viele geredet haben, sie haben auch diese Tage im Voraus angekündigt.“

1Petr 1,10-12: „Wegen dieser Errettung haben die Propheten gesucht und nachgeforscht, die von der euch zuteilgewordenen Gnade geweissagt haben. Sie haben nachgeforscht, auf welche und was für eine Zeit der Geist des Christus in ihnen hindeutete, der die für Christus bestimmten Leiden und die darauf folgenden Herrlichkeiten zuvor bezeugte. Ihnen wurde geoffenbart, dass sie nicht sich selbst, sondern uns dienten mit dem, was euch jetzt bekannt gemacht worden ist durch diejenigen, welche euch das Evangelium verkündigt haben im Heiligen Geist, der vom Himmel gesandt wurde – Dinge, in welche auch die Engel hineinzuschauen begehren.“

2Pe 1,20-21: „Dabei sollt ihr vor allem das erkennen, dass keine Weissagung der Schrift von eigenmächtiger Deutung ist. Denn niemals wurde eine Weissagung durch menschlichen Willen hervorgebracht, sondern vom Heiligen Geist getrieben haben die heiligen Menschen Gottes geredet.“

 

Daher müssen wir bei der Betrachtung von alttestamentlicher und neutestamentlicher Prophetie genau beachten, an welchen Stellen bestimmte Aussagen oder Formulierungen wiederkehren. Die Schrift erklärt die Schrift. Wir dürfen in unserer Auslegung nicht über das hinausgehen, was geschrieben steht (1Kor 4,6). Jesaja 65,17-25 ist hierfür ein klassisches Beispiel. Zunächst möchten wir die Textpassage zitieren, und zwar im Zusammenhang mit der Offenbarung, welche uns die eindeutige Zuordnung gibt. Es geht um einen einfachen Textvergleich.

 

Jes 65,17-25: „Denn siehe, ich schaffe einen neuen Himmel und eine neue Erde, sodass man an die früheren nicht mehr gedenkt und sie nicht mehr in den Sinn kommen werden; sondern ihr sollt euch allezeit freuen und frohlocken über das, was ich erschaffe; denn siehe, ich erschaffe Jerusalem zum Jubel und sein Volk zur Freude. Und ich selbst werde frohlocken über Jerusalem und mich freuen über mein Volk, und es soll kein Klagelaut und kein Wehgeschrei mehr darin vernommen werden. Es soll dann nicht mehr Kinder geben, die nur ein paar Tage leben, noch Alte, die ihre Jahre nicht erfüllen; sondern wer hundertjährig stirbt, wird noch als junger Mann gelten, und wer nur hundert Jahre alt wird, soll als ein vom Fluch getroffener Sünder gelten. Sie werden Häuser bauen und sie auch bewohnen, Weinberge pflanzen und auch deren Früchte genießen. Sie werden nicht bauen, damit es ein anderer bewohnt, und nicht pflanzen, damit es ein anderer isst; denn gleich dem Alter der Bäume wird das Alter meines Volkes sein, und was ihre Hände erarbeitet haben, werden meine Auserwählten auch verbrauchen. Sie werden sich nicht vergeblich mühen und nicht Kinder für einen jähen Tod zeugen; denn sie sind der Same der Gesegneten des HERRN, und ihre Sprösslinge mit ihnen. Und es wird geschehen: Ehe sie rufen, will ich antworten; während sie noch reden, will ich [sie] erhören! Wolf und Lamm werden einträchtig weiden, und der Löwe wird Stroh fressen wie das Rind, und die Schlange wird sich von Staub nähren. Sie werden nicht Schaden noch Verderben anrichten auf meinem ganzen heiligen Berg!, spricht der HERR.“

Off 21,1-2: „Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde waren vergangen, und das Meer gibt es nicht mehr. Und ich, Johannes, sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabsteigen, zubereitet wie eine für ihren Mann geschmückte Braut.“

 

Der Text von Jes 65,17-18 redet über den neuen Himmel und die neue Erde. Was dann bis Vers 25 folgt, steht somit nicht in Verbindung mit dem heutigen Himmel und der heutigen Erde. Ausleger, die an ein 1000-jähriges Reich auf dieser Erde glauben, wenden zwar ein, dass mit dem neuen Himmel und der neuen Erde bei Jesaja nicht wirklich die neue Schöpfung gemeint sei, sondern lediglich eine symbolische Beschreibung für die Erde im 1000-jährigen Reich. Diese Behauptung führt jedoch das gesamte Konzept dieser buchstäblichen Ausleger der Prophetie ad absurdum. Hier setzen die betreffenden Ausleger ihre eigene Methodik außer Kraft, um den Bibeltext ihren eigenen gedanklichen Vorannahmen anzupassen. Man bezeichnet dieses Vorgehen als Eisegese (etwas in den Text hineininterpretieren). Eisegese steht im Gegensatz zur Exegese (Auslegung, Erläuterung), welche darum bemüht ist, sich in allen Aspekten dem Wortlaut des Textes unterzuordnen.

Wenn wir nun Jes 65,17-18 mit Off 21,1-2 vergleichen, dann lösen sich alle Widersprüche in Luft auf. Off 21,1-2 redet nämlich ebenfalls über den neuen Himmel und die neue Erde, auf der man der alten Erde nicht mehr gedenkt, und auf welche das neue Jerusalem herabkommt und wohnt. Die Tränen und das Leid werden der Freude und dem Frieden weichen. Jesaja und die Offenbarung reden über genau denselben Zeitpunkt. Die Offenbarung gibt uns die klare und endgültige Zuordnung dieses Zeitpunktes in den Heilsplänen Gottes. Der neue Himmel und die neue Erde erscheinen in Off 21,1-2 nach dem allerletzten Gericht, welches in Off 20 zu Ende gegangen ist. Mit anderen Worten: Johannes redet in Off 21,1-2ff über den ewigen Zustand. Jesaja tut in Kapitel 65 ab Vers 17 genau das Gleiche. Der Abschnitt von Jesaja 65,17-25 schildert uns nicht die Zustände in einem angenommenen 1000-jährigen Reich auf dieser Erde (wobei auch hier die Zeitangabe der 1000 Jahre wieder einmal durch Abwesenheit glänzt), sondern das Leben im ewigen Zustand. Wir möchten abschließend noch etwas mehr darüber sagen.

Wir haben es hier mit einer Prophetie in poetischer Gedichtform zu tun. Diese enthält Symbole, Bilder und Metaphern, welche im Kontext des gesamten Buches, teilweise sogar der gesamten Bibel, ausgelegt werden müssen, um zu der richtigen Deutung zu gelangen. In Kapitel 65,17-66,24 redet Jesaja über den neuen Himmel und die neue Erde, die wir uns heute noch nicht vorstellen können. Daher stellt er uns unvorstellbare Dinge und geistliche Realitäten in sprachlichen Bildern vor, welche wir verstehen können. Er beschreibt in poetischer Sprache das Unbeschreibliche.

Gott wird seine ganze Schöpfung neu machen. Alles in der alten Ordnung wird dieser großen Renovierung unterliegen. Auch der Geist und die Erinnerung der Menschen werden erneuert werden, sie werden des Alten nicht mehr gedenken. Alles dies wird für ewig sein. In Vers 18 ist die neue Schöpfung gleichgesetzt mit dem neuen Jerusalem.

 

Off 21,2: „Und ich, Johannes, sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabsteigen, zubereitet wie eine für ihren Mann geschmückte Braut.“

Off 21,4-6: „Und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, weder Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen. Und der auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu! Und er sprach zu mir: Schreibe; denn diese Worte sind wahrhaftig und gewiss! Und er sprach zu mir: Es ist geschehen! Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende. Ich will dem Dürstenden geben aus dem Quell des Wassers des Lebens umsonst!“

 

Die neue Schöpfung ist die neue Stadt. So wie Jesaja die Stadt Babylon gesehen hat in ihrer imperialistischen Weltmacht (Kapitel 13-14), als Weltprinzip im Lauf der gesamten Geschichte (21,1-10) und bei ihrem Fall (24,1-10), so sah er auch den Berg der Freude und der Vorsehung (2,1-4; 25,6-9), die Stadt der Kraft und der Errettung (26,1-3). Auf diese Weise wird die neue Schöpfung zum neuen Jerusalem: es wird die vollkommene neue Welt als vollkommener Lebensraum für alle Erlösten sein. Alle Bewohner gehören Gott an. Es wird keine geistliche Trennung mehr geben, keine falschen Gläubigen, keine Spaltungen und keine äußeren Bedrohungen mehr.

Bei der Auslegung von Jesaja 65,20 müssen wir bedenken, dass wir Dinge, die sich unserem heutigen Verständnis entziehen, nur dann verstehen können, wenn wir in uns bekannten Ausdrücken darüber reden. Genau das tut der Prophet hier. Er versucht mit menschlichen Worten das Unbeschreibliche zu beschreiben. Umso wichtiger ist es gerade bei diesem Vers, ihn in seinem Kontext auszulegen. Der Vers bedeutet nicht, dass es in der neuen Welt noch den Tod geben wird, denn das wäre ein Widerspruch zu den Versen 18-19, (ewig, allezeit, nicht mehr) sowie zu Jesaja 25,7-8. Im neuen Jerusalem wird es keine Sünden mehr geben (Verse 6, 7, 12 und 15). Diese Verse können wir also am schlüssigsten mit folgender Metapher (bildliche Rede) verstehen: „Selbst wenn es in der neuen Welt so wäre (was natürlich in Wirklichkeit vollkommen ausgeschlossen ist), dass ein Sünder dem Gericht 100 Jahre lang entkommen könnte, dann würde der Fluch ihn immer noch erreichen und töten.“ Diese Metapher drückt aus, dass es in der neuen Schöpfung keinen Platz mehr für die Sünde und den Tod geben wird.

Die Verse Jes 65,21-25 reden über die Gesellschaftsordnung in der neuen Stadt. Die Menschen werden endlich zuhause sein (Häuser, Weinberge). Sie werden genießen, was sie erarbeitet haben. Das Alter der Bäume bildet immerwährende Fortdauer ab, also ewiges Leben. Keine Schicksalsschläge wie etwa der Tod eines Kindes werden sie wieder treffen können. Die Verse 24-25 beschreiben die völlige Einheit der Menschen mit den Gedanken Gottes. Wenn sie rufen, dann hört er sofort. Er muss und wird ihnen nichts mehr vorenthalten, denn ihre Wünsche werden vollkommen eins sein mit den seinigen.

