Verschiedene Themen

Die Feste Israels haben nicht nur eine prophetische Bedeutung für das alte irdische Israel von damals, sondern auch für das neue geistliche Israel, also für die Gemeinde Christi. Die Reihenfolge der Feste ist ein prophetischer Kalender.


Inhaltsverzeichnis

Einleitung
1. Das Passahfest (3Mo 23,5)
2. Das Fest der ungesäuerten Brote (3Mo 23,6-8)
3. Das Fest der Erstlingsfrüchte (3Mo 23,9-14)
4. Das Fest der Wochen (3Mo 23,15-21)
Die viermonatige Zwischenzeit zwischen den beiden Festzyklen (3Mo 23,22)
5. Das Fest des Posaunenhalls (3Mo 23,23-25)
6. Der große Versöhnungstag (3Mo 23,26-32)
7. Das Laubhüttenfest (3Mo 23,33-44)
Quellenangabe und weitere Literatur

 

Einleitung

Es gibt eine große Zahl von Bibelstellen, die über die Feste Israels reden. Es wäre in dieser Abhandlung unmöglich, sie alle zu erwähnen oder zu diskutieren. Aber um einen systematischen Überblick zu erhalten, ist mit Sicherheit ein Kapitel am bedeutendsten, und das ist 3Mo 23. Das Buch Levitikus ist das so genannte Handbuch für die Priesterschaft unter dem mosaischen Bund.

Die meisten Juden der damaligen Zeit kannten nicht einmal einen kleinen Teil der insgesamt 613 Gesetze des Moses, weil viele Gesetze sich speziell mit dem Priesterdienst und den Opferungen im Tempelbezirk bzw. in der Stiftshütte während der Wüstenwanderung des Volkes oder während der Zeit in Silo beschäftigten. Die Priester selbst jedoch mussten alle Gesetze kennen. Sie mussten auch in Einzelheiten über die Feste des Herrn Bescheid wissen. Natürlich sind nicht alle Einzelheiten dazu im Buch Leviticus zu finden, aber Kapitel 23 gibt uns die genaue zeitliche Reihenfolge der Feste und die genauen Kalenderdaten.

Hierin zeigt sich uns bereits ein göttliches Wunder: Die exakte Ordnung der Feste wurde zu einem Zeitpunkt gegeben, als das Volk Israel noch nicht den geringsten Blick auf das verheißene Land hatte! Trotzdem bestand eine starke Verbindung zwischen den Festzeiten und ihren Zyklen sowie den landwirtschaftlichen Phasen des Jahres im damals noch zukünftigen verheißenen Land Israel auf dieser Erde, ja sogar zu den prophetischen Ereignissen in der Heilsgeschichte betreffend nicht nur Israel, sondern auch die Nationen der Welt und somit die Gemeinde des neuen und ewigen Bundes.

Der allmächtige Gott des alten Israel, der Gemeinde Christi im neuen Bund und aller Menschen, kennt alle Dinge im Voraus. Die Feste Israels haben somit nicht nur eine prophetische Bedeutung für Israel damals, sondern auch für die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des heutigen Israels, der Gemeinde Christi (nämlich des Israels Gottes im neuen und ewigen Bund) und der Heilsgeschichte. Die Reihenfolge der Feste ist ein prophetischer Kalender. Die heilsgeschichtlichen Ereignisse treten genau in derselben Reihenfolge auf, in der die Feste des alten Israel im Jahresverlauf erschienen.

Jedes Volk auf dieser Welt hat sicherlich seine eigenen Feste. Die heiligen Feste Gottes wurden jedoch nur Israel gegeben, dem Bundesvolk Gottes im alten Bund, sowie zum Teil auch der Gemeinde, nämlich dem Israel Gottes im neuen und ewigen Bund. Die Heiligkeit wird durch die Zahl sieben betont. Das alttestamentliche Bild zeigt die enge Beziehung der Feste zu den Erntezeiten und Wetterperioden. Es gab drei Pilgerfeste (ungesäuerte Brote, Wochenfest und Laubhüttenfest), die in Jerusalem gefeiert werden mussten (5Mo 16,16).

Die Kalenderdaten der Feste folgten dem Mondkalender. Der heutige Lunisolarkalender Israels mit seinem Zyklus hat unterschiedlich lange Jahre zum Abgleich mit dem Sonnenumlauf. Im westlichen Kalender mit seinen 365 Tagen sind die Daten der jüdischen Feste heute somit jedes Jahr unterschiedlich. In Israel gibt es ein religiöses Jahr, beginnend mit dem ersten Nisan (März/April) und ein bürgerliches Jahr, beginnend mit dem ersten Tischri (September/Oktober).

Es gibt zwei Festzyklen. Der Frühjahrszyklus enthält die ersten vier Feste und wird erfüllt durch die Ereignisse beim ersten Kommen des Messias. Danach folgt ein Intervall von vier Monaten, das die Zeit der Gemeinde repräsentiert. Der zweite Zyklus enthält die letzten drei Feste und wird erfüllt durch das zweite Kommen des Messias. Hier vorab eine kurze Zusammenfassung der Erfüllung der Feste, was später noch genauer erklärt werden soll:

Passahfest
Der Tod des Messias Jesus Christus für unsere Sünden.

Ungesäuerte Brote
Das Opfer seines sündlosen Leibes und Blutes, sein Leib verweste nicht im Grab (Psalm 16,10). Die Heiligung der Gläubigen.

Erstlingsfrüchte:
Die Auferstehung Christi. Die Gabe des ewigen Lebens (Erstlinge des Geistes) an Gläubige.

Wochenfest
Die Ankunft des Heiligen Geistes, die Gründung der Gemeinde, des Israel Gottes,  in Jerusalem.

Vier Monate Intervall
Die Zeit der Gemeinde, das Reich Gottes in unserer Zeit.

Posaunenhall
Die Wiederkunft des Herrn zum Gericht (letzte Posaune).

Großer Versöhnungstag
Die Rückkehr des Herrn aus dem Himmel zur Erde zum Gericht über diese Welt mit der Schaffung der neuen Erde und der Wiederherstellung aller Dinge, der Versöhnung der neuen Welt mit Gott.                                                                               

Laubhüttenfest
Die Hütte Gottes bei den Menschen, die Ewigkeit des  Neuen Himmels und der neuen Erde in der Gemeinschaft  der Erlösten aller Nationen (der Gemeinde, des ewigen Israels Gottes) mit dem Herrn Jesus Christus.                                                                                                                                                             

Im Bund mit Abraham sagte Gott: “In deinem Namen sollen alle Nationen der Erde gesegnet werden!“ (1Mo 22,18) Also ist der prophetische Segen der Feste nicht nur für Israel, sondern auch für alle Nationen bestimmt. Dies wurde durch das Werk des Herrn Jesus möglich gemacht. Die Sabbatgesetze übertrumpften im alten Israel die Festgesetze. Wenn ein Fest auf einen Sabbat fiel, durften bestimmte Zeremonien nicht stattfinden, da sie als Arbeit galten und somit am Sabbat untersagt waren. Für die Christen ist der Sabbat keine Pflicht (Kol 2,16).

Auf der Grundlage dieser kurzen Einleitung sollen jetzt die Feste einzeln betrachtet werden, und zwar unter folgenden fünf Gesichtspunkten:

(A) Andere Bibelstellen zu  dem Fest mit kurzen Erklärungen

(B) Andere Namen des Festes mit eventueller kurzer Erklärung

(C) Biblische Praxis des Festes

(D) Jüdische Praxis des Festes

Die Rabbiner haben dem mosaischen Gesetz eine Unzahl von Traditionen hinzugefügt. Diese sind teilweise von Bedeutung für unser Thema, da der Herr Jesus in seiner eigenen Beobachtung der Feste einige davon mit den mosaischen Gesetzen kombinierte. Dies geschah nicht deswegen, weil der Herr das Gesetz Israels für immer aufrechterhalten wollte, sondern aus zwei Gründen. Erstens wollte er den Juden ein besseres Verständnis des Erlösungswerkes ermöglichen, welches im Gesetz des alten Israel vorgeschattet war. Zweitens sind Teile dieses Gesetzes auch Vorbilder geistlicher Wahrheiten des Gemeindezeitalters für uns.

(E) Messianische Bedeutung für Israel und die Gemeinde

 

1. Das Passahfest (3Mo 23,5)

(A) Andere Bibelstellen

2Mo 12,1-51: Das erste Passah in Ägypten mit den Besonderheiten dieser ersten Feier.
2Mo 34,25b: Nichts sollte vom Lamm übrig bleiben, die Reste sollten verbrannt werden.
4Mo 9,1-14: Die alljährlichen Festvorschriften nach dem Exodus.
4Mo 28,16: Das Kalenderdatum, der 14. Nisan. Als Ersatz für solche, die nicht erscheinen konnten, galt der 14. Tag des 2. Monats.
5Mo 16,1-2 und 4-7: Weitere Details des Passahlammopfers.
Jos 5,10-11: Das erste Passah im verheißenen Land.
2Kö 23,21-23 und 2Chr 35,1-19: Die Wiedereinsetzung durch Josia.
2Chr 30,1-22: Die Wiedereinsetzung durch Hiskia.
Esra 6,19: Die Wiedereinsetzung nach der babylonischen Gefangenschaft.
Hes 45,21: Die Beobachtung im „Millennium“ (Gemeindezeitalter).
Mt 26,1-35; Mk 14,1-26; Lk 22,1-30; Joh 13,17-26: Das letzte Passah, der Tisch des Herrn.
Joh 2,13-15: Das Passah nach der Taufe des Herrn, die erste Tempelreinigung.
Hebr 11,28: Das Passah in Ägypten war eine Tat des Glaubens von Mose.

 

(B) Andere Namen

Pesach: Es bedeutet „vorübergehen“. Wenn der Engel in der Gerichtsnacht Ägyptens das Blut des Lammes am Türrahmen des jüdischen Hauses sah, ging er an dem Haus vorüber. An den Häusern der Ägypter gab es kein schützendes Blut. Der Engel ging durch das Haus hindurch und tötete den Erstgeborenen.

Seman cherutenu: Es bedeutet „die Zeit unserer Freiheit“, im Blick auf den Auszug aus Ägypten.

 

(C) Biblische Praxis

Das Töten des Lammes: Es wurde am 10. Tag des Monats beiseite gesetzt (2Mo 12,2). Es wurde vom 10. bis zum 14. Tag des Monats auf Fehler oder Flecken geprüft. Das Familienlamm wurde am Abend des 14. Tages getötet und zuhause gegessen. Beim Zubereiten und Essen des Lammes durfte kein Knochen gebrochen werden.

Das Passahmahl bestand aus drei Elementen: Gebratenes Lamm, ungesäuertes Brot, bittere Kräuter (2Mo 12,8). Von Mose wurde kein Wein für die Zeremonie angeordnet. Die Rabbiner fügten das hinzu.

 

(D) Jüdische Praxis

Nach jüdischer Zeitrechnung beginnt der Tag um 18°° abends und endet um 18°° am nächsten Abend. Der Sabbat beginnt also am Freitagabend und endet am Samstagabend. Mit dem Passahfest ist es genauso. Es beginnt abends und endet am nächsten Abend. Die Passahnacht geht also dem Passahtag voran. Die Zeremonie beginnt um 18°° abends und dauert mehrere Stunden, manchmal bis nach Mitternacht. Die Hauptelemente sind die folgenden:

 

Der Passahteller mit 6 Dingen darauf

Charosset, eine braun gefärbte Apfel-Honigmasse, die an die braunen Ziegelsteine in Ägypten  erinnern soll. Petersilie in Salzwasser getaucht (erstes Eintauchen), im Bild die Errettung der jungen grünenden Nation Israels aus Ägypten durch das Salzwasser des roten Meeres hindurch. Maror, also bittere Kräuter, als Symbol der Bitterkeit der Sklaverei in Ägypten. Chaseret, eine sehr bittere Kräutermischung, als Bild der schweren Bitternis der Diaspora. Geröstetes Ei in Salzwasser (zweites Eintauchen), ein Bild für das Opfer des Passahlammes für das Volk am Morgen des 15. Nisan zur dritten Stunde (9 Uhr) im Tempel. Dies ist ein Ersatz für das echte Lamm seit der Zerstörung des Tempels im Jahr 70 n.Chr. Schließlich ein Lammknochen als Ersatz für das Familienlamm in den Häusern der Juden.

 

Die vier Kelche

Der Kelch der Danksagung: Eröffnung der Zeremonie, verbunden mit einem Gebet.
Der Kelch der Plagen: Hierbei werden die 10 Plagen über Ägypten wiederholt.
Der Kelch der Erlösung nach dem Mahl: Der Herr identifizierte diesen mit seinem Blut.
Der Kelch der Lobpreisung am Ende, zusammen mit dem Singen des „Hallel“ (Ps 113-118).

 

Die Passahtasche oder Mazzatasch

Eine leinene Tasche mit drei Laiben ungesäuertem Brot in drei separaten Fächern. In der Zeremonie wird der mittlere Laib herausgenommen. Er ist ungesäuert, gestreift und durchbohrt. Er heißt „Afikoman“, was bedeutet „Ich kam“ (Aorist II von hikneomai). Er wird gebrochen, in ein Tuch gewickelt, für einige Zeit versteckt und später von den Kindern wieder gesucht und zurückgebracht. Dann folgt Auswickeln und Verteilung unter alle Teilnehmer am Mahl, jeder muss ein Stück davon erhalten. Dies ist die Hauptzeremonie des gesamten Passahabends. Die gläubigen Juden des ersten Jahrhunderts führten sie als Ersatz für das Passahlamm in ihr „lammloses Passahfest“ nach der Tempelzerstörung ein. Die nicht messianischen Rabbiner integrierten die Zeremonie, können sie jedoch bis heute nicht erklären. Sie halten die drei Laibe für Abraham, Isaak und Jakob.