Feindschaft und Gefahr (der Wolf) werden gebannt sein, die Hilflosen und Schwachen (das Lamm) werden nicht mehr bedroht sein. Die räuberische und gewalttätige Natur der Menschen (der Löwe) wird gezähmt sein. Es wird hier das Bild des wiedergefundenen Paradieses aus Eden gezeichnet, nur in unendlich vollkommenerer Form. Auch die Schlange wird noch da sein, aber sie wird keine Rolle mehr spielen und Staub fressen. Sie kriecht im Staub des Todes (Ps 22,16). Der Fluch über den Tod bleibt ewig bestehen, auch wenn der Tod selbst nicht mehr da ist. Er ist nämlich in den Feuersee geworfen worden am Tag des letzten Gerichts. Der Tod ist tot (Off 20,14). So wird es für immer und ewig bleiben, nicht nur für 1000 Jahre.

 

Die Aufteilung der Heilsgeschichte in sieben Zeitalter, gefolgt von der Ewigkeit, welche von den Vertretern des Dispensationalismus gefordert wird, findet keine Grundlage in der Bibel. Die Heilsgeschichte der Bibel beginnt in 1Mo 3,15 nach dem Sündenfall und endet mit dem Kommen des Herrn in Off 19 beziehungsweise mit dem ewigen Zustand der Erlösten auf der neuen Erde in Off 22. Die gesamte Zeit des Heilshandelns Gottes mit der Menschheit auf der heutigen Erde kann eingeteilt werden in:

  1. Die alte Heilszeit vom Sündenfall bis zum ersten Kommen des Herrn Jesus Christus.
  2. Die neue Heilszeit vom ersten Kommen bis zum zweiten Kommen Christi.

 

Die Schrift betont zudem ein weiteres Schema, nämlich das Schema der zwei Weltzeiten. In der Bibel finden wir zahlreiche Verse, die deutlich über das jetzige endliche Zeitalter sowie über das zukünftige ewige Zeitalter reden. Diese Grundstruktur wird vom Herrn selbst in seinen Reden als quasi selbstverständlich vorausgesetzt. Die Einteilung der zwei Weltzeiten harmoniert vollkommen mit der Heilsgeschichte. Wir möchten nachfolgend eine ganze Reihe von Schriftstellen aus dem Neuen Testament aufführen, welche über die beiden Zeitalter reden:

 

Mt 12,32: „Und wer ein Wort redet gegen den Sohn des Menschen, dem wird vergeben werden; wer aber gegen den Heiligen Geist redet, dem wird nicht vergeben werden, weder in dieser Weltzeit noch in der zukünftigen.“

Mk 10,29-30: „Jesus aber antwortete und sprach: Wahrlich, ich sage euch: Es ist niemand, der Haus oder Brüder oder Schwestern oder Vater oder Mutter oder Frau oder Kinder oder Äcker verlassen hat um meinetwillen und um des Evangeliums willen, der nicht hundertfältig empfängt, jetzt in dieser Zeit Häuser und Brüder und Schwestern und Mütter und Kinder und Äcker unter Verfolgungen, und in der zukünftigen Weltzeit ewiges Leben.“

Lk 16,8: „Und der Herr lobte den ungerechten Haushalter, dass er klug gehandelt habe. Denn die Kinder dieser Weltzeit sind ihrem Geschlecht gegenüber klüger als die Kinder des Lichts.“

Lk 20,34-36: „Und Jesus antwortete ihnen und sprach: Die Kinder dieser Weltzeit heiraten und lassen sich heiraten; diejenigen aber, die gewürdigt werden, jene Weltzeit zu erlangen und die Auferstehung aus den Toten, die werden weder heiraten noch sich heiraten lassen, denn sie können nicht mehr sterben; denn sie sind den Engeln gleich und Söhne Gottes, da sie Söhne der Auferstehung sind.“

1Kor 1,20: „Wo ist der Weise, wo der Schriftgelehrte, wo der Wortgewaltige dieser Weltzeit? Hat nicht Gott die Weisheit dieser Welt zur Torheit gemacht?“

1Kor 2,6-9: „Wir reden allerdings Weisheit unter den Gereiften; aber nicht die Weisheit dieser Weltzeit, auch nicht der Herrscher dieser Weltzeit, die vergehen, sondern wir reden Gottes Weisheit im Geheimnis, die verborgene, die Gott vor den Weltzeiten zu unserer Herrlichkeit vorherbestimmt hat, die keiner der Herrscher dieser Weltzeit erkannt hat – denn wenn sie sie erkannt hätten, so hätten sie den Herrn der Herrlichkeit nicht gekreuzigt –, sondern, wie geschrieben steht: »Was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört und keinem Menschen ins Herz gekommen ist, was Gott denen bereitet hat, die ihn lieben«.“

1Kor 3,18: „Niemand betrüge sich selbst! Wenn jemand unter euch sich für weise hält in dieser Weltzeit, so werde er töricht, damit er weise werde!“

2Kor 4,4: „(…) bei den Ungläubigen, denen der Gott dieser Weltzeit die Sinne verblendet hat, sodass ihnen das helle Licht des Evangeliums von der Herrlichkeit des Christus nicht aufleuchtet, welcher Gottes Ebenbild ist.“

Gal 1,4: „(…) der sich selbst für unsere Sünden gegeben hat, damit er uns herausrette aus dem gegenwärtigen bösen Weltlauf, nach dem Willen unseres Gottes und Vaters, (…)“

Eph 1,21: „(…) hoch über jedes Fürstentum und jede Gewalt, Macht und Herrschaft und jeden Namen, der genannt wird, nicht allein in dieser Weltzeit, sondern auch in der zukünftigen;“

Eph 2,2: „(…) in denen ihr einst gelebt habt nach dem Lauf dieser Welt, gemäß dem Fürsten, der in der Luft herrscht, dem Geist, der jetzt in den Söhnen des Ungehorsams wirkt;“

Eph 6,12: „denn unser Kampf richtet sich nicht gegen Fleisch und Blut, sondern gegen die Herrschaften, gegen die Gewalten, gegen die Weltbeherrscher der Finsternis dieser Weltzeit, gegen die geistlichen Mächte der Bosheit in den himmlischen Regionen.“

1Tim 6,17-19: „Den Reichen in der jetzigen Weltzeit gebiete, nicht hochmütig zu sein, auch nicht ihre Hoffnung auf die Unbeständigkeit des Reichtums zu setzen, sondern auf den lebendigen Gott, der uns alles reichlich zum Genuss darreicht. Sie sollen Gutes tun, reich werden an guten Werken, freigebig sein, bereit, mit anderen zu teilen, damit sie das ewige Leben ergreifen und so für sich selbst eine gute Grundlage für die Zukunft sammeln.“

Tit 2,12: „(…) sie nimmt uns in Zucht, damit wir die Gottlosigkeit und die weltlichen Begierden verleugnen und besonnen und gerecht und gottesfürchtig leben in der jetzigen Weltzeit, (…)“

Hebr 6,5: „(…) und das gute Wort Gottes geschmeckt haben, dazu die Kräfte der zukünftigen Weltzeit, (…)“

 

Wir haben nun eine ganze Reihe von Schriftstellen gelesen. Die Lehre von den zwei Zeitaltern ist grundlegend im Neuen Testament verankert, wie das nachfolgende Diagramm veranschaulicht:

 

 

Die angeführten Schriftstellen haben nicht etwa eine symbolische oder indirekte Bedeutung, sondern sie sind wörtlich zu verstehen und geben uns den Grundriss der biblischen Endzeitlehre, der so genannten Eschatologie. Diese Endzeitlehre durchzieht die gesamte Bibel, sie beginnt in 1Mo 3,15 und endet in Off 22. Gott ist mit den verlorenen Menschen alle Wege durch die Zeit des AT und des NT gegangen und hat bis auf den heutigen Tag ununterbrochen daran gearbeitet, die Verlorenen aus der jetzigen bösen Weltzeit heraus zu retten in das ewige Reich des Herrn Jesus Christus (Joh 5,17; Gal 1,4; Kol 1,13).

Das heutige Zeitalter begann mit der Erschaffung der Welt. Das zukünftige Zeitalter hat mit dem Dienst des Herrn Jesus Christus bereits grundsätzlich begonnen, es ist geistlich bereits eingeführt (inauguriert). Es wird in völliger Herrlichkeit geoffenbart werden am Tag der Wiederkunft des Herrn. Der Herr wird das heutige Zeitalter beenden und die neue Schöpfung in Herrlichkeit aufrichten. Die beiden Zeitalter überlappen sich somit in unserer Zeit. Das heutige Zeitalter ist endlich, die Aspekte des zukünftigen Zeitalters werden als ewig eingestuft. Somit muss auch das Zeitalter selbst ewig sein.

Bereits das AT spricht an vielen Stellen über einen gegenwärtigen Zustand von Sünde und Elend sowie über einen künftigen Zustand von Erlösung und Segen. Es gibt keine Epoche zwischen diesem endlichen Zeitalter und dem kommenden ewigen Zeitalter. Das letzte folgt direkt auf das erste. Bei der Wiederkunft des Herrn zum Gericht wird an einem einzigen Tag alles umgewandelt werden und danach ewig fortbestehen. Es wird also keine Epoche mehr nach dem kommenden Zeitalter geben.

Das heutige und das kommende Zeitalter sind von ihrem Wesen her verschiedene Zustände der menschlichen Existenz und verschiedene Epochen der Weltgeschichte. In diesem Zeitalter ist der Weltlauf durch das Leben unter den uns allen bekannten natürlichen Bedingungen gekennzeichnet. Der Mensch hat einen natürlichen Leib, welcher altert und sterblich ist. Alle Menschen haben natürliche Triebe, sie führen ein Geschlechtsleben, gründen Familien und zeugen Kinder. Die Gläubigen versuchen hierbei den von Gott gegebenen Geboten für das Zusammenleben der Geschlechter zu folgen, die Menschen ohne Gott gehen ihre eigenen Wege. Auf der neuen Erde wird es keine natürlichen Leiber mehr geben, sondern auferstandene geistliche Leiber. Die Menschen werden mit diesen verherrlichten Leibern und ihren Seelen in geistlicher Gemeinschaft leben. Es wird kein Sexualleben mehr geben wie es heute bekannt ist, denn die Menschen werden sich im ewigen Zustand nicht weiter vermehren. Es wird keine Vermischung zwischen Gut und Böse mehr geben. Alles wird sündlose Herrlichkeit sein.

Dieses Zeitalter und das kommende Zeitalter werden durch das Gericht über die Gottlosen und die Verherrlichung der Gläubigen voneinander getrennt. Die beiden Ereignisse beenden das jetzige Zeitalter und läuten zu gleicher Zeit das kommende Zeitalter ein. Das Gericht und die Auferstehung finden beide beim Kommen des Herrn Jesus Christus statt. Das Kommen des Herrn ist der letzte Tag des jetzigen endlichen Zeitalters und zugleich der erste Tag des zukünftigen ewigen Zeitalters (Mt 25,31-46; Rö 2,3-16; 2Pe 3,3-13).