 

Die gesamte Zeremonie läuft im Wesentlichen wie folgt ab

Das Anzünden der Kerzen durch die Frau des Hauses. Anfang und Kommen des Lichts! Der erste Kelch mit dem Kiddusch (Gebet der Heiligung). Waschung der Hände. Essen der frischen Kräuter. Brechen und Verbergen des Afikoman. Die vier Passahfragen in Hebräisch, der jüngste Sohn antwortet auf Hebräisch. Das Lesen der Haggadah durch den Ältesten der Familie, der ein Passahgewand mit Hut trägt. Hierbei auch der zweite Kelch bei der Erzählung der Plagen. Waschung der Hände. Eröffnung des Mahles mit Charosset und den Dingen des Passahtellers. Das Mahl (meist Hühnerfleisch als Ersatz für das Lamm). Das Suchen des Afikoman, Auswickeln, Verteilen unter alle Teilnehmer. Der dritte Kelch. Der vierte Kelch und der Hallel. Die Suche nach Elia dem Propheten. Elia soll nach jüdischer Tradition am Passah wiederkommen, kurz danach soll dann der Messias erscheinen innerhalb des Jahreslaufes. „Nächstes Jahr in Jerusalem!“. Elia ist nicht gekommen, man muss noch ein Jahr warten.

Neben diesen Hauptelementen gibt es noch am Abend des dreizehnten Nisan eine symbolische Reinigung des gesamten jüdischen Hauses von allem Ungesäuerten, weil das Passah in einem ungesäuerten Haus gefeiert werden muss. Unmittelbar im Anschluss an das Passah beginnt dann ja auch das Fest der ungesäuerten Brote. Einen Tag vor dem Passah muss der erstgeborene Sohn der Familie fasten als Erinnerung an die Rettung der Erstgeborenen Israels aus Ägypten.

In den Synagogen wird das Hohelied gelesen. Man betet auch für den Beginn der Tauzeit in Israel. Diese reicht von Mitte April bis Mitte Oktober. Passah markiert also auch einen Übergang in den Klimaphasen des Landes. Von Mitte Oktober bis Mitte April folgt dann die Regenzeit, deren Beginn durch das Laubhüttenfest markiert wird. Die verschiedenen Erntezeiten Israels sind im Wesentlichen: Gerstenernte, Frühfeigen, Weizenernte, Traubenernte, Olivenernte. Danach kommt normalerweise der Regen ab Oktober/ November.

 

(E) Messianische Bedeutung

Es gibt heutzutage unter den Juden verschiedene Missionswerke, und viele machen die gleiche Beobachtung: Wenn ein Jude wirklich die Verbindung zwischen der Passahzeremonie und der Person / dem Werk des Herrn Jesus versteht, erkennt er Jesus Christus als seinen Messias und kann errettet werden. Der Grund liegt darin, dass der Herr selbst sowohl biblische als auch jüdische Elemente in seiner eigenen Feier des Festes miteinander verbunden hat. Er hat sich selbst mit Teilen der Zeremonie identifiziert und dies den Aposteln erklärt. Auch die Autoren des Alten und Neuen Testamentes beziehen sich teilweise darauf. Daher gibt es einige Bibelpassagen, die nur auf dem Hintergrund des Passahfestes wirklich verstanden werden können. Dieser Tatsache wollen wir nun weiter nachgehen.

In Joh 1,29 und 36 stellt Johannes der Täufer dem jüdischen Volk den Herrn Jesus zweimal als das Lamm Gottes vor. Warum hat er keinen anderen Namen ausgesucht, etwa Messias oder Sohn Davids? Die Ursache liegt in der Geschichte Israels. In der ersten Passahnacht musste jede Familie in Ägypten das Blut eines Lammes vergießen. Aber das alleine hätte nicht zur Rettung der Erstgeborenen Israels ausgereicht. Dazu war eine zweite Sache notwendig: die glaubensvolle Anwendung des Blutes, also das Streichen des Blutes an den Türrahmen des Hauses. Nur wenn der Gerichtsengel das Blut dort sah, war das Haus geschützt und er ging vorüber.

Für uns heute ist es ähnlich: Das Vergießen des Blutes auf Golgatha an sich rettet keinen Menschen. Die Rettung liegt in der glaubensvollen Anwendung dieses Opfers für den Sünder persönlich, der gewissermaßen das Blut an die Türpfosten seines Herzens gestrichen hat. „Denn so sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab (Vergießen des Blutes), damit jeder, der an Ihn glaubt (Anwendung des Blutes auf den Sünder persönlich), nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe (Joh 3,16). Wer heute das Evangelium gehört hat, verfügt über die notwendige Information zu seiner persönlichen Errettung. Aber er muss glauben, um in den tatsächlichen Genuss der Errettung zu kommen. Die Errettung ist aus Gnaden mittels des Glaubens (Eph 2,8).

Das Opfer des Lammes war die Hauptzeremonie in der Stiftshütte und im Tempel zu allen Zeiten gewesen. Jedes kleine Kind in Israel kannte die Geschichte des Lammes! Und jetzt sollten sie das Lamm Gottes kennen lernen! Johannes der Täufer identifizierte den Herrn Jesus als das endgültige Passahlamm der Welt, das Lamm aus Jesaja 53, das die endgültige Versöhnung und Erlösung Israels und der Welt zustande bringen sollte! Er würde am Kreuz an Passah sein sündloses Blut und sein Leben geben. Doch sie erkannten Ihn nicht.

Wir möchten jetzt die Verbindung zwischen dem Herrn Jesus und der biblischen Passahpraxis unter (C) sehen. Das Lamm wurde am 10. Tag des Monats beiseite gesetzt. Der Herr Jesus ritt am 10. Tag des Monats auf einem Eselsfüllen in Jerusalem ein gemäß der Prophezeiung Sacharjas. Dies war das Beiseitesetzen des Passahlammes Gottes am Palmsonntag. Das Lamm wurde vom 10. bis zum 14. Tag des Monats geprüft. Der Herr Jesus wurde vom 10. bis zum 14. Tag des Monats von den Pharisäern, Sadduzäern, Herodianern und Schriftgelehrten geprüft. Er war ohne Fehler und ohne Flecken. Das Passah in den Familien wurde am Abend des 14. Tages gefeiert. Auch der Herr Jesus hielt an diesem Abend das letzte Passah mit den Jüngern. Er selbst identifizierte sich mit dem Passahlamm und den dritten Kelch mit dem neuen und ewigen Bund in seinem Blut. Der Herr Jesus wurde am Morgen des folgenden Tages zur dritten Stunde (9 Uhr) auf Golgatha, einem alten Steinbruchhügel außerhalb des Gartentores von Jerusalem, an einer belebten Straße gekreuzigt. Kein Knochen des Passahlammes durfte gebrochen werden (4Mo 9,12). Joh 19,36 erzählt uns, dass die Soldaten keinen Knochen des Herrn Jesus brachen, weil sie sahen, dass er schon gestorben war.

Das Anzünden der Kerzen durch die Frau des Hauses bezieht sich auf die Geburt des Messias durch Maria. Es ist ein Bild für das Licht der Welt, das mit der Geburt des Messias erschien. Jesaja 9,1 weist ebenso darauf hin wie der Herr selbst es tut in Joh 8,12 und 9,5.

Die Eröffnung des Mahles durch das Verteilen des in Salzwasser getauchten Brotes führt in den Evangelien zur Identifizierung des Verräters. In Mt 26,20-23 gibt der Herr den ersten Schlüssel zu seiner Erkennung. Es gab mehrere kleine Salzwasserschalen auf dem großen Passahtisch. Jede davon konnte jedoch nur durch einen Teil der Passahteilnehmer erreicht werden, weil der Tisch für dreizehn Personen ziemlich groß war. Der Verräter würde seine Hand in dasselbe Gefäß eintauchen wie der Herr selbst. Damit kamen noch immer mehrere Personen in Betracht. Der zweite Schlüssel in Joh 13,21-26 war dann genauer. Der Herr selbst eröffnete das Mahl. Hierzu würde er jedem einzelnen Teilnehmer persönlich ein in Salzwasser getauchtes Stück ungesäuerten Brotes überreichen und am Ende selbst ein Stück nehmen. Die Handlung würde insgesamt dreizehn Mal erfolgen. Aber der Verräter sollte das allererste Stück Brot erhalten. Dieser Mann war Judas. Der Satan fuhr in ihn und er verließ den Raum vor dem eigentlichen Mahl, an dem er keinen Anteil mehr hatte.

Die Zeremonie des Afikoman („Ich kam“) weist direkt auf das Evangelium hin. Die Tasche hat drei Fächer, diese sind ein Bild des dreieinigen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Der mittlere Laib wird herausgenommen: Der Sohn verließ den Himmel und wurde Fleisch in Jesus Christus. Der Laib ist ungesäuert: Der Leib des Herrn war ungesäuert, das heißt sündlos. Der Laib ist gestreift: Der Leib des Herrn wurde durch die römische Geißel von tiefen Furchen durchzogen und bis zur Unkenntlichkeit entstellt. Der Laib ist durchbohrt: Der Leib des Herrn wurde von den Nägeln und von dem römischen Speer durchbohrt. Der Laib wird zerbrochen: Der Tod des Herrn. Der Laib wird in ein Tuch gewickelt und verborgen: Der Leib des Herrn wurde in Sterbetücher gewickelt und begraben. Der Laib wird wiedergebracht und ausgewickelt: Die Auferstehung des Herrn. Das Brot wird unter allen Anwesenden verteilt: Jeder Gläubige hat Anteil an der Erlösung.

Es ist einfach wunderbar, dass diese Zeremonie ein Abbild des gesamten Evangeliums ist, wie es 1Kor 15,3-4 sagt. Es wird heute oft in der Evangelisation von Juden benutzt, und viele wurden gerettet weil sie die Verbindung zwischen dem Passahfest und dem Evangelium erkannten. Wenn du zufällig einen Juden kennst, darfst auch du diese Dinge benutzen, die ihn auf Jeschua Ha Maschiach hinweisen. Vielen Juden ist heutzutage der Name Jesus Christus sehr negativ besetzt, weil der Feind es in den vergangenen Jahrhunderten immer wieder fertig gebracht hat, die Juden in genau diesem Namen durch die großen Kirchen, insbesondere durch die Katholiken, zu verfolgen.

In Lukas 22,14-20 kommen die beiden Elemente Brot und Wein zur Geltung. In Vers 14-18 nimmt der Herr Jesus den ersten Kelch, den Kelch der Danksagung. In Vers 19 bricht der Herr das Brot und identifiziert seinen sündlosen Leib mit diesem Brot. Dies geschieht nicht im Sinne der Transsubstantiation wie im katholischen Glauben, sondern im Sinne einer symbolischen Darstellung zum Gedächtnis. In Vers 20 nimmt der Herr den dritten Kelch, den Kelch der Erlösung und sagt: “…dies ist der Kelch des neuen Bundes in meinem Blute, das für euch vergossen wird.“ Zu diesem Bund ist noch einiges mehr zu sagen.

Der Bund der Gnade Gottes mit dem Menschen wurde bereits in 1Mo 3,15 eingeleitet, wo das gnädige Handeln Gottes mit Adam und Eva unmittelbar nach dem Sündenfall begann. Adam und Eva waren damals tatsächlich die ganze Menschheit, denn es gab auf der Erde nur diese zwei Leute. Ebenso wie damals die gesamte Menschheit in Sünde fiel, wurde auch die gesamte Menschheit von Gott begnadigt und die Sünden durch ein stellvertretendes Opfer bedeckt. Wir haben in 1Mo 3,15 das sogenannte Protevangelium, also das Evangelium in grundlegender Form. Die Vergebung der Sünde des Menschen durch die Gnade Gottes zieht sich durch das ganze Alte Testament hindurch, ebenso die stellvertretende Opferung eines Tieres. Wir finden das stellvertretende Opfer bei den Fellkleidern Adams und Evas, beim Altar Noahs, bei Hiob im ersten Kapitel seines Buches, beim Widderopfer Abrahams in 1Mo 22, beim Auszug Israels aus Ägypten, sowie im gesamten Opferdienst Israels in der Verwaltung des Gnadenbundes mit Einschaltung des mosaischen Gesetzes während der alten Heilszeit (siehe hierzu auch Rö 5,12-21, insbesondere die Verse 20 und 21).

Die Bundesstruktur in der Bibel und ihre Einteilung ist somit folgende:

  • Zunächst die Zeit der sündlosen Existenz Adams und seiner Frau bis zur Verführung und zum Sündenfall, dem Verstoß der gesamten Menschheit gegen das prüfende Gebot Gottes im Garten Eden.
  • Dann der Bundeschluss Gottes mit Adam und Eva, welcher Gericht und Gnade enthält. Das Protevangelium als klare Verheißung des kommenden Erlösers für die gefallene Menschheit. Dieser Moment ist der Beginn der Gnadenzeit, also des rettenden Heilshandelns Gottes in der weiteren Geschichte der Schöpfung, welches erst im ewigen Zustand in Off 22 vollendet sein wird. Diese Zeit der Gnade ist zu unterteilen in die alte Heilszeit bis zum ersten Kommen des Erlösers Jesus Christus und in die neue Heilszeit bis zur Wiederkunft des Herrn Jesus Christus in Macht und Herrlichkeit zum Gericht. Danach die Ewigkeit der Erlösten auf der neuen Erde unter dem neuen Himmel.

Während der alten Heilszeit wurden der Gnadenbund und die Verheißung aus 1Mo 3,15 gegenüber verschiedenen Männern Gottes erneut bestätigt: Noah in 1Mo 9, Abraham in 1Mo 12 und 1Mo 22, Isaak und Jakob in 1Mo 26,28 und 49. Mose im Gesetz an verschiedenen  Stellen, besonders jedoch in den Ereignissen am Berg Sinai von 2Mo 19 bis 2Mo 34. Aus diesem Grund finden wir immer wieder Elemente von Gnade im Gesetz Israels. Der gesamte Opferdienst Israels war nichts anderes als ein gewaltiges Bild der Erlösung und des erwarteten Erlösers.

Die Psalmen sind angefüllt mit Hinweisen auf den kommenden Erlöser und die herrlichen Folgen seines Werkes. Auch die Propheten haben darüber geschrieben, natürlich besonders Jesaja: Kapitel 7, 9, 40, 42, 49, 52, 53 und viele andere Stellen. Ebenso haben die Propheten die genaue Zeit der Ankunft des Erlösers und die Folgen seines Werkes (Dan 9,24-27) vorhergesagt, darüber hinaus an zahllosen Stellen die Herrlichkeiten des Reiches Gottes nach dem vollendeten Erlösungswerk.

Auch das Leben der Erlösten auf der erneuerten Erde im ewigen Zustand wurde von den Propheten bereits gesehen, ebenso das Kommen des Heiligen Geistes und die Gründung der Gemeinde (Hosea 1, Joel 2 und 3, Amos 9). Das Neue Testament erklärt uns diese Prophetenworte  aus der alten Heilszeit, indem sowohl die Apostel und die Evangelisten als auch der Herr selbst die Prophetenworte an zahlreichen Stellen zitieren. Die Schrift erklärt die Schrift, das Neue Testament erklärt die Schatten, Abbilder und Verheißungen des Alten Testamentes.

Die Verwaltung der neuen und ewigen Heilszeit des Gnadenbundes aus 1Mo 3,15 beginnt  mit dem Dienst des Herrn selbst, des wahren Lammes Gottes. Gott gibt auf Golgatha sein eigenes Lamm. Dieses Lamm ist Gott selbst, der Herr Jesus Christus, der zugleich vollkommen Gott und Mensch ist. Das Opfer dieses Lammes bedeckt nicht nur die Sünden des Gläubigen, sondern es nimmt sie in Ewigkeit hinweg. Der Neue und ewige Bund ist der Abschluss und die Vollendung der Verwaltung des Gnadenbundes Gottes in der neuen Heilszeit. Er ist mit dem vergossenen Blut des Herrn für immer und ewig versiegelt. In der Gabe des Heiligen Geistes hat der Gläubige nun ewiges Leben in der neuen Schöpfung, welche in der Auferstehung des Herrn bereits grundsätzlich begonnen hat und in der Wiederkunft des Herrn mit der Schaffung des neuen Himmels und der neuen Erde in geoffenbarter Herrlichkeit vollendet sein wird.

Die tatsächliche Erfüllung des jüdischen Passahfestes ist somit der Tod des Messias Jesus Christus, des endgültigen Passahlammes Gottes, das die Sünde der Welt hinweg nimmt. Er starb für alle Gläubigen der alten Heilszeit der Gnade, welche sein Kommen erwartet hatten und gläubig die Sündopfer für sich selbst in Anspruch genommen hatten, ebenso aber auch für die Gläubigen der neuen Heilszeit aus dem heutigen Land Israel und aus allen Nationen der Erde, die seine Person und sein Werk annehmen und somit geistlich gesehen das Blut des Lammes auf die Türrahmen ihres eigenen Herzens sprengen. Auch unser Passahlamm ist geschlachtet (1Kor 5,7). Wenn wir geistlich gesprochen sein Fleisch essen und sein Blut trinken (Joh 6,54), dann haben wir ewiges Leben und kommen nicht ins Gericht. Das Gericht ist an uns vorübergegangen und wir werden entweder auferstehen am letzten Tag oder als noch lebende Gläubige verwandelt werden, wenn der Herr kommt zum Gericht an diesem letzten Tag. Wenn wir ein geheiligtes Leben führen (1Kor 5,8), keine bewussten Irrlehren verbreiten und unsere Sünden nach 1Joh 1,9 dem Herrn bekennen, dann können wir am Tisch des Herrn teilhaben. Wir brauchen nicht mehr die gesamte Passahzeremonie zu halten. Wir sind aber geistlich gesehen Teilhaber des Laibes von ungesäuertem Brot und des dritten Kelches, des Kelches der Erlösung. Der Herr hat uns aufgetragen, sofern wir die Möglichkeit dazu haben, als anbetende Gemeinde zusammenzukommen, dieses zu tun bis er kommt. Es ist der Wunsch seines Herzens.

 

2. Das Fest der ungesäuerten Brote (3Mo 23,6-8)

(A) Andere Bibelstellen

2Mo 12,39: Die Erinnerung an den Auszug.
2Mo 12,14-20; 13,6-8; 23,15; 34,18; 5Mo 16,3-8: Die vollständige Abwesenheit von Sauerteig, dem Symbol der Sünde, im Haus, in der Stadt, im ganzen Land.
2Mo 12,15: Wer Gesäuertes isst, soll aus dem Volk ausgerottet werden.
4Mo 28,17-25: Die speziellen Opfer zu diesem Fest.
2Chr 30: Hiskia setzt das Fest wieder ein zusammen mit dem Passah.
Esra 6,21-22: Esra hielt es zusammen mit dem Passah.
Hes 45,21-24: Es wird im „Millennium“ (Gemeindezeitalter) gefeiert werden.
Mk 14,1: Der Herr Jesus hielt es in Jerusalem.
Lk 2,42-47: Der Herr als 12 jähriger Junge in Jerusalem an diesem Fest gemäß 2Chr 8,13.

 

(B) Andere Namen

Hag ha  Mazzot: Bedeutet das Fest der ungesäuerten Brote.

 

(C) Biblische Praxis

Das Fest begann am 15. Nisan unmittelbar im Anschluss an das Passahfest, ohne eine Pause, und dauerte sieben Tage. Daher werden beide Feste, obwohl voneinander verschieden, die acht Tage des Passah genannt. Das Passah selbst ist jedoch nur der 14. Nisan! Der erste und der letzte Tag der ungesäuerten Brote waren heilige Tage, keine Arbeit war erlaubt. Die völlige Abwesenheit von Gesäuertem im Essen, im Haus, in der Stadt und im Land war unabdingbar.

 

(D) Jüdische Praxis

Sie folgte der biblischen Praxis mit Ausnahme der Bedikat-Chamez-Zeremonie. Am Abend des 13. Nisan wurde der Sauerteig symbolisch aus allen jüdischen Häusern entfernt. Die Reste wurden öffentlich in der Stadt verbrannt. Dann konnte das Passahfest am Abend des 14. Nisan um 18 Uhr beginnen. Es wurden besondere Mahlzeiten kreiert. Ein typisches Frühstück ist der Mazzabrei, bestehend aus Rührei mit Milch und ungesäuerten Brotbrocken, aufgebacken.

 

(E) Messianische Bedeutung

Sauerteig ist in der Bibel oftmals ein Symbol für Sünde. Die Erfüllung dieses Festes ist in Hebr 9,11 bis 10,18 sowie in Psalm 16,10 beschrieben. Es wird erfüllt durch die Opferung des sündlosen Leibes und des sündlosen Blutes des Herrn Jesus und durch die Tatsache, dass sein sündloser Leib im Grab keine Verwesung sah. Daher folgt es auch unmittelbar auf das Passahfest, denn der Leib des Herrn wurde unmittelbar nach seinem Tode (Erfüllung von Passah) begraben. Er wurde nicht unter Verbrechern begraben, sondern im Grab eines reichen Mannes, und sein Leib verweste nicht.

Die individuelle Anwendung gibt uns 1Kor 5,8: Wir sollten nach der Errettung allen Sauerteig aus unserem Leben austreiben. Das bedeutet geistlich, dass wir zu einem ungesäuerten Leben in Ernsthaftigkeit, Wahrhaftigkeit und Heiligung aufgefordert sind. Wenn wir sündigen, dann sollten wir dies nach 1Joh 1,9 dem Herrn bekennen, um die intakte Gemeinschaft mit dem Vater wiederherzustellen.

Die Anwendung für die Gemeinden ist folgende: Wir sollten keinen Sauerteig, das heißt keine offene, unbekannte Sünde in der örtlichen Gemeinde dulden. Wir müssen Gemeindezucht ausüben und einen fortgesetzt in Sünde verharrenden Bruder bzw. eine Schwester hinaus tun. Dies soll nicht dazu dienen, den Sünder zu zerstören, sondern ihm die Möglichkeit der persönlichen Umkehr und des Bekenntnisses mit der Folge der Wiederaufnahme in die Gemeinschaft zu eröffnen. Manche meinen, dass Toleranz gegenüber der Sünde eine bessere Art sei, dem Sünder in lieblicher Weise zu dienen, aber das trifft nicht zu. Die Sünde wird auf Dauer die ganze Gemeinschaft durchsetzen. Wir müssen Gemeindezucht ausüben. Letztlich ist es aber eines der schwierigsten Dinge, weil dazu eine tiefe Demut vor dem Herrn erforderlich ist. Jeder von uns ohne Ausnahme kann in die schlimmsten Sünden verfallen, wenn der Herr Jesus uns nicht davor bewahrt. Es ist Gnade.

 

3. Das Fest der Erstlingsfrüchte (3Mo 23, 9-14)

(A) Andere Bibelstellen

4Mo 28,26-31: Die besonderen Opfer zu diesem Fest.
5Mo 26,1-10: Die Zeremonie und das Dankgebet.

 

(B) Andere Namen

Reschit qatzirchem: Es bedeutet die Erstlingsfrüchte Eurer Ernte.

 

(C) Biblische Praxis

Dieses Fest markierte den Beginn der Frühjahrsernte, also der Erstlinge der Gerstenernte. Für das Volk wurden einige Pflanzen des Gerstenfeldes im Aschental hinter dem Kidrontal markiert. Am Abend des Festes gab es eine Prozession mit drei Sanhedrin-Mitgliedern und vielen Zuschauern dorthin. Die markierten Pflanzen wurden mit einer Sichel geschnitten und zusammengebunden, so dass sie etwa ein Efa Gerste enthielten. Im Tempel wurden sie gedroschen, gemahlen und mit Öl und Weihrauch vermischt. Teile der Mischung wurden am nächsten Morgen auf dem Altar verbrannt, der Rest von den Leviten gegessen. Für die Haushalte schnitt jeder Bauer sein eigenes Bündel auf seinem Feld und konnte es nach Jerusalem bringen. Die Datierung des Festes folgt im Wesentlichen zwei Traditionen. Die erste Tradition sieht es am 16. Nisan, also zwei Tage nach Passah. Sie hat ein festes Datum.

Die zweite Tradition sieht es am ersten Sonntag nach dem Passahfest. Damit ergibt sich in jedem Jahr ein anderes Kalenderdatum. Wenn das Passahfest und somit der 14. Nisan zum Beispiel in einem bestimmten Jahr auf einen Montag fällt, dann ist das Fest der Erstlingsfrüchte 6 Tage später, also in diesem betreffenden Jahr am 20. Nisan. Wenn das Passahfest zum Beispiel auf einen Donnerstag fällt, dann ist es in diesem Jahr am 17. Nisan. Dasselbe hat man im Christentum zum Beispiel mit Weihnachten und Ostern. Weihnachten fällt immer im Westen auf den 25. Dezember und im Osten bei den Orthodoxen auf den 6. Januar, unabhängig vom Wochentag. Ostern ist aber immer ein Sonntag, nämlich der Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond, und hat somit jedes Jahr ein anderes Datum.

 

(D) Jüdische Praxis

In der weltweiten Diaspora wurde das Fest nicht mehr gefeiert, weil die Juden in den Ländern ihrer Vertreibung oftmals kein Land besitzen durften und somit auch keine Erstlingsfrüchte ernten konnten. Seit 1948 gibt es wieder eine Zeremonie in Israel. Die Erstlinge werden geerntet, in den Speisesaal der Gemeinde gebracht und dort über die Tische ausgebreitet. Während des Abends wird gemeinschaftlich gefeiert. Eine weitere Tradition ist das Omerzählen, das Zählen der 50 Tage zwischen dem Fest der Erstlingsfrüchte und dem Wochenfest. Der 33. Tag ist der so genannte Lag-ba-Omer, ein Tag besonderer Freude. Viele jüdische Paare heiraten an diesem Tag.

 

(E) Messianische Bedeutung

1Kor 15,20-23 erzählt uns, dass dieses Fest durch die Auferstehung des Herrn Jesus erfüllt ist. Somit erscheint die zweite der beiden soeben besprochenen jüdischen Traditionen hinsichtlich der Datierung des Festes geistlich interessant. Der Herr Jesus ist nämlich am ersten Sonntag nach dem Passahfest auferstanden, ebenso wie das Fest auf den ersten Sonntag nach Passah fiel. Die jüdische Woche endet mit dem Sabbat. Die jüdische Woche repräsentiert die Schöpfung in 6 Tagen mit dem Ruhetag Gottes am siebten Tag. Auch der Synagogendienst am Sabbat ist anders als unter der Woche. In der biblischen und jüdischen Tradition waren erste Dinge oder Erstgeborene der Menschen und der Tiere besonders bedeutsam für Gott. Es waren aber doch alles erste Dinge oder Erstgeborene der alten Schöpfung. Auch der Herr Jesus war hinsichtlich der alten Schöpfung der Erstgeborene seiner Mutter Maria.

Die Auferstehung des Herrn geschah jedoch an einem Sonntag. Dies ist der erste Tag der neuen Woche. Er symbolisiert somit den ersten Tag der neuen Schöpfung in der Auferstehung! Der Herr selbst ist auch der Erstling dieser Auferstehung und der neuen Schöpfung. An diesem Wochentag erschien er Maria. Er erschien zweimal den Aposteln im Obersaal, als sie die Türen geschlossen hatten. An diesem Wochentag erschien er wahrscheinlich auch dem Apostel Johannes auf der Insel Patmos. An diesem Tag versammeln sich die meisten Christen jede Woche, um seinen Tod zu verkündigen, indem sie am Tisch des Herrn teilnehmen, aber auch um an seine Auferstehung zu denken. Nach Hebr 12,23 und Jak 1,18 sind alle Christen Erstgeborene oder auch die Erstlingsfrucht einer neuen Schöpfung in der Auferstehung Christi. Siehe hierzu auch 1Kor 15,22; Dan 12,2; Joh 5,28-29 sowie 1Thess 4,13-18. Die Christen besitzen auch die Erstlingsgabe des Geistes.