Im heutigen Zeitalter finden sich auf dem Acker der Welt sowohl Weizen als auch Unkraut. Wir haben somit geistlich gesprochen eine Vermischung von Kräften des heutigen und des zukünftigen Zeitalters. Beides wächst zu gleicher Zeit bis zum letzten Tag dieses Zeitalters. Dann wird die endgültige äußerliche Trennung stattfinden. Die Gläubigen werden auf der neuen Erde in ewiger Gemeinschaft mit Gott und untereinander leben, die Verlorenen werden in ewiger Trennung von Gott und Verzweiflung im Feuersee sein. Es gibt äußerlich betrachtet keinen zukünftigen irdischen Zwischenzustand, in welchem unerlöste und natürliche Anteile mit erlösten und verherrlichten Anteilen zusammen existieren.

Kein schrittweiser Prozess kann den Übergang zwischen den beiden Zeitaltern herbeiführen. Es gibt keine naturalistische oder materialistische Erklärung für die Herrlichkeit, die geoffenbart werden soll. Nur das übernatürliche und plötzliche Eingreifen des allmächtigen Gottes kann die Herrlichkeit des kommenden ewigen Zeitalters herbeiführen. Und genau das ist die christliche Hoffnung. Das jetzige endliche Zeitalter befindet sich nach dem Wort des Herrn durch den Apostel Johannes in seinen letzten Tagen, ja sogar in seiner letzten Stunde (1Joh 2,18). Die selige Hoffnung der Wiederkunft des Herrn in Macht und Herrlichkeit rückt immer näher heran. Die Welt befindet sich nicht in der zweitletzten oder drittletzten Stunde, sondern in der letzten. Auch dies ist ein Hinweis darauf, dass nach unserer Zeit nicht noch eine weitere Zeit, eine weitere Stunde von 1000 Jahren, für diese Welt vorbestimmt ist. Am Ende unserer Zeit kommt der Herr, und er bringt das endgültige Gericht über die heutige Welt.

Das jetzige Zeitalter ist in seinem Charakter grundsätzlich böse und wird es auch bleiben. Ansonsten könnte nämlich ein Tag kommen, an welchem die Verfolgung der Christen aufhören würde und an welchem es nicht mehr falsch wäre, sich dem gegenwärtigen Zeitlauf anzupassen (vgl. Röm 12,2). Dann wäre auch der Satan nicht mehr der Gott dieser Weltzeit (2Kor 4,4), der Fürst dieser Welt (z.B. Joh 12,31) und der Fürst der Gewalt der Luft (Eph 2,2). Dann hätten wir als Christen nicht mehr den geistlichen Kampf zu führen gegen „die Herrschaften, gegen die Gewalten, gegen die Weltbeherrscher der Finsternis dieser Weltzeit, gegen die geistlichen Mächte der Bosheit in den himmlischen Regionen“ (Eph 6,12). An dieser Stelle ist ein Wort angebracht zu 2Pe 3,5-7.

 

2Pe 3,5-7: „Dabei übersehen sie aber absichtlich, dass es schon vorzeiten Himmel gab und eine Erde aus dem Wasser heraus [entstanden ist] und inmitten der Wasser bestanden hat durch das Wort Gottes; und dass durch diese [Wasser] die damalige Erde infolge einer Wasserflut zugrunde ging. Die jetzigen Himmel aber und die Erde werden durch dasselbe Wort aufgespart und für das Feuer bewahrt bis zum Tag des Gerichts und des Verderbens der gottlosen Menschen.“

 

Hier werden drei Welten parallel gestellt. Zwei dieser Welten gehören dem heutigen Zeitalter an. Die jetzige Weltzeit hat also auf der sichtbaren Ebene zwei dieser drei Welten gesehen. Die damalige Welt war durch das Wort Gottes geschaffen (siehe den Schöpfungsbericht) und ging nach einer Zeit des geduldigen Wartens Gottes im Gericht der Flut unter. Danach wurde jedoch nicht eine ganz neue Welt erschaffen, sondern die jetzige Welt ging erneuert und umgestaltet aus der damaligen Welt hervor. Keine Neuschöpfung, sondern Erneuerung. Die jetzige Welt ist wieder durch den Spott der Gottlosen und das geduldige Warten Gottes gekennzeichnet. Sie wird untergehen im Feuer, welches am Tag des Herrn kommen wird. Bzgl. des „Tages des Herrn“ und des „Tages Gottes“ empfiehlt sich der Vergleich folgender Schriftstellen:

 

Matt 24,42-44: „So wacht nun, da ihr nicht wisst, in welcher Stunde euer Herr kommt! Das aber erkennt: Wenn der Hausherr wüsste, in welcher Nachtstunde der Dieb käme, so würde er wohl wachen und nicht in sein Haus einbrechen lassen. Darum seid auch ihr bereit! Denn der Sohn des Menschen kommt zu einer Stunde, da ihr es nicht meint.“

1Thess 5,2-4: „Denn ihr wisst ja genau, dass der Tag des Herrn so kommen wird wie ein Dieb in der Nacht. Wenn sie nämlich sagen werden: »Friede und Sicherheit«, dann wird sie das Verderben plötzlich überfallen wie die Wehen eine schwangere Frau, und sie werden nicht entfliehen. Ihr aber, Brüder, seid nicht in der Finsternis, dass euch der Tag wie ein Dieb überfallen könnte;“

2Thess 1,5-10: „Sie sind ein Anzeichen des gerechten Gerichtes Gottes, dass ihr des Reiches Gottes würdig geachtet werdet, für das ihr auch leidet; wie es denn gerecht ist vor Gott, dass er denen, die euch bedrängen, mit Bedrängnis vergilt, euch aber, die ihr bedrängt werdet, mit Ruhe gemeinsam mit uns, bei der Offenbarung des Herrn Jesus vom Himmel her mit den Engeln seiner Macht, in flammendem Feuer, wenn er Vergeltung üben wird an denen, die Gott nicht anerkennen, und an denen, die dem Evangelium unseres Herrn Jesus Christus nicht gehorsam sind. Diese werden Strafe erleiden, ewiges Verderben, vom Angesicht des Herrn und von der Herrlichkeit seiner Kraft, an jenem Tag, wenn Er kommen wird, um verherrlicht zu werden in seinen Heiligen und bewundert in denen, die glauben – denn unser Zeugnis hat bei euch Glauben gefunden.“

2Thess 2,1-2: „Wir bitten euch aber, ihr Brüder, wegen der Wiederkunft unseres Herrn Jesus Christus und unserer Vereinigung mit ihm: Lasst euch nicht so schnell in eurem Verständnis erschüttern oder gar in Schrecken jagen, weder durch einen Geist noch durch ein Wort noch durch einen angeblich von uns stammenden Brief, als wäre der Tag des Christus schon da.“

2Pe 3,10-13: „Es wird aber der Tag des Herrn kommen wie ein Dieb in der Nacht; dann werden die Himmel mit Krachen vergehen, die Elemente aber vor Hitze sich auflösen und die Erde und die Werke darauf verbrennen. Da nun dies alles aufgelöst wird, wie sehr solltet ihr euch auszeichnen durch heiligen Wandel und Gottesfurcht, indem ihr das Kommen des Tages Gottes erwartet und ihm entgegeneilt, an welchem die Himmel sich in Glut auflösen und die Elemente vor Hitze zerschmelzen werden! Wir erwarten aber nach seiner Verheißung neue Himmel und eine neue Erde, in denen Gerechtigkeit wohnt.“

Off 11,18: „Und die Heidenvölker sind zornig geworden, und dein Zorn ist gekommen und die Zeit, dass die Toten gerichtet werden und dass du deinen Knechten, den Propheten, den Lohn gibst, und den Heiligen und denen, die deinen Namen fürchten, den Kleinen und den Großen, und dass du die verdirbst, welche die Erde verderben!“

Off 16,15: „Siehe, ich komme wie ein Dieb! Glückselig ist, wer wacht und seine Kleider bewahrt, damit er nicht entblößt einhergeht und man seine Schande sieht!“

 

In Matt 24,42-44 wird das Kommen des Herrn mit dem Dieb in der Nacht verglichen. Den gleichen Hinweis finden wir in 1Thess 5,2-4. Diese Stelle weist zusätzlich darauf hin, dass dies der „Tag des Herrn“ sein wird, denn „der Tag des Herrn wird so kommen wie ein Dieb in der Nacht“. Darüber hinaus gibt uns diese Stelle den Hinweis, dass der „Tag des Herrn“ nur für die Ungläubigen wie ein Dieb in der Nacht kommen wird. Während sich nämlich 1Thess 5,3 auf die Ungläubigen bezieht, grenzt der Apostel im nächsten Vers die Gruppe der Gläubigen davon ab indem er sagt, dass die Gläubigen nicht in der Finsternis seien und sie daher vom „Tag des Herrn“ nicht wie von einem Dieb überfallen werden könnten. 2Pe 3,10-13 zeigt uns schließlich, was an diesem Tag geschehen wird. In Vers 10 wird wieder das Motiv des „Tages des Herrn“ mit dem Motiv des Diebes in der Nacht zusammengeführt. Der Rest des Verses erklärt, dass die jetzige Erde und die Himmel mit Krachen vergehen werden. Vers 12 bezeichnet genau diesen Tag des Feuergerichts über die alte Schöpfung als den „Tag Gottes“, auf welchen in Vers 13 der neue Himmel und die neue Erde folgen. Somit bleibt nur eine logische Schlussfolgerung übrig: Der Herr wird am letzten Tag kommen wie ein Dieb, er wird an diesem „Tag des Herrn“, welcher zugleich der „Tag Gottes“ ist, das Feuergericht über die alte Schöpfung bringen und danach die neue Schöpfung gründen.

Der logische Vergleich der drei Textstellen ist deutlich. Hinzu kommt die Übereinstimmung mit 2Thess 1,5-10, 2Thess 2,1-2, Off 11,18 und Off 16,15. In der Gesamtschau ergibt sich nach unserer Auffassung das folgende Geschehen: Der Herr wird am letzten Tag der alten Schöpfung kommen wie ein Dieb in der Nacht. Niemand kann den Tag berechnen oder vorhersagen. An diesem Tag werden die Gläubigen gerettet werden, die Sünder und die alte Schöpfung werden im Feuer verbrannt werden. Der „Tag Gottes“ und der „Tag des Herrn“ sind in dieser Deutung derselbe Tag. Die alternative Deutung, nach welcher der „Tag Gottes“ bzw. der „Tag des Herrn“ 1000 Jahre andauern, würde bedeuten, dass das Feuer Gottes 1000 Jahre in der alten Schöpfung brennen würde. Dies erscheint uns nach allem bisher gesagten nicht vorstellbar.