Es gibt noch eine zweite Besonderheit hinsichtlich der Tradition der jährlich wechselnden Kalenderdaten des Festes. Das nächste Fest im ersten Zyklus ist das Wochenfest. Es kommt genau 50 Tage nach dem Fest der Erstlingsfrüchte. Wenn das Fest der Erstlinge jedes Jahr ein anderes Datum hat, dann also auch das Wochenfest, denn der Abstand zwischen den beiden ist immer 50 Tage. Das dann folgende Fest ist das Fest des Posaunenhalls. Dieses hat ein festes Kalenderdatum, nämlich den 1. Tischri. Somit ergibt sich dann die Tatsache, dass in dieser Tradition der Abstand zwischen dem Wochenfest (kein festes Datum) und dem Fest des Posaunenhalls (festes Datum am 1. Tischri) jedes Jahr anders ist. Wenn wir nun in Betracht ziehen, dass das Wochenfest durch die Geburtsstunde der Gemeinde und das Fest des Posaunenhalls durch die Wiederkunft Christi zur Entrückung der Gemeinde und zum Gericht über diese Welt bei der letzten Posaune am letzten Tag erfüllt wird (wie bereits in der Einleitung kurz angedeutet wurde), so ergibt sich geistlich die Tatsache, dass niemand die Zeit zwischen Pfingsten und der Wiederkunft Christi genau festlegen kann.

 

4. Das Fest der Wochen (Lev 23,15-21)

(A) Andere Bibelstellen

2Mo 23,16: Es wird genannt das Fest der Erstlinge eurer Arbeit.
2Mo 34,22: Es wird genannt das Fest der Erstlinge der Weizenernte.
4Mo 28,26: Der eigentliche Name ist das Fest der Wochen.
5Mo 16,9-12: Es ist eine Zeit der Freude.
Apg 2,1-4: Es markiert das Kommen des Heiligen Geistes.
Apg 20,16: Paulus wollte zu diesem Fest in Jerusalem sein.
1Kor 16,8: Paulus wollte zu diesem Fest in Ephesus sein.

 

(B) Andere Namen

Hag ha Shavuot: Das Fest der Wochen. Dies ist der bekannteste jüdische Name.

Hag hakatzir: Das Fest der Ernte, am Ende der Frühjahrsernte gefeiert.

Yom ha bikkurim: Der Tag der Erstlingsfrüchte, gefeiert am Beginn der Weizenernte.

Hag atzeret: Das Abschlussfest, gefeiert am Ende des ersten Festzyklus.

Atzeret shel Pesach: Der Abschluss des Passah, weil der erste Zyklus mit Passah begann.

Zman matan Torah: Die Zeit der Gesetzgebung. Mose soll an diesem Tag das Gesetz auf dem Sinai erhalten haben. 2Mo 19,3 und 20 sagen, dass er am ersten Tag und am dritten Tag des dritten Monats auf den Berg aufstieg.

Pentecost oder Pfingsten: Dies bedeutet 50, denn es kommt genau 50 Tage nach dem Fest der Erstlingsfrüchte der Gerstenernte. Es ist der bekannteste Name in der Christenheit.

 

(C) Biblische Praxis

Es war eines der drei Pilgerfeste (ungesäuerte Brote, Wochen, Laubhütten). Jeder sollte nach Jerusalem kommen. Deshalb lesen wir auch in Apg 2, dass viele Juden von überall her in Jerusalem zusammengekommen waren, als der Heilige Geist kam. Da es 50 Tage nach dem Fest der Erstlingsfrüchte kam, wurde in der einen Tradition ab dem 16. Nisan der Omer gezählt. In der anderen Tradition gibt es kein festes Kalenderdatum, die Einzelheiten hierzu wurden bereits unter dem vorherigen Fest erläutert.

Die Erstlinge der Weizenernte wurden geerntet, in den Tempel gebracht, gemahlen und zu zwei Laiben von gesäuertem Brot gebacken. Da man nach 3Mo 2,11 kein Gesäuertes auf dem Altar opfern durfte, wurden die beiden Laibe auf einem leinenen Tuch vor dem Herrn geschwungen und dann beiseite gesetzt, um später von den Priestern gegessen zu werden. Alle anderen Speisopfer mussten ungesäuert sein, nur dieses eine musste gesäuert sein. Wie wir später sehen werden, repräsentierte es Sünder.

 

(D) Jüdische Praxis

Nach der zweimaligen Zerstörung zuerst des Tempels im Jahr 70 n.Chr. und dann nochmals der Stadt im Jahr 136 n.Chr. mit insgesamt ungefähr 1.680.000 getöteten Juden bauten die Römer die Stadt unter dem Namen Aelia Capitolina wieder auf, um ihre Götter des Capitols in Rom (Jupiter, Minerva und Juno) zu verehren. Deshalb traf sich der Sanhedrin im Jahr 140 in Haifa und fasste den Beschluss, das Wochenfest nicht mehr an die Erntezeiten des Landes Israel, sondern an seine Geschichte zu verknüpfen. Sie wählten hierzu die Zeit der Gesetzgebung am Sinai wie bereits zuvor erwähnt.

In der Synagoge wird das Buch Ruth gelesen. Der erste Grund ist die Erwähnung des Beginns der Weizenernte in Ru 2,23. Zweitens war Ruth eine Moabitin, also eine Frau aus den Nationen, die später nach der Hochzeit mit Boas konvertierte und das mosaische Gesetz akzeptierte. Drittens soll König David nach jüdischer Legende an Pfingsten geboren sein, und David war ein Nachkomme von Ruth (Ru 4,22).

Die Juden brechen Baumzweige ab, schneiden Gras und breiten diese Dinge über den Synagogenboden aus, um sich gegenseitig an das Gebet für eine gute Ernte zu erinnern. Sie studieren das Gesetz die ganze Nacht hindurch. Die Tradition sagt, dass bei der Gesetzgebung am Sinai großer Donner, Blitze und ein gewaltiger Posaunenschall vom Berg Sinai kam, sodass das Volk die ganze Nacht hindurch wach gehalten wurde.

Hinsichtlich des Essens gibt es eine starke Betonung von Milchprodukten an diesem Fest, denn Gott gab dem Volk das Land, in dem Milch und Honig fließen. Spezialitäten sind die beiden rechteckigen Cheese-Blintz, die die beiden rechteckigen Gesetzestafeln repräsentieren sollen. Außerdem gibt es Kreplach, eine dreieckige jüdische Käseravioli. Sie soll die Patriarchen Abraham, Isaak und Jakob repräsentieren sowie die drei Teile der hebräischen Bibel: Das Gesetz, die Propheten und die Schriften. Außerdem war Mose das dritte Kind nach Aaron und Miriam in seiner Familie, und die Juden hatten sich vor dem Erhalt des Gesetzes am Sinai für drei Tage zu heiligen.

 

(E) Messianische Bedeutung

Die Erfüllung dieses Festes ist das Kommen des Heiligen Geistes auf die Apostel und die Gläubigen in Jerusalem und später auf die weiteren Gläubigen, in welchen der Geist von da an auf ewig Wohnung nahm. Es ist also die Geburtsstunde der geistgetauften Gemeinde des neuen und ewigen Bundes. An einem einzigen Tag kamen etwa 3000 Juden aus vielen Ländern zum Glauben und wurden zuerst mit dem Heiligen Geist in die Gemeinde hineingetauft, danach mit Wasser getauft. Auch während des Alten Testamentes war der Heilige Geist schon sehr aktiv gewesen. Er hatte zeitweise in Menschen gewohnt, war auf Menschen gekommen, hatte sie erfüllt und andere Dinge getan. Auch diese Menschen gehörten nach Gottes Gedanken bereits der großen Gemeinde seiner Erlösten an, wie wir in Hebr 12,22ff. klar sehen können. Sie werden dort die Geister der vollendeten Gerechten genannt, welche mit den Gläubigen der neuen Heilszeit nach dem Kommen des Messias auf dem himmlischen Berg Zion vereinigt sind. Sie sollten jedoch nach Hebr 11,39-40 nicht ohne die Gläubigen des Neuen Testamentes verherrlicht werden. Deshalb wartete Gott bis Pfingsten, um alle Gläubigen aller Zeiten in einen Leib hinein zu taufen.  An Pfingsten in Apg 2 kam der Heilige Geist zur Erde, um den Dienst der Geistestaufe zu tun und von da an in jedem Gläubigen und in der Gemeinde der Erlösten als Gesamtheit auf ewig zu wohnen.

In Apg 1,5 sagt der Herr: “…und Ihr werdet mit dem Heiligen Geist getauft werden nach nunmehr nicht vielen Tagen.“ Auch hier war Pfingsten noch zukünftig, aber es sollte 10 Tage später am Wochenfest in Jerusalem gefeiert werden. Wir wollen jetzt den biblischen Beweis für die Untrennbarkeit von Geistestaufe und Entstehung der Gemeinde aller Erlösten aus allen Zeiten sehen. Kol 1,18 stellt fest, dass die Gemeinde der Leib Christi ist. 1Kor 12,13 erklärt, wie man in diesen Leib Christi hineingelangt: es ist mittels der Taufe mit dem Heiligen Geist. Somit besteht eine untrennbare Verbindung zwischen der Geistestaufe und der Gemeinde aller Erlösten aller Zeiten. Die Geistestaufe verbindet sie alle miteinander. Apg 1,5 erzählt uns, dass die Taufe mit dem Heiligen Geist innerhalb weniger Tage geschehen sollte. Aber wann sollte das sein? In Apg 2,4 lesen wir, dass der Heilige Geist vom Himmel auf die Apostel hernieder kam und Wohnung in ihnen nahm. Aber wie können wir biblisch beweisen, dass das tatsächlich die Taufe mit dem Heiligen Geist war? Die Stelle sagt an sich überhaupt nichts über Geistestaufe!

In Apg 10 hat Petrus seine berühmte Vision und geht zu den Heiden. An diesem Tag werden die ersten Heiden in den Leib Christi hineingetauft. Als Petrus in Apg 11,1-3 nach Jerusalem zurückkehrt, wird er von den Juden angeklagt, mit unbeschnittenen Heiden gegessen zu haben. In den Versen 4-14 gibt er daraufhin den Bericht von seiner Vision und von der Bekehrung des Kornelius. Und dann heißt es in Apg 11,15, dass der Geist auf die Heiden fiel „…ebenso wie auf uns am Anfang.“ Wer ist „uns“? Es sind die Apostel und die ersten gläubigen Juden. Wann war „der Anfang“? Es war Pfingsten in Apg 2,1-4.  In Vers 16 zitiert Petrus sogar Apg 1,5, um eindeutig klarzustellen, dass dieser Vers an Pfingsten erfüllt wurde. Somit ist klar, dass die Taufe der Gläubigen mit dem Heiligen Geist an Pfingsten in Apg 2,1-4 stattfand. Pfingsten ist die Erfüllung des Wochenfestes.

Pfingsten ist auch das Fest der Erstlinge der Weizenernte. In Joh 12,24 nennt der Herr sich selbst „das Weizenkorn“. Das Korn fiel in die Erde und starb. Danach brachte es viel Frucht. Der Herr starb und wurde begraben, aber nach seiner Auferstehung ging er in den Himmel und sandte am Pfingsttag den Heiligen Geist zur Erde. An diesem Tag kamen nach der Predigt des Petrus etwa 3000 Juden zum Glauben. Diese waren die Erstlingsfrucht der Weizenernte Gottes. Auch Heb 12,23 spricht über die Gemeinde der Erstgeborenen, ebenso wie Jak 1,18 die Erstlinge der neuen Schöpfung erwähnt. Dies gilt zwar auch für uns, war aber damals besonders an die gläubigen Juden der ersten Gemeindezeit gerichtet. Sie waren die buchstäblichen Erstlinge der Weizenernte.

Es bleibt zuletzt noch die Frage, warum im Tempel zwei gesäuerte Weizenbrote geopfert wurden. Es waren zwei Laibe, weil die Gemeinde aus jüdischen und nichtjüdischen Gläubigen zusammengesetzt ist. Sie waren gesäuert, weil alle Gemeindeglieder von sich aus Sünder sind, die aus Gnade mittels des Glaubens gerettet sind (Eph 2,8-10 und Eph 3,4-6).

 

Verbindung zwischen Israel und  der Gemeinde

Was sagt nun die Bibel über die Verbindung zwischen Israel und der Gemeinde? Viele gelehrte Kommentatoren der Bibel haben darüber geschrieben. Wir möchten die Aussagen eines Kommentators hier stellvertretend anführen, nämlich den Kommentar von Dr. Martyn Lloyd-Jones in seinem Werk: Gott und seine Gemeinde.

Zitat (in sinngemäßer Wiedergabe unter Einfügung eigener Formulierungen): Es muss festgehalten werden, dass Gott bereits Abraham geistliche Nachkommen aus allen Völkern verheißen hat, und dass diese Verheißung im Neuen Testament sowohl vom Herrn selbst als auch von den Aposteln ausführlich aufgegriffen wird. Abraham selbst war nicht nur der Vater Israels, sondern auch der Vater vieler anderer Völker. Hier sieht man bereits angedeutet das Heil für die Nationen, über Israel hinaus. Abraham war ein Götzendiener, und er wurde aus reiner Gnade von Gott selbst aus der heidnischen Götzenwelt nach der Flut auserwählt, um einen Neuanfang zu machen, nachdem der Götzendienst wieder überall um sich gegriffen hatte. Das Volk Israel wurde von Gott als das Volk auserwählt, welchem er im Alten Testament seine Ratschlüsse und Aussprüche mitteilen würde. Siehe Rö 3,2 und Am 3,2.

Abraham erhielt zudem auch das Zeichen der Beschneidung im Fleisch für die Juden am achten Tag des Lebens in 1Mo 17,12. Jeder Jude, der sich nicht beschneiden lassen wollte oder seine Söhne nicht beschneiden ließ, sollte aus dem Volk ausgerottet werden, weil er den Bund gebrochen hatte: 1Mo 17,14. Dies alles hat seine geistliche Bedeutung. Der achte Tag als der Tag der Beschneidung deutet bereits seit Abraham auf den Neuen Bund hin, denn er ist der erste Tag der neuen Woche, der Auferstehungstag des Herrn Jesus Christus. Nach Kol 2,11 ist die Gemeinde des neuen Bundes mit Christus in seinem Tod geistlich beschnitten mit seiner Beschneidung. So wie das leibliche Zeichen des alten Bundes die Beschneidung des Fleisches für das Bundesvolk Israel war, so ist das geistliche Zeichen des Neuen Bundes die geistliche Beschneidung des Herzens der Gläubigen im heutigen neuen und ewigen Bundesvolk, der Gemeinde Jesu Christi. Sie geschieht nicht am Fleisch mit der Hand, sondern am Geist bei der Wiedergeburt aus Glauben: Joh 1,11-12; Rö 8,9; Kol 2,11; Phil 3,3. Das materielle äußere Zeichen des Neuen Bundes ist das Mahl des Herrn.

Der Herr bezeichnete Israel im Alten Testament als seinen Weinstock, z.B. Psalm 80,8; Jes 5 oder Jer 2,21. Außerdem erhielt Israel am Berg Sinai bei der Gesetzgebung einen gewaltigen Auftrag: „Und nun, wenn Ihr fleißig auf meine Stimme hören und meinen Bund halten werdet, so sollt Ihr mein Eigentum sein aus allen Völkern; denn die ganze Erde ist mein; Ihr sollt mir ein Königreich von Priestern und eine heilige Nation sein“ (2Mo 19,5-6). Das Volk Israel versagte jedoch gänzlich darin, den Auftrag Gottes gerecht zu werden. Dann kam der Herr auf diese Erde, und er sagte entscheidende Dinge: In Joh 15,1 heißt es aus dem Mund des Herrn: „Ich bin der wahre Weinstock…“. Das Identitätszentrum der Gläubigen des neuen Bundes würde also nicht weiter das irdische Volk Israel und die Zugehörigkeit des einzelnen Gläubigen zu diesem Volk sein (Jes 5), sondern die Person des Herrn selbst. Warum das? Der Herr erklärt es in Mt 21 im Gleichnis von den bösen Weingärtnern, welches er direkt auf die ungläubigen Juden und auf die Pharisäer anwendet. Vers 43: „Darum sage ich euch (den ungläubigen Juden und den Pharisäern): Das Reich Gottes wird von euch genommen und einem Volk gegeben werden, das dessen Früchte bringt.“ Das geschah so.

Dieses neue andere Volk, also das Volk Gottes im neuen und ewigen Bund, ist nicht mehr die irdische Nation Israel, sondern die Gemeinde Jesu Christi und somit das Israel Gottes nach dem Geist. Dies gilt für ewig, denn  in Mt 21,18-22 verflucht der Herr den Feigenbaum, der in dieser Situation ein klares Bild für das Volk Israel nach dem Fleisch ist und sagt: „…Nun soll von Dir keine Frucht mehr kommen in Ewigkeit.“ Israel als Volk nach dem Fleisch wurde 40 Jahre nach dem Tod und der Auferstehung des Herrn von den Römern für lange Zeit aus dem Land vertrieben. Es wurde dann zwar im Jahr 1948 nach der großen Diaspora wieder in das alte Land der Väter eingesetzt und es wird noch politische und militärische Siege erringen. Es wird aber als ungläubiges Volk in Ewigkeit keine Frucht mehr für Gott bringen, denn es wird in der Zukunft dem Feind nachlaufen. Frucht für Gott wird nur noch der gläubige Überrest der irdischen Nation Israel bringen. Der Feigenbaum trägt keine Oliven (Jak 3,12).

Über die Gemeinde sagt das Neue Testament einige bemerkenswerte Dinge. Off 1,6: „…und uns zu Königen und Priestern gemacht hat für seinen Gott und Vater…“. 1Pe 2,9: „Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, ein königliches Priestertum, ein heiliges Volk, ein Volk des Eigentums…“. Tit 2,14: „…um uns von aller Gesetzlosigkeit zu erlösen und für sich selbst ein Volk zum besonderen Eigentum zu reinigen, das eifrig ist, gute Werke zu tun.“ Hier finden sich alle Elemente aus 2Mo 19,5-6 wieder. Was Israel im Fleisch nicht erfüllen konnte, das wurde durch den Herrn selbst erfüllt, und es wird aus Gnade Gottes mittels des Glaubens den Gliedern der Gemeinde im neuen Bund zugerechnet als Gerechtigkeit. In Christus und im Heiligen Geist ist die weltweite Gemeinde als ganzes Volk des neuen Bundes zu dem Volk des Segens geworden, welches Israel als ganzes Volk nach dem Fleisch nicht mehr sein konnte. Und hier beginnen nun die Schwierigkeiten der Auslegung.

Einige sagen, dass die Gemeinde Christi Israel in den Segenswegen Gottes vollständig ersetzt habe, und dass Israel gar keinen Segen mehr im Neuen Bund zu erwarten habe. Sie erkennen nicht, dass die Gemeinde sich zusammensetzt aus Gläubigen aus den Nationen und aus dem irdischen Volk Israel. Nicht nur Menschen aus den Nationen werden Kinder Gottes, sondern auch sehr viele Menschen aus Israel werden es. Andere wiederum sagen, dass Israel jetzt beiseite gesetzt ist, und dass es erst in der fernen Zukunft wieder einen gewaltigen Segen zu erwarten habe, der jetzt noch nicht sichtbar sei. Sie erkennen nicht, dass der Segen Gottes in genauso gewaltiger Art und Weise bereits hier und heute auf die Juden übergeht, die den Messias Jesu Christus aufnehmen, genau wie auf die Nationen. Die Gemeinde Jesu Christi wird am Ende dieser Zeit nicht nur ihre Vollzahl aus den Nationen beinhalten, sondern auch ihre Vollzahl aus dem irdischen Volk Israel. Ein Zweites ist, dass  die irdische Nation Israel, und zwar die messianischen Juden und die ungläubigen Juden, heute wieder unter der Hand Gottes eine äußere Wiederherstellung als Nation im Land der Väter erlebt. Sie werden nach den Aussagen der Propheten noch irdische Siege als Nation erringen. Aber das hat nichts zu tun mit der Existenz des Israels Gottes nach dem Geist, welches ewig ist und nach der Wiederkunft des Herrn Jesus Christus am Ende dieser Zeit für ewig weiterbestehen wird.

Der Schlüssel zum richtigen Verständnis liegt nach meiner bescheidenen Ansicht einerseits in Passagen des Galaterbriefes, welcher die geistliche Abstammung aller Gläubigen aus Israel und aus den Nationen von Abraham klar darlegt. Die wichtigsten Passagen sind hierbei Gal 3 und 4, sowie Gal 6,16. Andererseits ist für dieses Thema natürlich auch Rö 9-11 von überragender Bedeutung: Hier antwortet Paulus gewissermaßen auf einen möglichen Einwand, welcher sich aus Rö 1-8 ergibt. Dort wurde das Evangelium ausführlich beschrieben, und es wurde genau erklärt. Am Ende von Kapitel 8 ist alles wunderbar geordnet, es endet mit einer herrlichen geistlichen Gewissheit. Alles ist gut!

Dann kommt aber der Einwand: „Moment mal, Paulus: Sieh Dir die Verheißungen an, die den Juden gegeben wurden. Es scheint gar nicht so, als würden sie sich erfüllen. Wie viele Juden sind in der Gemeinde? Sie scheint hauptsächlich aus Nichtjuden zu bestehen, und die Juden verfolgen die Gemeinde an allen Orten genauso hart wie die Römer, ja sie arbeiten sogar mit den Römern zusammen. Wenn das was du in Kapitel 1-8 deines Briefes gesagt hast richtig ist, und wenn Gottes Verheißungen absolut gewiss sind, was sagst du uns denn dann über die Stellung der Juden?“ Um diese Frage zu klären, verwendet Paulus nicht nur einige wenige Verse, sondern er schreibt eine ausführliche Erörterung in drei vollständigen Kapiteln, bevor er sich dem nächsten Thema seines Briefes zuwendet. Diese gesamte Erörterung muss in ihrem Kontext betrachtet werden, und zwar auch im Zusammenhang mit anderen Stellen des neuen Testamentes (von welchen wir ja schon einige genannt haben).

Paulus eröffnet seine Argumentation in Rö 9,6: „…denn nicht alle, die von Israel abstammen, sind Israel.“ Vers 8: „…sondern die Kinder der Verheißung werden als Same gerechnet.“ In Gal 6,16 spricht der Apostel zu allen Gläubigen in Galatien, und er unterscheidet dabei die Gläubigen aus den Nationen vom Israel Gottes. Es sind dort zwei Gruppen. Was bedeutet das? Sowohl im Alten als auch im Neuen Testament gab es unter dem gesamten Volk Israel zwei Gruppen: Das ungläubige irdische Israel und das gläubige irdische Israel. Die erste Gruppe war zwar am Fleisch beschnitten, jedoch nicht am Herzen. Die zweite Gruppe war am Fleisch und am Herzen beschnitten. Sie war das eigentliche Israel nach den Gedanken Gottes innerhalb des gesamten Volkes Israel nach dem Fleisch. Sie wird auch als der Überrest nach Wahl der Gnade bezeichnet, und zwar während des Alten und des Neuen Testamentes (11,5).

Hier findet sich die Gleichsetzung mit dem gläubigen Überrest zur Zeit Elias. Auch Jakobus weist in seinem Brief darauf hin. Im alten Bund erwartete das gläubige Israel die Ankunft des Messias nach dem Wort der Propheten. Wir sehen das sehr deutlich im Dienst des Johannes in den Evangelien und in den ersten Kapiteln des Lukasevangeliums. Der treue Überrest Israels erwartete den Messias. Diese Leute waren die gläubigen Israeliten des Alten Testamentes. Das Israel nach dem Fleisch kooperierte im Alten Testament mit den Feinden des Volkes, beim Kommen des Messias mit den Römern. Daneben gab es immer auch eine geringe Zahl von Gläubigen aus den Nationen (siehe zum Beispiel Hiob). Sie alle waren aus Gottes Sicht gerechtfertigt aufgrund ihrer gläubigen und ausharrenden Erwartung des Erlösers.

Dann kam der Messias, der Herr Jesus Christus. Er vollbrachte das Werk der Erlösung, und zwar für Israel und für die Nationen. Auch das sagten die alten Schriften sehr klar voraus (z.B. 1Mo 12,3; Ps 2; Jes 9; Jes 49). In Apg 2 erklärte Petrus vor dem gesamten Volk Israel klar und deutlich, dass nur dieser Jesus, den man gekreuzigt hatte, der Retter sei. Von diesem Tag an konnte kein Israelit mehr gerechtfertigt werden durch die Darbringung der Opfer unter dem Gesetz aus dem alten Bund in Verbindung mit der hoffnungsvollen Erwartung des kommenden Messias. So war es mit dem Überrest des Alten Testamentes gewesen. Jeder Jude konnte nur noch dadurch errettet werden, dass er persönlich an das blutige Opfer des Lammes Gottes auf Golgatha glaubte, seine Sünden bekannte und an den Herrn Jesus Christus glaubte. Durch diesen Glaubensakt ging der betreffende Jude über vom Israel nach dem Fleische zum Israel Gottes, also zum gläubigen Überrest Israels des Neuen Testamentes.

Von diesem Angebot Gottes, das allen Juden an allen Orten gemacht wurde, machten nur relativ wenige Juden Gebrauch, sieht man einmal von den ersten Jahren in Jerusalem ab. Der Überrest nach Wahl der Gnade, also das Israel Gottes innerhalb des gesamten Volkes Israel, war immer relativ klein, bisweilen sogar sehr klein gegenüber der ungläubigen Mehrheit des Israels nach dem Fleische. Heute ist es noch immer so: viel Israel nach dem Fleisch, wenig Israel Gottes (heutzutage auch gerne bezeichnet als die messianischen Juden). Noch immer verfolgt das Israel nach dem Fleisch den gläubigen Überrest. In der Zukunft, kurz vor den zweiten Kommen des Herrn, wird es möglicherweise nach Sacharja 13,8-9 (nur eine von mehreren möglichen Deutungen) im ganzen Land Israel einen gläubigen Überrest von einem Drittel des Volkes geben. Das Israel Gottes – nach dieser Auslegung also ein Drittel des Volkes Israel – wird dann vielleicht zwei Dritteln des Volkes Israel, also dem Israel nach dem Fleisch, gegenüberstehen.

Für die Nationen war es so, dass das Evangelium zu ihnen kam, und dass sich mit der Zeit eine viel größere Anzahl von ihnen zu Christus bekehrte, als es unter den Juden der Fall war. Das ist bis heute noch immer so. In der Gemeinde des Herrn Jesus Christus, also in dem Volk, das geistlich beschnitten ist mit der Beschneidung des Christus (Kol 2,11) und somit das Israel nach dem Geist darstellt (das ist das Volk des Segens im neuen Bund, die geistliche Beschneidung nach Phil 3,3) gibt es noch immer viel mehr Gläubige aus den Nationen als aus Israel.

Diese Dinge erklärt der Apostel im Gleichnis vom Ölbaum in Rö 11,17-24. Abraham ist die Wurzel, denn ihm wurde durch seinen Nachkommen, den Messias, der Segen für Israel und alle Nationen verheißen. Der Ölbaum selbst ist der Ort des geistlichen Segens für alle Gläubigen aus Israel und aus den Nationen, aus dem das Öl (ein Bild des Segens durch den Heiligen Geist) herausfließt. Das Volk Israel nach dem Fleisch wurde als Ganzes zunächst ausgebrochen, aber jeder Israelit, der gläubig den Messias annimmt, wird wieder eingepfropft. Die Gläubigen aus den Nationen sind neu eingepfropft, denn sie gehörten im alten Bund gar nicht zum Baum. Auch sie werden nun von der Wurzel Abraham (Segen für alle Nationen) getragen. Die Gesamtheit der Zweige des  Baumes besteht also zum einen aus den Gläubigen aus den Nationen, zum anderen aus dem gläubig gewordenen Überrest aus Israel, also dem Israel Gottes. Diese zusammen bilden das geistliche Israel, das Volk mit der Beschneidung nach dem Geist (Mt 21,43; Phil 3,3; Kol 2,11), das ist die Gemeinde des neuen Bundes. Draußen sind die Ungläubigen aus Israel, also das Israel nach dem Fleisch, sowie die Ungläubigen aus den Nationen.