Der „Tag des Herrn“ bzw. der „Tag Gottes“ wird der Tag der Wiederkunft Christi in Macht und Herrlichkeit sein, wenn er geoffenbart werden wird in flammendem Feuer, um den Gottlosen zu vergelten (2Thess 1,8-9. Laut 2Thess 2,1-2 wird dies zugleich der „Tag des Christus“ sein, an welchem bei der letzten Posaune die öffentlich sichtbare Entrückung der Gläubigen stattfinden wird. Siehe hierzu auch: 1Kor 15,51-52, 1Thess 4,13-18 sowie Off 11,15-19). Es wird kein lebender Mensch übrig bleiben, der mit einem natürlichen Körper in ein darauffolgendes Zwischenreich eingehen könnte. Das kommende Feuergericht wird parallel zum bereits geschehenen Wassergericht eintreffen: Keine Neuschöpfung, sondern Erneuerung und Umgestaltung. Die neue Welt folgt unmittelbar auf das Feuergericht über die jetzige Welt. Der Text gibt keinen Hinweis auf einen Zwischenzustand oder eine Zwischenzeit von 1000 Jahren. Die neue und ewige Welt, also die letzte der drei Welten, wird ganz dem zukünftigen und ewigen Zeitalter angehören, denn sie wird auch selbst ewig sein.

Die Schlussfolgerung für uns als heutige Christen lautet wie folgt: Die Kräfte des zukünftigen Zeitalters sind bereits im jetzigen Zeitalter angebrochen und wirksam. Die Wunder des Herrn und das Vorhandensein der Zeichengaben bei den Aposteln waren eine Proklamation davon. Das kommende Zeitalter, also die äußerlich sichtbare Herrschaft Christi, hat bereits in gewisser Art und Weise begonnen. Beide Zeitalter überlappen sich. Das kommende Zeitalter wirft schon heute seine Schatten voraus, obwohl es noch nicht in vollständiger Herrlichkeit geoffenbart worden ist.

Unsere Errettung unterteilt sich ebenso in zwei Phasen, von denen die erste „schon jetzt“ verwirklicht ist, die zweite „noch nicht“. Der Christ lebt in der Spannung des „schon jetzt – noch nicht“, weil auch das Reich Gottes, welches das Heil bringt, sich in diesen zwei Phasen entfaltet. Einerseits sind die großen Aspekte der Errettung bei dem Gläubigen schon jetzt Wirklichkeit (Rö 5,1; Rö 8,14-16; Eph 1,7; Joh 3,36; Mt 11,29). Gleichzeitig sind sie aber noch nicht vollendet, sie müssen noch endgültig erfüllt und geoffenbart werden (Mt 12,37; Rö 8,23; Eph 4,30; Mt 25,46). Daher ist das Ausharren im Glauben so wichtig. Die Errettung ist nicht nur etwas, was wir bereits grundsätzlich in der Tasche haben. Sie ist auch etwas, was wir noch in Vollkommenheit empfangen müssen. In diesem Zusammenhang ist die biblische Heilslehre von Bedeutung. Siehe hierzu auch unsere entsprechenden Texte.

Das schriftgemäße Konzept von den sich überlappenden Zeitaltern erklärt die Spannung im Leben des Christen während des jetzigen Zeitalters. Der Christ braucht in diesem Zeitalter kein „tieferes Leben“, keinen „zweiten Segen“ oder eine „Geistestaufe“, kein „siegreicheres Leben“, um aus Konflikten, Sorgen und Versuchungen befreit zu werden. Das Konzept der überlappenden Zeitalter ermahnt uns, dass es in diesem Zeitalter keinen Segen gibt, auf den nicht Versuchung folgt, keine Freude auf die nicht Sorge folgt, und keinen endgültigen Sieg über die Sünde, die immer noch in unserem natürlichen Leib wohnt. Diese Wahrheit macht uns frei. Wir müssen uns vor der „christlichen Höhenkrankheit“ hüten. Jauchzet mit Zittern (Ps 2,11). Kämpfet den guten Kampf des Glaubens (1Tim 6,12).

Das Konzept erklärt auch schlüssig die Zukunft der Gemeinde. Sowohl der finstere Pessimist als auch der unverbesserliche Optimist haben eine unausgewogene Sichtweise. Wer lehrt, dass es sieben Dispensationen der Heilsgeschichte gibt, der geht am allgemeinen Zeugnis der Schrift vorbei. Wer lehrt, dass die heutige sechste Dispensation der Gemeinde ebenso wie alle anderen Dispensationen unweigerlich in Versagen und Abfall enden müsse, der liegt verkehrt! Wer lehrt, dass auf die heutige Zeit noch einmal 1000 Jahre eines goldenen Zeitalters auf dieser Erde als siebte Dispensation der Heilsgeschichte folgen werden, der irrt sich ebenfalls! Diese Welt steht unter dem kommenden Gericht Gottes. Sie kann nicht mehr verbessert werden. Sie wird durch Feuer verbrannt werden.

Ebenso falsch ist auch die Annahme, dass die Gemeinde vor dem Kommen des Herrn in ein Zeitalter des weltweiten Sieges hinein gehen und die ganze Erde erfolgreich evangelisieren wird (Dies entspricht der Lehre des Postmillennialismus und hier insbesondere der Denkweise des sogenannten Dominionismus). Die Vertreter dieser Lehre sind in unserer Zeit bestrebt, die Erde auf allen Gebieten des Daseins für Jesus Christus zu erobern. Sie haben auf der materiellen Ebene viele gute Dinge getan und vielen Menschen geholfen, was man keinesfalls schmälern sollte. Auch der Herr hat schließlich den Armen Brot gegeben.

Andererseits hat der Herr jedoch in dem Augenblick, als er im Angesicht des Todes vor Pilatus stand (Joh 18,36), deutlich darauf hingewiesen, dass sein Reich nicht von dieser Welt ist. An anderer Stelle sagte er auch, dass die Menschen nicht nur nach dem irdischen Brot streben sollten, sondern ganz besonders und vor allem anderen nach dem Brot vom Himmel, also nach Ihm selbst. Alle Strukturen auf dieser Erde werden am letzten Tag verschwinden, denn die alte Schöpfung liegt im Bösen und ist mit der Sünde behaftet. Nur die ewigen Dinge des Reiches Gottes werden in die sündlose Herrlichkeit der neuen und ewigen Schöpfung eingehen. Auch hier findet sich ein Widerspruch zur Lehre von einem 1000-jährigen Reich auf dieser Erde. Dort soll es nämlich immer noch Sünde geben. Nach dem Feuergericht Gottes bei der Wiederkunft des Herrn wird es jedoch keine Sünde und keinen lebenden Sünder mehr geben, auch nicht 1000 Jahre später. Gott wird nicht im Gericht bei der Wiederkunft des Herrn die Sünde weltweit ausrotten, um sie danach erneut für weitere 1000 Jahre bekämpfen und niederhalten zu müssen. Das wäre etwa so, als würde man den Müll von der Terrasse kehren, die Platten mit dem Brenner abfackeln und danach den gleichen Müll wieder darauf schütten.

Der bibeltreue Christ ist Optimist und Realist zugleich. Er weiß, dass der Glaubensweg ein Kampf mit äußerlichen Siegen und Niederlagen in dieser bösen Welt ist, sowohl für den einzelnen Christen als auch für die ganze Gemeinde. Der Herr wird aber am Ende an einem einzigen Tag bei seiner Wiederkunft in Macht und Herrlichkeit den völligen Sieg geben und alles in Vollkommenheit ordnen. In dem Konzept der zwei Heilszeiten und der zwei Weltzeitalter, welches die Heilige Schrift deutlich lehrt, gibt es somit keinen Platz für ein irdisches Millennium nach der Wiederkunft Christi.

 

 

4. Die Gründung und die weitere Entwicklung des Reiches Gottes

Die Lehre von einem buchstäblichen 1000-jährigen Reich auf dieser Erde scheitert nicht nur an den zuvor genannten Dingen, sondern sie basiert zudem auf einem falschen Verständnis der biblischen Lehre vom Reich Gottes. Es ist im Rahmen der vorliegenden Abhandlung nicht möglich, auf alle diesbezüglichen Aspekte einzugehen. Es sollen aber die wichtigsten Eckpunkte genannt werden, aus welchen hervorgeht, dass es kein irdisches Millennium nach der Wiederkunft Christi mehr geben kann. Zur Verdeutlichung dieser gedanklichen Linie möchten wir einige Bibelpassagen nebeneinander stellen und sie in einen nachvollziehbaren Zusammenhang bringen.

 

Apg 1,9-11: „Und als er dies gesagt hatte, wurde er vor ihren Augen emporgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf von ihren Augen weg. Und als sie unverwandt zum Himmel blickten, während er dahinfuhr, siehe, da standen zwei Männer in weißer Kleidung bei ihnen, die sprachen: Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr hier und seht zum Himmel? Dieser Jesus, der von euch weg in den Himmel aufgenommen worden ist, wird in derselben Weise wiederkommen, wie ihr ihn habt in den Himmel auffahren sehen!“

 

Hier sehen wir die Himmelfahrt des Herrn vor den Augen seiner Jünger, verbunden mit der Verheißung der Wiederkunft am Ende der jetzigen Zeit. Die Jünger haben in diesem Augenblick offensichtlich noch nicht verstanden, dass das Reich Gottes nicht von dieser Welt ist, denn sie fragen den Herrn, wann er das irdische Reich Israels wiederherstellen würde. Calvin sagte in seinem Kommentar zu diesem Vers sinngemäß: „Diese Frage der Jünger enthält genauso viele Irrtümer wie Worte“. Der Herr ist sanftmütig und geduldig, er beantwortet die Frage nicht.

Die Jünger werden in naher Zukunft praktisch lernen müssen, dass sie die Botschaft des Evangeliums und des Reiches Gottes weit aus dem irdischen Jerusalem hinaus bis an die Enden der Erde zu tragen haben. Sie werden zu leiden haben für das Evangelium, und alle mit Ausnahme des Apostels Johannes werden den Märtyrertod sterben. Ihre Seelen werden in den Himmel eingehen und dort mit dem Herrn auf Thronen herrschen während der „1000 Jahre“ (Off 20,6) des Gemeindezeitalters bis zur Wiederkunft des Herrn. Das geistliche Reich Gottes wird sich bis an das Ende der Erde ausbreiten. Das geistliche Israel Gottes im neuen Bund, nämlich die Gemeinde Jesu Christi (Gal 6,16; Phil 3,3; Kol 2,11, Hebr 12,22-28), wird sich in gleicher Weise über die ganze Erde ausbreiten. Der Ackerbau Gottes (1Kor 3,9), der geistliche Garten Gottes auf dieser Erde, wird immer weiter wachsen und gedeihen. Das ewige Reich Gottes, der Stein aus Dan 2,44-45, wird einmal die ganze Erde einnehmen. In unserer Zeit ist es bereits geistlich inauguriert, wie wir im Abschnitt über die zwei Weltzeitalter gesehen haben. Auf der neuen Erde wird es in Ewigkeit vollständig geoffenbarte Herrlichkeit sein. Eine weitere Passage, die uns die Himmelfahrt des Herrn mit ihren Folgen zeigt, ist Off 12,5-12.