Am Ende all seiner Erklärungen gibt Paulus dann noch einmal eine Zusammenfassung in 11,26-27. Es heißt dort: „…und so (nicht: „nach diesem, danach“, sondern: „so, auf diese Art und Weise“) wird ganz Israel gerettet werden wie geschrieben steht: Aus Zion wird der Erlöser kommen und die Gottlosigkeiten von Israel abwenden, und das ist mein Bund mit ihnen, wenn ich ihre Sünden wegnehmen werde.“ Dieser Vers sagt nichts über eine zeitliche Abfolge von Ereignissen aus, sondern er redet über die Art und Weise, auf welche Israel gerettet werden wird: Nämlich „so“, das ist schlicht und einfach, indem sie an den Messias glauben, genau wie die Nationen! Vers 27 weist deutlich auf den Wortlaut des Textes des neuen Bundes in Jer 31,31-34 hin, dessen Erfüllung für die neutestamentliche Gemeinde wir in Hebr 8,8-13 wörtlich finden. Die Anwendung dieser Heilstatsachen des neuen Bundes für die Gemeinde geht im Hebräerbrief ganz eindeutig nicht auf die Zukunft, sondern auf die Gegenwart des Gemeindezeitalters.

Was ist nun unter „ganz Israel“ im Zusammenhang von Rö 11,26 zu verstehen? Es wurde bereits ausführlich erklärt, dass Gott zu allen Zeiten seinen gläubigen Überrest in Israel hatte, und zwar im alten wie im neuen Bund. In der Zeit der Patriarchen bestand der Überrest aus Abraham und seinen direkten Nachkommen, welche ohne Gesetz mit Gott wandelten, ihm glaubten und gehorchten und von ihm gesegnet und errettet wurden. Unter dem Bund vom Sinai war der Überrest dadurch gekennzeichnet, dass er seine Sünden gläubig bekannte und den Opferdienst des Heiligtums im persönlichen Vertrauen auf die Gnade des Bundesgottes Israels und in der hoffnungsvollen Erwartung des kommenden Messias versah.

Im neuen und ewigen Bund ist der Überrest des irdischen Israels dadurch gekennzeichnet, dass er an den Messias Jesus Christus und an sein endgültiges Opfer von Golgatha glaubt. Ebenso wie es beim Kommen des Herrn Jesus am letzten Tag eine Vollzahl der Nationen in der Gemeinde geben wird, so wird es an diesem Tag auch eine Vollzahl aus dem irdischen Volk Israel in der Gemeinde geben, nämlich die Summe aller gläubigen Israeliten seit Bestehen des irdischen Volkes. Die Gesamtheit aller „Überrestisraeliten“ der alten und der neuen Heilszeit ist schließlich „ganz Israel“ in Rö 11,26. Es ist die endgültige Summe aller Israeliten, welche zu allen Zeiten seit Bestehen des Volkes Israel das gläubige Israel dargestellt haben. Der gläubige Überrest der alten Heilszeit wurde deswegen errettet, weil er vorausschauend auf das Kommen und das Werk des Erlösers gewartet hatte. Der gläubige Überrest der neuen Heilszeit wird genau wie die Nationen durch den Glauben an das nunmehr in der Vergangenheit liegende und vollbrachte Werk des Erlösers gerettet. Bis hierhin die Erläuterungen von Dr. Martyn Lloyd Jones in teils leicht abgewandelter Form.

 

Die viermonatige Zwischenzeit zwischen den beiden Festzyklen (3Mo 23,22)

Dies war in Israel eine Zeit alltäglicher Arbeit, das Leben verlief in seinen normalen Bahnen. Das Volk bereitete die Felder für die letzte Ernte vor. Wenn diese kam, sollte ein Teil für die Armen und für die Fremdlinge zurückgelassen werden. Der Herr selbst stellt in Joh 4,35 einen klaren Bezug zu dieser Zeit her. Auf der sichtbaren Ebene gab es noch vier Monate Zeit, bis die Ernte kommen sollte. Aber auf der geistlichen Ebene war es nicht notwendig, so lange zu warten. Die geistlichen Felder waren bereits weiß zur sofortigen Ernte. Der Herr bewies das, indem er die Frau am Jakobsbrunnen und einige ihrer Verwandten an diesem Tag rettete.

Die Bedeutung für uns ist folgende: Die vier Monate repräsentieren das Gemeindezeitalter, in dem wir dazu bestimmt sind, das Evangelium dem Armen und dem Fremdling zu predigen,  was im Bild durch den zurückgelassenen Rest der Ernte abgebildet wird. Wir sollen eine geistliche Ernte für den Herrn einfahren, denn die Felder sind schon weiß. „Handelt bis ich komme!“ Dieser Dienst der Gemeinde wird auch an anderen Schriftstellen, vor allem im Buch der Offenbarung abgebildet. Die Offenbarung ist in der Bibel das große Buch für den täglichen Dienst des Christen in der Nachfolge des Herrn und im Aufblick zu ihm in der Verfolgung. Dazu nun noch einige Erläuterungen.

Die Kapitel 10 und 11 der Offenbarung bringen uns den Bericht über das Buch und die beiden Zeugen. Das Buch ist das Zeugnis des Wortes Gottes. Die Wurzel findet sich bei Hesekiel im Alten Testament, der auch ein Buch essen musste (Hes 3,1). Das Evangelium ist eine süße Botschaft,  das Wort der ewigen Errettung. Wenn es gegessen wird, dann führt es aber für die Gläubigen oftmals zu bitteren Verfolgungen und zu bitteren Zurückweisungen von der Hand derer, die es ablehnen. Inmitten der Siegel – also inmitten der Verfolgungen, zugleich aber auch inmitten der Posaunengerichte über die nicht umkehrenden Verfolger, welche in Kapiteln 8 und 9 der Offenbarung beschrieben werden – gibt die Gemeinde ihr Zeugnis.

Johannes muss mit einer Rute den Tempel Gottes messen. Den Vorhof soll er nicht messen, denn er wird von den Heiden zertreten werden für 42 Monate. Was bedeutet dieses Bild? Der Tempel Gottes in der Gemeindezeit ist die Gemeinde selbst (1Kor 3,16; 2Kor 6,16). In der Offenbarung bezeichnet das griechische Wort naos ausnahmslos entweder den jetzigen himmlischen Tempel oder den ewigen Tempel der Zukunft. So also auch in Off 11,2. Die Gemeinde  wird  hier gemessen, so wie sie in Kapitel 7 gezählt wurde. Die echten Gläubigen sind von Gott bereits seit der Ewigkeit im Voraus gekannt, gemessen und gezählt, sie stehen unter Gottes ewigem geistlichen Schutz. Das Vermessen stellt in geistlicher Hinsicht dar, dass eine von Gott seit der Ewigkeit im Voraus geplante Sache zur Ausführung kommt, nämlich der Aufbau seiner Gemeinde. Das Bild des Tempels deutet hier die geistliche Einheit der Gemeinde als Ganzheit an. In der Gemeinde, also in seinem neuen Tempel, wohnt Gott in Ewigkeit im Innersten der Herzen. Der Bau dieses Tempels begann an Pfingsten und wird fortdauern bis zur Wiederkunft des Herrn zum Gericht am Jüngsten Tag. Der Satan und die Welt werden diesen Tempel niemals zerstören können.

Das äußerliche Leben in der Welt und die leibliche Existenz der Gläubigen, repräsentiert durch den Vorhof, stehen jedoch nicht unter dem absoluten Schutz Gottes. So wie Christus in der Welt gelitten hat, so werden auch die Christen leiden für eine Zeit, und viele werden auch für den Namen des Herrn sterben. Der Vorhof der Gemeinde, die leiblich sichtbare Gemeinschaft der Gläubigen, wird von der Welt zertreten, sie ist äußerlich verwundbar, ohne jedoch jemals ganz unterzugehen (Joh 16,33; Joh 17,15). Der Altar (11,1: „thysiasterion“) ist der Ort des Opfers und des Leidens der Gemeinde, der himmlischen Gemeinschaft Gottes, in dieser Welt. Dies dauert an für symbolisch 42 Monate (dreieinhalb Jahre), also während des gesamten Gemeindezeitalters. Die Gemeinde wird in ihrem gesamten Dienst bis zum Ende ebenso zu leiden haben wie der Herr. Der Dienst des Herrn Jesus dauerte nämlich dreieinhalb wirkliche Jahre, und während dieser Zeit wurde der Herr unentwegt verfolgt, bis er schließlich zur Kreuzigung überliefert wurde. Dies alles geschah nach dem ewigen Plan Gottes, den der Herr willig ausführte. Die Kreuzigung war nicht ein „Plan B“ Gottes, nachdem die Juden den Herrn abgelehnt hatten. Dieser Gedanke ist völlig unbiblisch, denn er beraubt Gott sowohl seiner Allwissenheit als auch seiner Wahrhaftigkeit und seiner Allmacht. Der Herr kam in die Welt mit der erklärten Absicht, zu sterben (Mt 20,28; Mk 10,45). So ist auch die große Stadt in diesem Bild in der Offenbarung eine Darstellung der ganzen ungläubigen Welt, die die Gemeinde verfolgt. In 11,8 kommt es klar und deutlich zum Ausdruck: Es ist die große Stadt (das ist: die ganze Welt), die im geistlichen Sinn Sodom und Ägypten heißt (wieder die Bosheit der Welt), wo auch unser Herr gekreuzigt worden ist.

Dann kommen die zwei Zeugen, und auch sie dienen für 1260 Tage, das sind wiederum die 42 Monate und somit ein Bild für das gesamte Evangeliumszeitalter. Wer sind sie? Im Alten Testament sehen wir sie vorgeschattet in Mose und Elia, aber genauso auch in Josua und Serubbabel, sowie in Elia und Elisa. Elia tat den Dienst des Gesetzes, Elisa den Dienst der Gnade. Die Erfüllung des Bildes kam in Johannes dem Täufer und dem Herrn Jesus selbst: Johannes mit dem Dienst der Buße unter dem Gesetz, der Herr selbst mit dem Dienst der Gnade und Wahrheit. Der Herr sagte selbst: „Wenn ihr es glauben wollt: Elia ist schon gekommen“ (Mat 11,14). Er sprach von Johannes, dem Täufer.

So hat auch die ganze Bibel zwei Zeugen, nämlich das Alte und das Neue Testament. Sowohl im Alten als auch im Neuen Testament kommen entscheidende Stellen vor, an denen über zwei Zeugen geredet wird: 5Mo 17,6; 5Mo 19,15; Mt 18,16; 2Kor 13,1. Sehr auffällig ist, dass es genau 2 Stellen im AT und 2 Stellen im NT sind. Das Zeugenprinzip hat also sehr stark mit der Zahl zwei zu tun, und es ist untrennbar mit dem Evangelium verknüpft, denn auch der Herr sendete seine Jünger immer wieder zu zweit aus (Lk 10,1-2), um das Evangelium zu verkünden.

Wenn wir in Sach 4 die zwei Ölbäume (die zwei Söhne des Öls, also die Zeugen des Heiligen Geistes) sehen, dann sind sie dort untrennbar mit sieben Lampen verbunden. Auch dieses Bild weist klar auf die Verkündigung des Evangeliums im neuen Bund hin. Im direkten Kontext von Sach 4 weisen die beiden Söhne des Öls natürlich auf Josua den Priester und Serubbabel den Fürsten oder König hin, welche das Volk Gottes führten und den Tempelbau leiteten. Jedoch ist bereits Sach 6,12-13 eine klare Prophetie auf den Herrn Jesus selbst, welcher König und Priester in einer Person sein wird. Der wahre und endgültige Tempel Gottes wird nach Sach 4,6-7 auch nicht durch Macht und Kraft gebaut werden, sondern durch den Geist Gottes. Der Schlussstein ist hier wiederum ein klarer geistlicher Hinweis auf den Stein aus Dan 2, sowie auf den Grundstein und den Eckstein der Gemeinde, in beiden Fällen der Herrn Jesus selbst. Josua und Serubbabel bauten trotz Widerstand den Tempel, und genauso tut es auch die Gemeinde. In Off 2 und 3 sehen wir sieben Leuchter als Bilder der sieben Gemeinden Kleinasiens. Die Gemeinden selbst sind die äußere Darstellung des Evangeliums in der Welt, sie werden gesehen. Ihr geistliches Licht kann aber nur leuchten, wenn sie das Öl der beiden Ölbäume, also das Öl des Zeugnisses Gottes durch den Heiligen Geist, besitzen.

In der Gesamtschau aller dieser Dinge ist es somit klar, dass die zwei Zeugen in Off 11 ein  Bild für das Zeugnis des Evangeliums in der Welt sind, gegeben durch die Gemeinde, und zwar während des gesamten Evangeliumszeitalters, symbolisch dargestellt durch die 1260 Tage oder 42 Monate, was dreieinhalb Jahren entspricht und somit die Zeit des öffentlichen Dienstes unseres Herrn Jesus Christus auf der Erde darstellt. So wie der Herr während seines gesamten Dienstes verfolgt wurde, so wird es auch der Gemeinde allezeit bis zur Wiederkunft des Herrn für symbolische dreieinhalb Jahre ergehen. Die Gemeinde ist dabei das königliche Priestertum, das wahre Israel, angedeutet in dem zweifachen Bild von Sach 4 und 6, erfüllt in dem Herrn Jesus selbst (2Mo 19,5-6; Hes 40,2; Off 1,6; 1Pe 2,9). Die alttestamentliche Wurzel der Zeit von dreieinhalb Jahren findet sich im Dienst des Elia (vgl. Jak 5,17). Auch er wurde zusammen mit dem nahezu unbekannten gläubigen Überrest in Israel unter schwierigsten Umständen für dreieinhalb Jahre verfolgt, bevor Gott direkt aus dem Himmel den Sieg gab.

Am Ende des 11. Kapitels der Offenbarung folgt dann die siebte Posaune, welche das unmittelbare Kommen des Herrn zur Rettung der bedrängten Gläubigen und zum Gericht über die unbußfertigen Verfolger bringt. Sie ist identisch mit der Posaune aus 1Thes 4 und 1Kor 15. Die Elemente stimmen exakt miteinander überein.