 

Off 12,5-12: „Und sie gebar einen Sohn, einen männlichen, der alle Heidenvölker mit eisernem Stab weiden wird; und ihr Kind wurde entrückt zu Gott und seinem Thron. Und die Frau floh in die Wüste, wo sie einen von Gott bereiteten Ort hat, damit man sie dort 1 260 Tage lang ernähre. Und es entstand ein Kampf im Himmel: Michael und seine Engel kämpften gegen den Drachen; und der Drache und seine Engel kämpften; aber sie siegten nicht, und ihre Stätte wurde nicht mehr im Himmel gefunden. Und so wurde der große Drache niedergeworfen, die alte Schlange, genannt der Teufel und der Satan, der den ganzen Erdkreis verführt; er wurde auf die Erde hinabgeworfen, und seine Engel wurden mit ihm hinabgeworfen. Und ich hörte eine laute Stimme im Himmel sagen: Nun ist gekommen das Heil und die Macht und das Reich unseres Gottes und die Herrschaft seines Christus! Denn hinabgestürzt wurde der Verkläger unserer Brüder, der sie vor unserem Gott verklagte Tag und Nacht. Und sie haben ihn überwunden um des Blutes des Lammes und um des Wortes ihres Zeugnisses willen und haben ihr Leben nicht geliebt bis in den Tod! Darum seid fröhlich, ihr Himmel, und die ihr darin wohnt! Wehe denen, die auf der Erde wohnen und auf dem Meer! Denn der Teufel ist zu euch herabgekommen und hat einen großen Zorn, da er weiß, dass er nur wenig Zeit hat.“

 

In Vers 5 sehen wir die Geburt und die Himmelfahrt des Herrn, des männlichen Sohnes, welcher gemäß Psalm 2,9 die Nationen mit eiserner Rute weiden wird, in einem einzigen Vers. In Vers 6 flieht die Frau in die Wüste der Welt und wird dort für 1260 Tage (in der Zahlensymbolik der Offenbarung ein Hinweis auf die Gemeinde und das Gemeindezeitalter, wie wir bereits ausführlich dargelegt haben) bewahrt. In Vers 7 entsteht ein Kampf im Himmel, in den Versen 8-9 wird der große Drache bzw. der Satan auf die Erde geworfen. In den Versen 13-18 sehen wir, wie der Drache auf der Erde die Zeugen Jesu verfolgt, sie aber nicht überwinden kann. Dieses Bild zeigt uns, dass der Teufel zu Beginn des Gemeindezeitalters aus dem Himmel geworfen wurde, sonst hätte er nicht danach die Gemeinde auf der Erde verfolgen können. Er ist sehr zornig, denn er weiß, dass seine Tage gezählt sind.

Diese Deutung ist in Harmonie mit den folgenden Versen: Jes 49,24-25; Mt 12,28-29; Joh 12,31-33; Off 20,1-3. Der Teufel wurde unmittelbar nach der Himmelfahrt des Herrn aus dem Himmel auf die Erde geworfen. Er ist geistlich gebunden, er liegt an der Kette Gottes (Off 20,1-3), so dass er weder die Gemeinde vernichten noch die Nationen dazu bringen kann, in einer weltweit koordinierten Offensive die Christen auszurotten. Er wird einige töten, aber die Gemeinde als Ganzes wird er nicht überwinden können (Mt 16,18). Die Seelen der Märtyrer werden in den Himmel eingehen und dort auf Thronen mit dem Herrn herrschen, bis die „1000 Jahre“ des Evangeliumszeitalters vorüber sind (Off 20,6). Erst am Ende der „1000 Jahre“ wird der Satan wieder für eine kurze Zeit losgelassen werden (Off 20,7). Dann wird er eine weltweite Offensive aller Nationen (Gog und Magog von den vier Enden der Erde gemäß Off 20,8) organisieren und das Heerlager der Heiligen, die Gemeinde der Endzeit angreifen, um sie endgültig zu vernichten. Sein Ende wird kommen durch die Wiederkunft des Herrn (Off 20,7-10).

Diese Wiederkunft wird am Ende der „1000 Jahre“ stattfinden (Wieder ein Hinweis darauf, dass die 1000 Jahre mit dem Gemeindezeitalter gleichzusetzen sind). Während dieser „1000 Jahre“ wird das Reich Gottes durch die Verkündigung des Evangeliums weltweit gepredigt, und viele kommen zum Glauben. Am Ende werden die Christen jedoch nicht die ganze Erde erobern, sondern es wird so aussehen, als ob der Satan die Gemeinde endgültig in die Knie gezwungen habe. Das christliche Zeugnis auf dieser Erde wird nicht in einem goldenen Zeitalter enden, sondern in einer schweren und weltweiten Verfolgung. Die Wiederkunft Christi wird nicht ein goldenes Zeitalter von 1000 Jahren auf der alten Erde einläuten, sondern das Ende der alten Erde durch Feuer (2Thes 1,5-10; 2Pe 3,11-13). Ein weiterer Vers, welcher uns zeigt, dass der Herr in den Himmel aufgefahren ist und nun zur Rechten des Vaters als Herr auf dem Thron sitzt, ist Mk 16,19.

 

Mk 16,19: „Der Herr nun wurde, nachdem er mit ihnen geredet hatte, aufgenommen in den Himmel und setzte sich zur Rechten Gottes.“

 

Hier sehen wir, dass der Herr alles in der Hand hat. Er ist kein machtloser Zuschauer, sondern der allmächtige Herr und König. Er hat bei seiner Himmelfahrt vom Vater das ewige Reich empfangen. Der nächste Vers zeigt, dass bereits dem Propheten Daniel im Alten Testament diese Dinge geoffenbart wurden:

 

Dan 7,12-14: „Auch den übrigen Tieren wurde die Herrschaft weggenommen; und ihre Lebensdauer wurde ihnen auf Zeit und Stunde bestimmt. Ich sah in den Nachtgesichten, und siehe, es kam einer mit den Wolken des Himmels, gleich einem Sohn des Menschen; und er gelangte bis zu dem Hochbetagten und wurde vor ihn gebracht. Und ihm wurde Herrschaft, Ehre und Königtum verliehen, und alle Völker, Stämme und Sprachen dienten ihm; seine Herrschaft ist eine ewige Herrschaft, die nicht vergeht, und sein Königtum wird nie zugrunde gehen.“

 

In Daniel 2 wird die gewaltige Statue Nebukadnezars beschrieben, welche die Abfolge der heidnischen Weltreiche bis zur ersten Ankunft des Herrn symbolisiert. Der Blick Daniels geht voraus bis in die Zeit des Herrn. Der Stein in Kapitel 2,44-45 symbolisiert das ewige Reich Gottes, welches zur Zeit des letzten Weltreiches der Heiden aus dem damaligen prophetischen Blickfeld Daniels, also zur Zeit des römischen Weltreiches, gegründet werden wird. So geschah es. Der Herr gründete in seinem Tod und seiner Auferstehung die neue Schöpfung. Das Reich Gottes auf der Erde wurde unter der Leitung des Herrn vom Himmel aus durch das Wirken des Heiligen Geistes auf der Erde immer weiter ausgebreitet. Es war und ist ein geistliches und ewiges Reich, welches nicht von dieser Welt ist (Joh 18,36) und daher auch keine Machtstrukturen in dieser Welt aufbaut.

Daniel 7 zeigt uns nun die gleichen Weltreiche nicht als kostbare Materialien der Statue, sondern in ihrer geistlichen Qualität als Tiere. Im Gegensatz zu diesen Tieren steht der Sohn des Menschen. Hier wird der geistliche Charakter des Reiches Gottes betont, denn der Sohn des Menschen (der Messias, der Herr Jesus Christus) steht in klarem geistlichem Gegensatz zu den Tieren, die äußerlich betrachtet diese Welt zu beherrschen scheinen.

Als nächstes erkennen wir in den oben zitierten Versen, wo und wann der Sohn des Menschen das Reich aus der Hand des Ältesten an Tagen (des Vaters) in Empfang nimmt. Das Ereignis findet im Himmel statt. Der Sohn des Menschen kommt auf den Wolken des Himmels zu dem Vater und empfängt das Reich. In Apg 1,9 haben die Jünger gesehen, wie der Herr die Erde auf den Wolken des Himmels verlassen hat. Hier in Dan 7,12-14 sieht der Prophet bereits Jahrhunderte zuvor, wie der Herr von der Erde kommend auf den Wolken des Himmels bei dem Vater ankommt. Was den Blicken der Jünger verborgen ist, wird dem Propheten Daniel geoffenbart. Wir haben hier eine alttestamentliche Schau auf die Himmelfahrt des Herrn. Die Verbindung zu Mk 16,19 und Off 12,5 ist ebenso klar und deutlich.

Dan 7,14 bezeichnet das Reich und das Königtum des Sohnes des Menschen von diesem Augenblick an als universal und ewig. Das Reich Gottes ist seit der Himmelfahrt des Herrn in seiner Hand. Es wird vom Himmel aus regiert und ist durch den Heiligen Geist und die Gemeinde auf der Erde anwesend. Es ist nicht ein Reich, in welchem die Gemeinde die äußerlichen Abläufe dieser Welt beherrscht, denn das hat der Herr in seinem Dienst auch nicht getan. Er kam nicht um bedient zu werden, sondern um zu dienen und um sein Leben zu geben als Lösegeld für viele (Mt 20,28; Mk 10,45). Auch die Gemeinde dient in dieser Zeit, und manche Christen haben ihr Leben für die Botschaft des Evangeliums zur Errettung anderer Menschen gegeben. Jeder Christ ist andererseits bereits heute ein Bürger des Reiches Gottes (Phil 3,20). Das ewige Reich Gottes gehört in Christus jedem Christen, auch wenn dies in unserer Zeit äußerlich noch nicht erkennbar ist. Das führt uns zu unserem nächsten Vers.

 

Lk 12,32: „Fürchte dich nicht, du kleine Herde; denn es hat eurem Vater gefallen, euch das Reich zu geben.“

 

Der Herr ermutigt hier seine Jünger. Sie waren eine verzweifelte, kleine Truppe, die der Weltmacht des römischen Reiches und der Verfolgung der Juden ausgeliefert zu sein schien. Der Vater hatte ihnen jedoch in Christus das Reich gegeben, und keine Macht der Welt würde dieses Reich besiegen können. Es war kein Reich der äußerlichen Macht in dieser Welt, sondern das ewige Reich Gottes, welches bereits in unserer Zeit geistlich inauguriert (eingeführt) ist, und welches nach der Wiederkunft des Herrn auf der neuen Erde in vollkommener Herrlichkeit geoffenbart werden wird. Der nächste Vers zeigt uns nun die geistliche Qualität dieses Reiches.