 

5. Das Fest des Posaunenhalls (3Mo 23,23-25)

(A) Andere Bibelstellen

4Mo 29,1-6: Die besonderen Opfer an diesem Fest.
Es 3,1-6: Wiederaufbau des Altars an diesem Tag, Blasen der Hallposaunen.
Neh 8,1-2: Das gesamte Gesetz (2Mo 20 bis 5Mo 28) wurde vor dem Volk gelesen!

 

(B) Andere Namen

Yom truah: Das Fest des Posaunenblasens.

Zicharon truah: Das Gedenken des Posaunenblasens. An einem Sabbat war keine Arbeit erlaubt, somit konnten auch die Hallposaunen nicht geblasen werden, man konnte nur daran gedenken.

Yom ha Zicharon: Der Tag des Gedenkens. Man gedenkt der Sünden des letzten Jahres und bekennt sie einander.

Yom hadin: Der Tag des Gerichts. Jeder Jude unterläuft an diesem Tag einem geistlichen Gericht Gottes, und Gott beschließt, ob der betreffende Jude weiterleben darf oder während des kommenden Jahres stirbt.

Rosh ha Shana: Der Kopf des Jahres, der Neujahrstag. Das ist heute der bekannteste jüdische Name, er markiert den Beginn des bürgerlichen Jahres in Israel. Es ist ein Neumondfest, die Nacht ist völlig dunkel. Dies symbolisiert in Verbindung mit den Posaunen eine dunkle Zeit in der zukünftigen Geschichte mit der lauten Warnung vor einem kommenden Gericht. Lies hierzu auch Am 5,18-20; Zeph 1,14-16; Jona 3,4; Jes 13,9-10; Jes 34,4+8; Apg 2,20; Off 6,12-17.

 

(C) Biblische Praxis

Das Fest fand am 1. Tischri, dem siebten Monat statt. Es war das einzige Neumondfest des ganzen Jahres, die Nacht war völlig finster. Außer dem Posaunenblasen war keine Arbeit erlaubt. Mose gab keinen Grund für das Posaunenblasen an, es sollte einfach geschehen. Den Grund dafür werden wir noch sehen.

 

(D) Jüdische Praxis

Der Selichot
Bußgebete während der Woche vor dem Fest als Vorbereitung.

 

Das Schofarblasen
Der Schofar ist eigentlich ein Widderhorn, das in Erinnerung an die Opferung Isaaks auf Moria geblasen wird. Dort diente ein Widder als Ersatz für Isaak. Früher benutzte man auch andere koschere Hörner. Verboten war lediglich das Horn eines Kalbes, und zwar wegen der Sünde Israels mit dem goldenen Kalb am Sinai.

Drei traditionelle Gründe für das Schofarblasen: Mose sagte nichts darüber, deshalb haben die Rabbiner hier sehr viele Traditionen hinzugefügt.

  • Der erste Grund: Ein Ruf zur Buße, denn das Gericht stand bevor.
  • Der zweite Grund: Eine Erinnerung Israels an seine Bundesbeziehung zu Gott. Dem Mosebund am Berg Sinai ging ein lauter Posaunenhall voran.
  • Der dritte Grund: Nach Sach 3,1 geht der Satan von Zeit zu Zeit zu Gott, um Israel seiner Sünden anzuklagen, und zwar tut er das nach jüdischer Tradition genau am Tag dieses Festes! Genau in dem Moment, wenn er seinen Mund öffnet, um seine Anklage zu beginnen, erschallen in allen Synagogen der Welt gleichzeitig die Schofarhörner. Dieser Lärm bringt Satan so durcheinander, dass er nichts mehr sagen kann! (Wenn Du das nicht glaubst, dann geh einmal an Rosh ha Shana in die Synagoge und höre es dir an! Du wirst zumindest deine eigene Verwirrung erfahren.)

Die drei Bedeutungen:

  • Die erste Bedeutung: Ein Symbol der Sammlung Israels nach Jes 27,12-13.
  • Die zweite Bedeutung: Ein Symbol der Auferstehung aus den Toten.
  • Die dritte Bedeutung: Laut rabbinischer Tradition öffnet Gott an diesem Tag im Himmel drei Bücher. Das Buch des Lebens (2Mo 32,32-33 und Ps 69,29) enthält die Namen der vollständig gerechten Juden, die ein weiteres Jahr leben werden. Das Buch der Toten enthält die Namen der völlig verderbten Juden, die im Laufe des kommenden Jahres sterben werden. Das dritte Buch ist das Buch der Unentschiedenen. Es enthält die Namen der meisten Juden, da die meisten sich natürlich irgendwo in der Mitte bewegen. Gott wird über diese Juden zehn Tage später am Yom Kippur entscheiden. Diese zehn Tage bleiben ihnen also übrig zur Umkehr.

Daher bekennen die orthodoxen Juden in dieser Zeit einander ihre Sünden, um würdig erfunden zu werden, ein weiteres Jahr vor Gott zu überleben. Sie entschuldigen sich auch bei solchen, die sie beleidigt haben. Aber nach Yom Kippur geht es dann doch wieder weiter wie zuvor.

 

Der Posaunenhall
Der komplette Posaunenhall setzt sich aus insgesamt einhundert Stößen zusammen. Die ersten neunundneunzig Stöße sind allesamt Kombinationen von drei unterschiedlichen Noten.

Die Teqiah: Ein langer milder Einzelton, ein Symbol für Freude.

Die Schwarim: Drei kurze Töne, ein Symbol für Weinen oder Klagen, Schreien.

Die Truah: Neun kurze Stakkatotöne, ein Symbol für Furcht.

Dann kommt der einhundertste Ton. Es ist die so genannte Teqiah Gedolah: Es ist die längste aller Noten, so lange der Bläser seinen Atem geben kann. Sie heißt die große Posaune oder die letzte Posaune. Es ist ein Symbol der endgültigen Erlösung, der Auferstehung und der Sammlung Israels. Paulus bezieht sich in seinen Briefen auf diese Posaune.

 

Der Taschlich
Nach Mi 7,19 gehen die Juden am Nachmittag aus und besuchen ein Seeufer, ein Flussufer oder den Strand. Sie leeren symbolisch die Sünden aus ihren Taschen aus und werfen sie in die Tiefe des Meeres.

 

Andere Bräuche
Viele Legenden ranken sich um diesen Tag. Etliche spezielle Ereignisse sollen genau an diesem Tag stattgefunden haben. Die Erschaffung des Himmels und der Erde, die Erschaffung Adams, der Fall Adams, die Geburt von Kain und Abel (beide mit einem Zwillingsgeschwister), die Ermordung Abels, die Austrocknung der Sintflut. Die Geburt und der Tod von Abraham, Isaak und Jakob. Elisa segnete die Sunamitin mit einem Kind. Die Opfer im zweiten Tempel wurden wieder begonnen. – Für all diese Dinge gibt es keine sichere biblische Grundlage, es sind nur Legenden. Bezüglich des Essens hat man vor allem Granatäpfel, Äpfel und Trauben. Auf dem Tisch liegt ein Widderkopf zum Gedächtnis an die Opferung Isaaks. In den Synagogen wird 1Mo 22 gelesen, dazu siebenmal hintereinander der Psalm 47, der in Vers 6 den Schofar erwähnt.

 

(E) Messianische Bedeutung

Die tatsächliche Erfüllung liegt wie bei allen Festen des zweiten Zyklus noch in der Zukunft. Es wird die Wiederkunft des Herrn zum Weltgericht am letzten Tag unserer Zeit bei der letzten Posaune sein, an welchem die Auferweckung aller Menschen aller Zeiten und die Entrückung der Gläubigen zum Herrn stattfinden wird. Die Teqiah Gedolah des jüdischen Festes weist hin auf diese letzte Posaune Gottes, welche am letzten Tag erschallen wird.

Aufgrund schwerer Verfolgungen musste Paulus nach der Gründung der Gemeinde in Thessalonich sehr früh abreisen, sodass viele Fragen der Thessalonicher unbeantwortet blieben. Sie wollten natürlich auch wissen, ob die bereits verstorbenen Geschwister auch an der Heimholung der Gemeinde teilhaben würden. In seiner Antwort benutzt Paulus öfter den Ausdruck „in Christus“ für solche, die durch die Taufe mit dem Heiligen Geist in den Leib Christi hineingelangt waren, also für die Heiligen der Gemeinde insgesamt. Denn nur diese sind von der Entrückung betroffen. Zahlreiche Schriftstellen machen Aussagen über die Auferstehung und die Entrückung der Gläubigen am letzten Tag. Wir möchten das nun kurz betrachten.

 

Exkurs: Entrückung der Gläubigen am letzten Tag

Die Schrift ist so aufgebaut, dass „jede Sache aus dem Mund von zwei oder drei Zeugen bestätigt werden soll“ (5Mo 17,6 im AT. In geistlicher Anwendung im NT: Mt 18,16; 2Kor 13,1). Das ist ein Grundsatz der Exegese. Wir müssen daher diese Zeugen in der Schrift suchen, welche Aussagen zu einem bestimmten Thema machen, und ihre Aussagen miteinander vergleichen. Wir müssen sie gewissermaßen in den Zeugenstand bitten. Im Prinzip tun wir dabei genau das Gleiche wie Juristen bei der Beweisaufnahme in einem bestimmten Fall. Wenn eine schwierige Frage zu entscheiden ist, dann werden alle verfügbaren Zeugen befragt. Ihre Einzelaussagen liefern oftmals nicht den gesamten Tatbestand, sondern nur einzelne Bausteine des Gesamtbildes. Diese Elemente werden miteinander verglichen und in einen logischen Zusammenhang gebracht.

Genauso muss auch der Entscheidungsfindungsprozess bei der Auslegung der Heiligen Schrift aussehen: Auflistung aller verfügbaren Einzelelemente, objektiver Vergleich und Erstellung eines streng logischen Zusammenhangs. Danach die Schlussfolgerung als Synthese aus allen einzelnen Elementen. Diese Schlussfolgerung muss der Prüfung durch andere Personen standhalten. Sie muss daher zur Diskussion gestellt werden. Wir möchten also zunächst mit der Sammlung der Einzelelemente aus der Schrift beginnen, welche Aussagen zu unserer Frage machen. Dann möchten wir die Elemente zu einer Ganzheit zusammensetzen und dabei bestrebt sein, jedem von ihnen die richtige Stelle zuzuweisen. Der Leser dieses Textes möge dann anhand eigener Prüfung festlegen, ob das Ergebnis seiner Beurteilung standhalten kann, oder nicht. Und nun los.

 

1Kor 15,52: “…plötzlich, in einem Augenblick, zur Zeit der letzten Posaune; denn die Posaune wird erschallen, und die Toten werden auferweckt werden unverweslich, und wir werden verwandelt werden.

Die letzte Posaune wird erwähnt. Gleichzeitig findet die Auferweckung der Toten statt. Der Text redet nicht ausdrücklich über die Toten in Christus, sondern über die Toten. Man gewinnt den Eindruck, dass es sich um alle Toten handeln könnte. Der direkte Kontext unserer Stelle gibt uns zunächst nur diese Information, welche erst einmal ohne Zusatzannahmen, akzeptiert werden muss. „Sola Scriptura - allein die Schrift“. Diesem Prinzip stimme ich von ganzem Herzen zu, denn es ist ein grundlegendes Prinzip der Bibelauslegung. Man darf somit auch die genannte Posaune nicht plötzlich aus dem römischen Heerwesen entlehnen, denn der Text sagt dies nicht aus. Es ist und bleibt die letzte Posaune. Eine andere Auslegung ist aus biblischer Sicht nicht zulässig. Wir haben daher weitere Aussagen über die letzte Posaune nicht im römischen Heerwesen zu suchen, sondern in der Schrift. Die Posaunen, welche beim Aufbruch des Volkes Israel in der Wüste in 4Mo 10 erwähnt werden, kommen hierbei nicht in Frage. Diese beziehen sich auf die irdische Wüstenwanderung des Volkes vor mehr als 3500 Jahren. Es kommt ausschließlich eine Posaune in Frage, welche in der Schrift im Zusammenhang mit dem heute noch in der Zukunft liegenden zweiten Kommen des Herrn erwähnt wird, denn darum geht es in unserer Korintherstelle. Sola scriptura.

 

1Thess 4,16-17:…denn der Herr selbst wird, wenn der Befehl ergeht und die Stimme des Erzengels und die Posaune Gottes erschallt, vom Himmel herabkommen, und die Toten in Christus werden zuerst auferstehen. Danach werden wir, die wir leben und übrigbleiben, zusammen mit ihnen entrückt werden in Wolken, zur Begegnung mit dem Herrn, in die Luft, und so werden wir bei dem Herrn sein allezeit.

Der Herr kommt beim Erschallen der Posaune Gottes und bei der Stimme des Erzengels. Es kommt zur Auferstehung der Toten in Christus. Die Auferstehung der Ungläubigen wird hier nicht ausdrücklich erwähnt. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass sie nicht ebenfalls zum gleichen Zeitpunkt stattfindet. Paulus redet im Kontext über die entschlafenen Gläubigen, denn die Ungläubigen sind gar nicht sein Thema. Aus den anderen  gleich noch zu erwähnenden Schriftstellen geht jedoch hervor, dass die Gläubigen und die Ungläubigen sehr wohl am selben Tag auferstehen werden, die einen zum ewigen Leben, die anderen zum Gericht. Es kann gesagt werden: Im Zusammenhang mit Joh 5,28-29 und 1Kor 15,52 betrachtet handelt es sich bei der Posaune in 1Thess 4,16-17 um die gleiche Posaune wie in 1Kor 15. Es kommt zur Verwandlung der lebenden Gläubigen. Es kommt zur Begegnung (apanthesis) mit dem Herrn in der Luft. Die Verwandlung der Gläubigen und die Begegnung mit dem Herrn findet also genau bei dieser Posaune statt, nämlich dann, wenn nach Joh 5,28-29 alle Toten auferweckt werden, und zwar die Gläubigen und etwas später auch die Ungläubigen. Es geschieht alles am selben Tag.