 

Rö 14,17: „Denn das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken, sondern Gerechtigkeit, Friede und Freude im Heiligen Geist;“

 

Das Reich Gottes in unserer Zeit ist ein Reich der Gerechtigkeit, des Friedens und der Freude im Heiligen Geist. Wir brauchen nicht auf ein 1000-jähriges Friedensreich der Zukunft zu warten, sondern wir leben bereits hier und jetzt als Gläubige im Heiligen Geist Gottes in dem gerechten, freudigen und ewigen Friedensreich. Dieses Reich wurde von dem Herrn nach seiner Auferstehung gegründet. Das erste, was er den Jüngern nach seiner Auferstehung hinter verschlossenen Türen zu sagen hatte, war das Wort „Friede euch“ (Joh 20,19). Die Welt ist freudlos, friedelos und ungerecht, sie lebt unter dem kommenden Gericht Gottes. Die Gemeinde der Christen inmitten dieser verlorenen Welt lebt geistlich gesprochen im ewigen Friedensreich, welches bis zur Ankunft des Herrn als Tempel des Heiligen Geistes, als der Leib Christi und als das neue Jerusalem immer weiter gebaut wird. Die beiden nächsten Verse bestätigen diese Tatsache.

 

Off 1,9: „Ich, Johannes, der ich auch euer Bruder bin und mit euch Anteil habe an der Bedrängnis und am Reich und am standhaften Ausharren Jesu Christi, war auf der Insel, die Patmos genannt wird, um des Wortes Gottes und um des Zeugnisses Jesu Christi willen.“

 

Johannes hat als Bruder mit uns Anteil an der Bedrängnis und am Reich. Er ist im Reich, und wir sind es auch.

 

Kol 1,12-14: „(…) indem ihr dem Vater Dank sagt, der uns tüchtig gemacht hat, teilzuhaben am Erbe der Heiligen im Licht. Er hat uns errettet aus der Herrschaft der Finsternis und hat uns versetzt in das Reich des Sohnes seiner Liebe, in dem wir die Erlösung haben durch sein Blut, die Vergebung der Sünden.“

 

Auch diese Verse sprechen für sich. Alle Gläubigen sind im Reich. Heute sind sie es geistlich, auch wenn sie in der Welt nicht erkannt werden und vielleicht manches zu erleiden haben. Bei der Ankunft des Herrn werden sie öffentlich dargestellt werden und danach in das dann vollkommen in Herrlichkeit geoffenbarte ewige Friedensreich auf der neuen Erde eingehen. Der Herr wird leiblich inmitten der Gläubigen leben und mit ihnen von dem Gewächs des Weinstocks trinken. Doch es gibt noch mehr, wie es unser nächster Vers verdeutlicht.

 

Lk 22,18: „Denn ich sage euch: Ich werde nicht mehr von dem Gewächs des Weinstocks trinken, bis das Reich Gottes gekommen ist.“

 

Ausleger, welche das bereits heute im Heiligen Geist gegenwärtige Reich Gottes in die Zukunft verorten, haben die kostbare Botschaft dieses Verses nicht völlig erkannt. Diese Botschaft eröffnet sich unseren Herzen, wenn wir uns daran erinnern, was der Herr zu seinen Jüngern sagte, bevor er starb. Er sagte dieses: „Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich in ihrer Mitte“ (Mt 18,20). Wann immer die Christen in unseren Tagen zusammenkommen, um den Herrn anzubeten und im Mahl des Herrn an seinen Tod zu denken, ist der Herr im Geist dabei. Er ist da! Er ist im Gemeinderaum anwesend! Er bricht zusammen mit den Gläubigen das Brot und teilt es ihnen durch die Hand eines Bruders aus. Er trinkt zusammen mit allen Gläubigen jeden Sonntag im Reich seines Vaters von dem Gewächs des Weinstocks. Einmal leiblich geoffenbart in Herrlichkeit, heute bereits geistlich anwesend. Ist das nicht wunderbar? Der Herr bereitet seinen Gläubigen jeden Sonntag einen Tisch im Angesicht ihrer Feinde und lässt ihren Becher überfließen (Ps 23,5).

 

Mt 28,18-20: „Und Jesus trat herzu, redete mit ihnen und sprach: Mir ist gegeben alle Macht im Himmel und auf Erden. So geht nun hin und macht zu Jüngern alle Völker, und tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie alles halten, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an das Ende der Weltzeit! Amen.“

 

Hier haben wir die Proklamation des Herrn, dass er der absolute Herr des Himmels und der Erde ist, und zwar nicht erst ab seiner sichtbaren Wiederkunft, sondern bereits heute in unserer Zeit. Die Jünger bekommen den Auftrag, das himmlische Reich auf der Erde auszubreiten durch die Verkündigung des Evangeliums an alle Völker. Der Herr sagt ihnen seine ständige Gegenwart und Hilfe zu. Er überwacht den Bau des Reiches und wird ihn vollenden. Der Tempel Gottes im Geist, die Gemeinde Christi, wird bis zum letzten Gläubigen, bis zum letzten lebendigen Stein aufgebaut werden. Der geistliche Ackerbau Gottes wird über die ganze Erde ausgebreitet werden, überall wird Gott seine Pflanzen gedeihen lassen. Das Weizenkorn in der Erde wird viel Frucht bringen (Mt 15,13; Joh 12,24; 1Kor 3,7-9). Es wird so weitergehen bis zum letzten Tag. Das bringt uns zu unserer letzten Schriftstelle:

 

1Kor 15,21-28: „Denn weil der Tod durch einen Menschen kam, so kommt auch die Auferstehung der Toten durch einen Menschen; denn gleichwie in Adam alle sterben, so werden auch in Christus alle lebendig gemacht werden. Ein jeder aber in seiner Ordnung: Als Erstling Christus; danach die, welche Christus angehören, bei seiner Wiederkunft; danach das Ende, wenn er das Reich Gott, dem Vater, übergeben wird, wenn er jede Herrschaft, Gewalt und Macht beseitigt hat. Denn er muss herrschen, bis er alle Feinde unter seine Füße gelegt hat. Als letzter Feind wird der Tod beseitigt. Denn »alles hat er seinen Füßen unterworfen«. Wenn es aber heißt, dass ihm alles unterworfen ist, so ist offenbar, dass derjenige ausgenommen ist, der ihm alles unterworfen hat. Wenn ihm aber alles unterworfen sein wird, dann wird auch der Sohn selbst sich dem unterwerfen, der ihm alles unterworfen hat, damit Gott alles in allen sei.“

 

Der Heilige Geist redet in Vers 23 von dem Tag der Auferstehung Christi vor nunmehr etwa 2000 Jahren und von dem Tag der Auferstehung aller Gläubigen bei der Wiederkunft Christi in der Zukunft. An diesem Tag wird das Reich Gottes auf dieser Erde nicht beginnen, sondern es wird nach Vers 24-25 vollendet sein, und der Herr Jesus Christus wird es an den Vater übergeben, damit Gott alles in allem sei. In unserer Zeit wird somit das Reich gebaut, am Tag der Wiederkunft Christi wird es vollendet sein. Dieser Gedanke lässt keinen Raum für ein danach noch folgendes 1000-jähriges Reich auf der alten Erde.

Der letzte Feind ist nach Vers 26 der Tod, und er wird hinweggetan werden am Tag der Auferstehung aller Menschen, der Gläubigen und der Ungläubigen. Es wird dies der Tag der letzten Posaune sein, an dem die allgemeine leibliche Auferstehung stattfinden wird (Joh 5,28-29; Joh 6,39+40+44; Apg 24,15; 1Kor 15,51-52; 1Thes 4,13-18; Off 11,15-18). Dieser Tag wird der letzte Tag des gegenwärtigen Zeitalters sein, der Tag der Rettung aller Erlösten und des Gerichts über alle Verlorenen. Der Tod wird nicht etwa der vorletzte oder der drittletzte Feind sein, der hinweggetan wird, sondern der letzte Feind. Es wird nicht nochmals eine lange Zeit geben, in welcher Menschen sterben, denn der Tod wird endgültig weggetan sein.

Die Verbindung zu Off 20,14 ist hier ebenso bedeutsam wie unübersehbar. Wir lesen dort, dass der Tod in den Feuersee geworfen werden wird. Er wird für immer und ewig besiegt und weggetan sein. Dieses Ereignis wird sich am Tag der Wiederkunft Christi abspielen, und nicht erst 1000 Jahre später. Die logische Verknüpfung mit 1Kor 15,21-28 ist zwingend. Das bedeutet, dass die „1000 Jahre“ im Kontext von Off 20 vor der Wiederkunft Christi einzuordnen sind, und nicht erst danach. Genauso ist der Fluss des Textes in Off 20 auch angeordnet. Die soeben genannte gedankliche Kette schließt gemäß der Logik der Heiligen Schrift ein Millennium nach der Wiederkunft Christi vollständig aus.

 

 

5. Die Heilsgeschichte ist unumkehrbar

Die Ausleger des Dispensationalismus lehren, dass das 1000-jährige Reich als die letzte von sieben Dispensationen am Ende der Heilsgeschichte der jetzigen Erde steht. Während dieser Zeit soll Israel auf der Erde für 1000 Jahre der Mittelpunkt der Völkerwelt sein. Jerusalem soll die Hauptstadt der ganzen Erde sein, und alle Völker sollen dorthin pilgern. In Jerusalem soll der Tempel wieder aufgebaut sein, und es soll in diesem Tempel wieder ein Opferdienst nach alttestamentlichem Vorbild ablaufen. Für 365.000 Tage soll die ganze Welt unter der Herrschaft Israels und seines Messias stehen. Ein solches Szenario mag für viele Gläubige plausibel oder sogar verlockend klingen. Das spielt jedoch keine Rolle, denn es stellt die Heilswege Gottes auf den Kopf und widerspricht dem Ablauf der Heilsgeschichte in seinem Wort.

In Wirklichkeit wird alles ganz anders kommen. Am letzten Tag dieser Weltzeit wird der Herr wiederkommen um alle verstorbenen Gläubigen aus den Gräbern herauszuholen. Er wird außerdem alle noch lebenden Gläubigen verwandeln. Alle Gläubigen der Weltgeschichte werden ihre verherrlichten Auferstehungsleiber empfangen und von der Erde zu dem Herrn in die Luft emporgehoben werden. Dies ist das Zeugnis der Schrift. Die Lehre einer geheimen Vorentrückung ist unbiblisch. Bitte lesen Sie hierzu unseren Text: „Die Vorentrückungslehre: Biblisch fundiert?“ unter www.derdrachekommt.de .

Nach der für jedes Auge öffentlich sichtbaren Entrückung aller Gläubigen der Weltgeschichte (von Adam bis zu dem letzten Bekehrten am letzten Tag der jetzigen Weltzeit) wird unmittelbar das Feuergericht des Herrn über die gesamte alte Welt folgen. Die Erde mit allem darauf existierenden Leben wird in einem Feuersturm vollständig verbrannt werden. Kein Lebewesen, sei es ein Mensch, ein Tier oder eine Pflanze, wird dieses Gericht überleben. Das Gericht durch Feuer am Ende wird noch endgültiger sein als das Gericht der Sintflut, welches acht Menschen überleben durften. Danach wird Gott eine neue Erde gründen, und der Herr Jesus Christus wird mit seinen Erlösten aus dem Himmel auf diese Erde zurückkehren, um auf ewig inmitten seiner Gläubigen zu leben.

 

2Pe 3,11-14: „Da nun dies alles aufgelöst wird, wie sehr solltet ihr euch auszeichnen durch heiligen Wandel und Gottesfurcht, indem ihr das Kommen des Tages Gottes erwartet und ihm entgegeneilt, an welchem die Himmel sich in Glut auflösen und die Elemente vor Hitze zerschmelzen werden! Wir erwarten aber nach seiner Verheißung neue Himmel und eine neue Erde, in denen Gerechtigkeit wohnt. Darum, Geliebte, weil ihr dies erwartet, so seid eifrig darum bemüht, dass ihr als unbefleckt und tadellos vor ihm erfunden werdet in Frieden!“

Off 21,1-3: „Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde waren vergangen, und das Meer gibt es nicht mehr. Und ich, Johannes, sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabsteigen, zubereitet wie eine für ihren Mann geschmückte Braut. Und ich hörte eine laute Stimme aus dem Himmel sagen: Siehe, das Zelt Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen; und sie werden seine Völker sein, und Gott selbst wird bei ihnen sein, ihr Gott.“

Off 22,3-4: „Und es wird keinen Fluch mehr geben; und der Thron Gottes und des Lammes wird in ihr sein, und seine Knechte werden ihm dienen; und sie werden sein Angesicht sehen, und sein Name wird auf ihren Stirnen sein.“

 

Und nun noch ein Wort zu dem imaginären Tempel des 1000-jährigen dispensationalistischen Reiches. Er wird von den betreffenden Auslegern in Hesekiel 40-48 gesehen. Die Auslegung ist jedoch nicht haltbar, wenn man das Zeugnis der Schrift und die Heilsgeschichte in Betracht zieht. Die nun folgenden Ausführungen finden Sie in ausführlicherer Form in unserem Text: „Die Botschaft des Propheten Hesekiel“ wieder.

Wir müssen zunächst einmal klar feststellen, dass es sich bei dem Tempel im Wesentlichen um einen Grundriss handelt. Man kann keine richtigen Höhenmaße erkennen, was ein erster deutlicher Hinweis darauf ist, dass es sich hier nicht um einen wirklichen Bauplan handelt. Die Angaben zum Bau des Tempels Salomos in 1Kö 6 und 7 sowie in 2Chr 3 enthalten sehr wohl die wichtigsten Höhenmaße, was unseren Gedanken weiter unterstützt. Hinzu kommt, dass die Beschreibung an verschiedenen Stellen so verwirrend zu sein scheint, dass man es kaum schafft, die einzelnen Teile richtig zuzuordnen.

Mein Vater ist Maurer und Betonbauer. Er hat sein Haus von den Fundamenten bis zum Dachstuhl mit seinen eigenen Händen nach klaren Architektenplänen gebaut, welche ich als Kind ebenfalls betrachten konnte. Es war ein normales dreistöckiges Wohnhaus, und dennoch enthielt der Plan an jeder nur denkbaren Ecke die genauen Maße für jede Tür, jedes Fenster, jede Treppe, jede Etage, jeden Mauervorsprung, jede Wandhöhe, jeden Winkel und auch für das Dach. So kann man ein Haus bauen. Wie sollte man hingegen nach einer oberflächlichen Grundrissskizze das gewaltige Heiligtum Gottes errichten können, welches hier von den Anhängern der buchstäblichen Auslegung gesehen wird?

Die soeben genannten Dinge deuten auf eine geistliche Auslegung hin. Das beinhaltet natürlich, dass auch die Zahlen des Heiligtums geistlich zu deuten sind. Die Zahlen bringen uns eine geistliche Botschaft. Wer diese Zahlen in heutige metrische Maße umrechnet, wie es auch in einigen zeitgenössischen Bibelversionen geschieht, der kann diese Botschaft nicht mehr entschlüsseln. Wir möchten deshalb in einem kurzen Abschnitt einige Beispiele für die Bedeutung der Zahlen angeben, bevor wir zur weiteren Deutung übergehen. Diese Beispiele können dem interessierten Leser als Anregung zu weiterem Studium dienen.

Sieht man in Kapitel 41 an der Türöffnung zwei Pfeiler von 6 Ellen Breite, so weist dies auf die Menschen (6) hin, die durch diese Tür gehen um in das Heiligtum einzutreten. Es sind zwei Gruppen, eine aus dem alten Bund und eine aus dem neuen Bund. Wenn die Tür 10 Ellen breit ist (2 mal 5) und zusätzlich auf beiden Seiten noch fünf Ellen breit, so haben wir hier ein vierfaches Zeugnis der Erlösung aus Gnade (5). Die erlösten Menschen gehen durch diese Tür. Der Tempelsaal ist 40 Ellen lang, das ist 5 (Erlösung, Gnade) mal 8 (Auferstehung und neues Leben). Die 20 (2 mal 10) redet vom Zeugnis (2) Gottes und vom Gesetz (10): „Zum Gesetz und zum Zeugnis!“ Somit haben wir hier das Bild der Erlösten, welche durch das Zeugnis des Gesetzes Gottes und durch das Wort der Gnade zur Erlösung und zum neuen Leben gebracht worden sind. Sie betreten die Halle des Tempels Gottes, nämlich seiner Gemeinde. Zahllose Multiplikationen dieser Zahlen begegnen uns im Tempelbezirk. 25 (5 mal 5), Erlösung im alten und neuen Bund vereinigt. 30 (6 mal 5), der erlöste (5) Mensch (6). 25.000 als das Gesamtmaß des Heiligtums: Erlösung im alten und neuen Bund in Verbindung mit vollständiger Heiligung. (5 mal 5 mal 1000). Man könnte endlos weitergehen, aber dieses kleine Beispiel möge genügen.

Vier grundsätzliche Auslegungsrichtungen der Tempelvision Hesekiels sind vorherrschend, teils auch in Kombination:

  1. Die Vision ist die Prophezeiung eines buchstäblichen materiellen Tempels, der in Israel gebaut wird, nach dispensationalistischer Sicht im irdischen 1000-jährigen Reich.
  2. Die Vision beschreibt bildhaft einen idealen himmlischen Tempel, welcher dort existiert, und von dem Gott nie beabsichtigte, dass er auf der Erde gebaut werden sollte.
  3. Die Beschreibung ist eine bildliche Vision eines rein ideellen Tempels, eines rein gedanklichen Phänomens in Gottes Gedanken, weder himmlisch noch irdisch existierend.
  4. Es wird ein realer himmlischer Tempel beschrieben, der in der Endzeit vom Himmel herabkommen und auf der Erde aufgerichtet werden wird, jedoch nicht als ein buchstäbliches Gebäude.

 

Was ist nun die schriftgemäße Bedeutung? Die Vision beschreibt einerseits den Tempel, der Gottes Wohnung inmitten seines Volkes in der jetzigen Zeit entspricht. Es ist also eine Darstellung der Gegenwart Gottes inmitten seines Volkes. Die Vision beschreibt andererseits auch die fortdauernde Existenz des jetzt noch himmlischen Tempels in der Zukunft, wenn er tatsächlich aus dem Himmel zur neuen Erde herabkommen wird. Gott wohnt seit der Auferstehung des Herrn Jesus Christus nicht mehr in einem von Menschenhand gemachten Tempel. Israels irdischer Tempel war nur ein Abbild der geistlichen Realität, welche durch Hesekiels Tempelvision dargestellt ist.

Somit ist die Tempelvision eine Darstellung des endzeitlichen (eschatologischen) Heiligtums Gottes inmitten seines Volkes, und zwar besonders im Hinblick auf Hes 37,26-28. In Vers 27 wird die Wohnung des Herrn über ganz Israel sein (ELB), was ein weiterer Hinweis darauf ist, dass es sich bei dem Tempel nicht um ein begrenztes Gebäude handelt, sondern um die Gegenwart Gottes. Hes 43,7 und 43,9 sagen zweimal dasselbe: Gott wird inmitten seines Volkes gegenwärtig sein. Diese beiden Verse sind eine Weiterentwicklung von Kapitel 37: Dort wohnt der Herr über seinem Volk, hier auf ewig inmitten seines Volkes. Es besteht auch eine erfüllende Verbindung zu 3Mo 26,11-12.

Hes 11,16 beschreibt, dass Gott selbst auch nach dem Untergang des Tempels in Jerusalem für eine kurze Zeit das Heiligtum des treuen Überrestes während der Zeit der Verbannung sein würde. Die Tempelvision Hesekiels verdeutlichte also den Israeliten der damaligen Zeit, dass Gott vom Himmel aus mit ihnen sein würde, auch wenn der Tempel in Jerusalem zerstört sein würde. Dies ist eine weitere Bedeutung der Vision. Es zeigt sich, dass die Deutung komplex und vielschichtig ist, sie muss im Kontext des gesamten Buches Hesekiel richtig eingeordnet werden.

Wir kommen nun zu den Opfern in diesem Tempel. Das Problem der Opfer in Hesekiels Tempel kann dadurch gelöst werden, dass man darin die Selbstaufopferung zuerst des Herrn Jesus selbst und dann auch der Christen für Gott sieht. Offenbarung 11 beschreibt den irdischen Lebenslauf der Gemeinde mit den Opfern auf dem Altar des Vorhofs (also im Bereich der körperlichen Existenz der Christen in dieser Welt) nach dem Muster des irdischen Lebenslaufes des Herrn Jesus, welcher seinen irdischen Leib ebenfalls auf dem Altar von Golgatha im Vorhof dieser Welt dargebracht hat. Wir haben das bereits zuvor erläutert. Die Opfer des Tempels Hesekiels werden mit dem Wort „kipper“ bezeichnet, welches im Pentateuch jene Opfer beschreibt, die sühnenden Charakter haben.

Die alttestamentlichen Opfer leisteten nur eine Bedeckung, was die Bedeutung von „kipper“ ist. Erst das Opfer des Herrn brachte die völlige Sühnung hervor. Wenn also die Opfer in Hesekiels Tempelvision durch dieses Verb „kipper“ charakterisiert sind, dann bedeutet dies aus der alttestamentlichen Sicht Hesekiels und seiner Zeitgenossen, dass die Vision in 40-48 einen Zustand darstellt, in welchem das sühnende Opfer inmitten des Volkes, des Tempels und der Stadt auf ewig gegenwärtig sein wird. Das Opfer des Herrn Jesus ist somit in geistlicher Hinsicht als die Erfüllung der Opfer anzusehen, welche im Tempel Hesekiels erwähnt sind. Dies stimmt mit den Aussagen des Neuen Testaments überein. Man kann die Opfer Hesekiels nicht als Gedenkopfer in einem zukünftigen Zustand definieren, ohne das Opfer des Herrn Jesus ungültig zu machen (oder wenigstens herabzusetzen) und ohne grundlegend gegen die Aussagen des Hebräerbriefes zu verstoßen. Das Gedenkopfer im NT ist das Mahl des Herrn, welches in 1Kor 10 und 11 beschrieben wird.

 

Hebr 9,12+26+28: „[Christus ist gekommen] nicht mit dem Blut von Böcken und Kälbern, sondern mit seinem eigenen Blut ein für alle Mal in das Heiligtum eingegangen und hat eine ewige Erlösung erlangt. (…) denn sonst hätte er ja oftmals leiden müssen von Grundlegung der Welt an. Nun aber ist er einmal offenbar geworden in der Vollendung der Weltzeiten zur Aufhebung der Sünde durch das Opfer seiner selbst. (…) so wird der Christus, nachdem er sich einmal zum Opfer dargebracht hat, um die Sünden vieler auf sich zu nehmen, zum zweiten Mal denen erscheinen, die auf ihn warten, nicht wegen der Sünde, sondern zum Heil.“

Hebr 10,10-18: „Aufgrund dieses Willens sind wir geheiligt durch die Opferung des Leibes Jesu Christi, [und zwar] ein für alle Mal. Und jeder Priester steht da und verrichtet täglich den Gottesdienst und bringt oftmals dieselben Opfer dar, die doch niemals Sünden hinwegnehmen können; Er aber hat sich, nachdem er ein einziges Opfer für die Sünden dargebracht hat, das für immer gilt, zur Rechten Gottes gesetzt, und er wartet hinfort, bis seine Feinde als Schemel für seine Füße hingelegt werden. Denn mit einem einzigen Opfer hat er die für immer vollendet, welche geheiligt werden. Das bezeugt uns aber auch der Heilige Geist; denn nachdem zuvor gesagt worden ist: »Das ist der Bund, den ich mit ihnen schließen will nach diesen Tagen, spricht der Herr: Ich will meine Gesetze in ihre Herzen geben und sie in ihre Sinne schreiben«, sagt er auch: »An ihre Sünden und ihre Gesetzlosigkeiten will ich nicht mehr gedenken.« Wo aber Vergebung für diese ist, da gibt es kein Opfer mehr für Sünde.“

 

Nun kommt noch die Frage hinzu: Ist die Stadt mit dem Heiligtum in Hesekiel 47 das geographische Zentrum der zukünftigen Welt? Die Antwort ist nein. Die Bejahung dieser Frage würde grundlegend gegen das Prinzip von Joh 4,21-23 verstoßen, wo der Herr vor fast 2000 Jahren sagte: „Es kommt die Stunde, da ihr weder auf diesem Berg noch in Jerusalem den Vater anbeten werdet (…). Es kommt aber die Stunde und ist jetzt, da die wahren Anbeter den Vater in Geist und Wahrheit anbeten werden.“

In Joh 7,38 spielt der Herr Jesus auf das Wasser aus Hesekiels Tempel an und deutet es auf sich selbst und den Heiligen Geist in den Gläubigen. Dabei ist Joh 7,37-39 auch eine direkte Weiterentwicklung des Bildes vom lebendigen Wasser aus Joh 4,10-15. So wie die Stadt und das Heiligtum in Hesekiel 47 als Zentrum der Anbetung bildlich zu verstehen sind, ebenso ist auch die gesamte Vision von Hesekiel 40-48 bildlich zu verstehen.

Folgende Personen, Gegenstände und Zeremonien aus Israels altem Tempel fehlen in der Vision Hesekiels:

  • Die Bundeslade im Allerheiligsten.
  • Die Cherubim im Allerheiligsten.
  • Der goldene Leuchter.
  • Der Schaubrottisch.
  • Der Räucheraltar im Heiligen.
  • Der Trennvorhang zum Allerheiligsten.
  • Der Hohepriester und sein Dienst.
  • Die Wolke der Herrlichkeit Gottes.
  • Das heilige Salböl.
  • Das bronzene Meer.
  • Das tägliche Abendopfer.
  • Der große Versöhnungstag.

 

Verschiedene Ausleger haben angenommen, dass diese Dinge nicht wirklich abwesend sind, sondern dass der Prophet sie lediglich nicht erwähnt. Es handelt sich bei den betreffenden Gegenständen jedoch um die Herzstücke des Tempels. Ohne diese Dinge wäre es in einem materiellen Tempel unmöglich, einen geordneten Opferdienst durchzuführen. Diese Dinge werden nur deshalb nicht erwähnt, weil sie nicht da sind.

Die Beschreibung des Tempels Hesekiels ist mit ihrer Länge von neun Kapiteln ungleich ausführlicher als die Beschreibung des salomonischen Tempels. Es ist undenkbar, dass in dieser weitläufigen Beschreibung die wichtigsten Dinge für den täglichen Tempeldienst ausgelassen werden könnten, wenn sie noch da wären. Die Beschreibung der Stiftshütte in 2Mose enthält ebenso zahlreiche Gegenstände, welche sehr wohl auch beim Tempelbau Salomos erwähnt werden. Gott lässt diese Dinge nicht unerwähnt, weil er bereits früher darüber geredet hat. Jer 3,16-17 sagt zudem, dass es in dem künftigen Tempel keine Bundeslade mehr geben wird, und dass Gottes Gegenwart sich über ganz Jerusalem erstrecken wird. Dies ist ein Bild für das Gemeindezeitalter. Jeremias Aussage passt zum Tempel Hesekiels. Die Gegenstände sind nicht da.

Der Hesekieltempel weist symbolisch voraus auf die vollständige Offenbarung des Tempels des neuen Bundes, welcher Christus selbst (das wahre Lamm Gottes) und seine Gemeinde ist, welcher in dem Bild der leidenden Gemeinde als Tempel Gottes in dieser Welt in Off 11 gezeigt wird, und welcher in dem noch kommenden ewigen Zustand in Off 21 und 22 aus dem Himmel auf die neue Erde kommen und die gesamte Schöpfung erfüllen wird. Die Vision Hesekiels hat in dem fortschreitenden Plan der Offenbarung Gottes noch immer einen vorläufigen Charakter. Die endgültige Vollendung kommt erst bei der Wiederkunft Christi.

Die Gemeinde im heutigen Zustand ist somit in geistlicher Weise nach den Gedanken Gottes betrachtet der inaugurierte aber noch nicht ganz vollendete Tempel der Ewigkeit (siehe unseren Abschnitt über die zwei Weltzeitaler). Die Gläubigen bilden nicht nur den Tempel, sondern sie sind auch geistliche Priester, die in diesem Tempel dienen. Die himmlischen Tempelvisionen der Offenbarung zeigen – von wenigen Ausnahmen abgesehen – keine Gegenstände des Tempels. Sie reden aber immer über den Thron oder über Throne, was in allen Fällen die Gegenwart Gottes oder der verherrlichten Gemeinde andeutet. Auch unter diesem Aspekt gesehen passt das Fehlen der Tempelgegenstände bei Hesekiel sehr gut zu einer himmlischen Vision.

Hesekiels Vision kann man somit als die himmlische Form des Tempels bezeichnen, mit dem der treue gläubige Überrest zur Zeit Hesekiels in der Gefangenschaft geistlich verbunden war (Hes 11,16). Es wird der Tempel sein (nämlich Christus selbst mit der Gemeinde aller Gläubigen), der am Ende der Tage auf die neue Erde herabkommen und in Ewigkeit bleiben wird. Es ist der himmlische Tempel der kommenden Ewigkeit, welcher in der jetzigen Endzeit schon inauguriert ist und sowohl geistlich als auch leiblich in der Gemeinde bereits damit begonnen hat, vom Himmel herabzukommen. Ebenso hat auch die Erfüllung der geistlichen Realitäten bereits begonnen, welche durch die fehlenden Gegenstände in Hesekiels Tempel symbolisiert werden.

Off 21-22 ist die Erfüllung der Vision Hesekiels. Die Gegenwart Gottes, welche die gesamte neue Schöpfung erfüllt, ist die tatsächliche Realität, auf die die beiden steinernen Tempel Israels bildhaft hindeuteten. Die Steintempel waren von jeher nichts anderes als Abbildungen des wahren himmlischen Tempels. Das Gleiche gilt für die Stiftshütte, für das Bergheiligtum am Sinai (als irdisches Abbild des Heiligtums des wahren Berges Zion in Hebr 12,18-29) und für die Altäre der Patriarchen. Die Entwicklung geht von 1Mose über Hesekiel bis Off 22 kontinuierlich voran. Hesekiels Tempel ist das Heiligtum Gottes, das bereits auf der Erde existiert, wenngleich nicht in materieller, sondern in geistlicher Form, in der Gemeinde der erlösten Menschen. Das Heiligtum ist jedoch noch nicht zur Vollendung gelangt, sondern es schattet die Vollendung voraus, welche in Off 21-22 gezeigt wird.

 

 

6. Fazit

Das Thema des Millenniums in der Schrift ist umfassend und schwierig. Wir hoffen, durch diese Abhandlung etwas mehr Licht ins Dunkel gebracht zu haben. Es war unser Anliegen, uns in der Erkenntnisfindung nicht auf außerbiblische lehrmäßige Vorannahmen, prophetische Offenbarungen, visionäre Phänomene oder gar traditionelle Dogmen zu verlassen, sondern einzig und allein auf die Aussagen der Heiligen Schrift, über welche wir in unserem Denken nicht hinausgehen dürfen (1Kor 4,6). Dabei sind wir zu dem Ergebnis gelangt, dass die Angabe der „1000 Jahre“ in Off 20,1-6 symbolische Bedeutung hat und nicht auf ein tatsächliches irdisches Millennium hindeutet. Die Zahl steht im Kontext der Offenbarung für den langen Zeitraum des christlichen Zeitalters zwischen der Himmelfahrt des Herrn bis kurz vor seiner Wiederkunft. Die Szene in Off 20,1-6 spielt sich nicht auf der Erde ab, sondern im Himmel. Durch zahlreiche Schriftstellen konnte gezeigt werden, dass die Heilige Schrift ein 1000-jähriges Reich auf dieser Erde nach der Wiederkunft des Herrn Jesus Christus definitiv ausschließt.

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