 

Joh 5,28-29:Verwundert euch nicht darüber! Denn es kommt die Stunde, in der alle, die in den Gräbern sind, seine Stimme hören werden, und sie werden hervorgehen: die das Gute getan haben zur Auferstehung des Lebens; die aber das Böse getan haben zur Auferstehung des Gerichts.

Zur selben Stunde (der Text redet nicht über einen Zwischenraum von 1000 Jahren; diesen Zwischenraum darf man somit auch nicht in die Stelle hineininterpretieren; es gilt das was da steht, und nicht das was nicht da steht) werden alle Menschen aus den Gräbern hervorgehen, also die Geretteten zur Vereinigung mit dem Herrn in der Luft und zur Aufnahme in den Himmel und die Unerretteten zum Gericht.

 

Dan 12,2:Und viele von denen, die im Staub der Erde schlafen, werden aufwachen; die einen zum ewigen Leben, die anderen zu ewiger Schmach und Schande.

Auch hier wieder die Auferstehung von Gerechten und Ungerechten am selben Tag. John MacArthur kommentiert hier ausdrücklich: „Zwei Personengruppen werden aus dem Tod auferstehen, wobei mit „viele“ alle gemeint sind (wie in Joh 5,29).“ (MacArthur Studienbibel, S. 1177).

 

Joh 6,39-40:Und das ist der Wille des Vaters, der mich gesandt hat, dass ich nichts verliere von allem, was er mir gegeben hat, sondern dass ich es auferwecke am letzten Tag. Das ist aber der Wille dessen, der mich gesandt hat, dass jeder, der den Sohn sieht und an ihn glaubt, ewiges Leben hat; und ich werde ihn auferwecken am letzten Tag.

Alle Gläubigen werden am letzten Tag auferweckt. Hier steht nicht: „Am letzten Tag der jetzigen Haushaltung oder des Gemeindezeitalters“. Das ist lediglich ein Hineinlesen von Aussagen in eine Schriftstelle, die so nicht geschrieben stehen. Der letzte Tag ist der Tag, nach dem kein anderer Tag mehr kommen wird. Es ist der Tag, an dem der Herr erscheint. Wir müssen diese wie auch alle anderen Stellen, welche Aussagen zu unserer Frage machen, genauso nehmen, wie sie da steht und dann in Unterordnung unter die Gesamtaussage der Schrift auch die anderen Stellen mit ihren dazugehörigen Elementen vorurteilsfrei einbeziehen, um zu dem richtigen Ergebnis zu gelangen. Wenn dieses Ergebnis uns dazu zwingt, unsere bisher bestehenden Ansichten zu verwerfen, dann spielt das keine Rolle. Unsere Ansichten haben sich den Aussagen der Schrift unterzuordnen, nicht umgekehrt. 

 

Joh 6,44:Niemand kann zu mir kommen, es sei denn, dass der Vater ihn zieht, der mich gesandt hat; und ich werde ihn auferwecken am letzten Tag.

Alle Gläubigen, welche der Vater zum Sohn gezogen hat, werden am letzten Tag auferweckt. Es ist der Tag der Erscheinung des Herrn zum Gericht.

 

Joh 6,54:Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der hat ewiges Leben, und ich werde ihn auferwecken am letzten Tag.

Das gleiche wie bei Joh 6,44.

 

Joh 11,23-24:Jesus spricht zu ihr: Dein Bruder wird auferstehen. Martha spricht zu ihm: Ich weiß, dass er auferstehen wird in der Auferstehung am letzten Tag.

Das gleiche wie bei Joh 6,44 und Joh 6,54.

 

Apg 24,15:…und ich habe die Hoffnung zu Gott, auf die auch sie selbst (die Juden, Anmerkung) warten, dass es eine künftige Auferstehung der Toten geben wird, sowohl der Gerechten als auch der Ungerechten.

Wieder das gleiche Element wie in den vorhergehenden Versen.

 

Off 11,15-18:Und der siebte Engel stieß in die Posaune; da ertönten laute Stimmen im Himmel, die sprachen: Die Königreiche der Welt sind unserem Herrn und Christus zuteil geworden, und er wird herrschen von Ewigkeit zu Ewigkeit! Und die 24 Ältesten, die vor Gott auf ihren Thronen saßen, fielen auf ihr Angesicht und beteten Gott an und sprachen: Wir danken dir, o Herr, Gott, du Allmächtiger, der du bist und der du warst und der du kommst, dass du deine große Macht an dich genommen und deine Königsherrschaft angetreten hast! Und die Heidenvölker sind zornig geworden, und dein Zorn ist gekommen und die Zeit, dass die Toten gerichtet werden, und dass du deinen Knechten, den Propheten, den Lohn gibst, und den Heiligen und denen, die deinen Namen fürchten, den Kleinen und den Großen, und dass du die verdirbst, welche die Erde verderben!“ 

Der unmittelbare Antritt der Herrschaft des Herrn über die ganze Welt findet hier statt, außerdem die Vernichtung der Heidenvölker und das Gericht über die Toten. Diese Elemente in Verbindung mit der siebten Posaune stimmen genau mit dem überein, was wir an zwei vorangegangenen Stellen gesehen haben (1Kor 15,52 und 1Thess 4,16-17). Die siebte Posaune in Off 11,15-18 ist somit ohne Zweifel die Posaune, welche auch an den anderen zwei Stellen erwähnt wird. Die Begleitumstände stimmen bei allen Posaunen genau überein! Dazu kommt ein weiteres: Das Gericht über die Toten wird bei der Ankunft des Herrn geschehen, und nicht erst 1000 Jahre später. Am gleichen Tag werden die Propheten belohnt, die Gläubigen aufgenommen, und die lebenden Nationen gerichtet. Es geschieht nicht in einem Abstand von 1000 Jahren, sondern alles an einem Tag, dem Tag dieser letzten Posaune. Es geht hier nicht um Posaunen aus dem römischen Heerwesen, auch nicht um die Posaunen aus 4Mose 10 und anderen alttestamentliche Stellen, sondern um die Posaune Gottes aus dem Himmel, welche von der Stimme des Erzengels begleitet wird und die sichtbare Ankunft des Herrn einleitet. Es besteht hinsichtlich aller einzelnen Elemente vollkommene Harmonie mit den beiden anderen Stellen, die über die Posaune reden. Die logische Verknüpfung ist somit bei objektivem Vergleich der Passagen zwingend.

 

Dan 7,9-10:Ich schaute, bis Throne aufgestellt wurden und ein Hochbetagter sich setzte. Sein Gewand war schneeweiß, und das Haar seines Hauptes wie reine Wolle; sein Thron waren Feuerflammen und dessen Räder ein brennendes Feuer. Ein Feuerstrom ergoss sich und ging von ihm aus. Tausendmal Tausende dienten ihm, und zehntausendmal Zehntausende standen vor ihm; das Gericht setzte sich, und die Bücher wurden geöffnet.

Die Tausende und die Zehntausende, die vor dem Thron Gottes stehen, sind seine Engel.

 

Psalm 68,18:Gottes Wagen sind Zehntausend mal Zehntausend, Tausende und Abertausende; der Herr ist unter ihnen – (wie am) Sinai in Heiligkeit

Zehntausende Wagen für die Heerscharen des Herrn, also für die Engel. Hier wieder die Zahl Zehntausend hinweisend auf die Engel.

 

Mt 24,30-31:…und sie werden den Sohn des Menschen kommen sehen auf den Wolken des Himmels mit großer Macht und Herrlichkeit. Und er wird seine Engel aussenden mit starkem Posaunenschall…

Das Element: Der Herr wird kommen mit der Posaune, und der Himmel wird mit den Engeln erfüllt sein.

 

Mt 25,31:Wenn aber der Sohn des Menschen in seiner Herrlichkeit kommen wird und alle heiligen Engel mit ihm, dann wird er auf dem Thron seiner Herrlichkeit sitzen.

Die Engel sind hier die heiligen Engel. In Verbindung mit Dan 7,10 sind es somit die heiligen Zehntausende, denn die Zehntausende sind bei Daniel ebenfalls die Engel vor seinem Thron.

 

Hebr 12,22:…sondern ihr seid gekommen zu dem Berg Zion und zu der Stadt des lebendigen Gottes, dem himmlischen Jerusalem, und zu Zehntausenden von Engeln.

Hier finden wir wieder die eindeutige Verbindung der Zehntausende und der Engel. Sie werden durch diese Zahl in Verbindung mit Dan 7,10 und Mt 25,31 eindeutig identifiziert als die heiligen Zehntausende. Die heiligen Zehntausende sind nicht Gläubige, sondern die Engel vor dem Thron Gottes.

 

Jud 14-15:Von diesen hat aber auch Henoch, der siebte von Adam, geweissagt, indem er sprach: Siehe, der Herr ist gekommen mit seinen heiligen Zehntausenden, um Gericht zu halten über alle, und alle Gottlosen unter ihnen zu strafen wegen all ihrer gottlosen Taten,…

Der Herr kommt hier mit seinen Engeln. Die heiligen Zehntausende sind die Engel. Wenn er kommt, dann wird der Himmel angefüllt sein mit Zehntausenden von Engeln! Er hält Gericht über alle. Unter diesen allen befinden sich die Gottlosen. Es sind also nicht nur Gottlose, die hier verurteilt werden, sondern auch Gläubige, welche beurteilt werden. Somit haben wir hier ein weiteres starkes Indiz dafür, dass die Zehntausende keine Gläubigen sind, sondern die Engel.

 

Mt 13,28-30:…Da sagten die Knechte zu ihm: Willst du nun, dass wir hingehen und es (das Unkraut; Anmerkung) zusammenlesen? Er aber sprach: Nein! Damit ihr nicht beim Zusammenlesen des Unkrauts auch zugleich mit ihm den Weizen ausreißt. Lasst beides miteinander wachsen bis zur Ernte, und zur Zeit der Ernte will ich den Schnittern sagen: Lest zuerst das Unkraut zusammen und bindet es in Bündel, damit man es verbrenne; den Weizen aber sammelt in eine Scheune!Mt 13,39:…die Schnitter sind die Engel.

Bis zur Ankunft des Herrn sind der Weizen und das Unkraut nebeneinander auf dem Feld. Das spricht gegen eine Vorentrückung. Die Engel werden die Sammlung zum Gericht ausführen. Das passt zu den heiligen Zehntausenden aus Judas 14-15.

 

Das Gebäude, zusammengesetzt aus den einzelnen Elementen

Der Herr wird bei der letzten Posaune am letzten Tag aus dem Himmel herabkommen in die Wolken, und zwar zusammen mit seinen heiligen Zehntausenden, also mit seinen Engeln. Der Himmel wird mit Engeln und mit der Herrlichkeit des Herrn erfüllt sein. Die entschlafenen Gläubigen des Gemeindezeitalters werden auferweckt in einem Nu. Ihre auferstandenen und verherrlichten Leiber werden mit ihren Seelen vereinigt. Danach werden die noch lebenden Gläubigen leiblich verherrlicht, ebenfalls in einem Nu, und auch sie werden mit verherrlichten Leibern und ihren Seelen da stehen.

Dann werden alle Gläubigen hochgerissen (entrückt; griechisch: harpazo, das bedeutet: hochgerissen) in die Wolken zu dem Herrn, der sie dort erwartet. Sie werden zwischen den sie umgebenden ungläubigen Menschen herausgenommen, welche mit aufgerissenen Mündern dastehen, und nach oben in die Luft gezogen.

Vor den Augen des Fürsten der Gewalt der Luft (des Satans), vor den Augen des Antichristen und aller ungläubigen Menschen auf der Erde  werden die Gläubigen im Luftraum dem Herrn und seinen Engeln begegnen. Sie werden ihn dort abholen (eis apantesin kyriou eis aera). Sie werden ihn danach auf dem letzten Stück seines Weges aus den Wolken herab zur Erde begleiten. Derr Herr wird also auf seinem Weg aus dem Himmel zur Erde in den Wolken anhalten, sich dort mit allen seinen Gläubigen vereinigen und unmittelbar danach das Gericht über die gottlose Menschheit bringen. So ist es zu erklären, dass der Herr an diesem Tag sowohl für seine Gläubigen kommen wird (nämlich zu ihrer Rettung) als auch mit seinen Gläubigen (zum Gericht über die gottlose Welt). Die ganze Erde mit allen verlorenen Menschen, mit allen ihren Werken darauf und auch die heutigen Himmel werden nach 2Pe 3 in diesem Feuerbrand mit großem Krachen aufgelöst werden.

Aus dieser globalen Detonation wird durch die Hand des Herrn eine erneuerte, völlig umgestaltete und gereinigte Erde (griechisch: kainos – erneuert, umgestaltet; nicht: neos – neu geschaffen, völlig neu) hervorkommen, auf der es kein Meer (in der symbolischen Sprache der Offenbarung also kein tobendes Völkermeer, keinen Tumult zwischen den Nationen) mehr geben wird, ebenso erneuerte und gereinigte Himmel. Alle Dinge werden auf dieser neuen Erde und in diesen neuen Himmeln wiederhergestellt sein, nur viel herrlicher als wir es uns heute vorstellen können.

Auf diese Erde wird das neue Jerusalem, die Stadt Gottes, vom Himmel herabsteigen. Es wird das ewige Hauptquartier Gottes auf der neuen Erde sein. Der Herr selbst wird nun auf einem großen weißen Thron sitzen, und die Gläubigen werden vor ihm stehen. Die Ungläubigen werden ebenfalls auferweckt mit ihren Leibern vor dem Thron stehen. Der Herr wird die Gläubigen in die Stadt Gottes einführen, nachdem er ihr Leben beurteilt und ihnen ihre ganz persönliche Stellung und ihren Lohn zugeteilt hat. Die Verlorenen werden mit Leib und Seele in den ewigen Feuersee geworfen. Welch ein schrecklicher Gedanke!

 

6. Der große Versöhnungstag (3Mo 23,26-32)

(A) Andere Bibelstellen

3Mo 16: Die Einzelheiten der Zeremonie.
3Mo 25,8-12: Die Besonderheiten im Sabbatjahr oder im Jubeljahr.
4Mo 29,7-11: Besondere Opfer an diesem Fest.
Hebr 9,11-10+18: Das Blut des Messias ist besser als das Blut der Opfertiere vom Yom Kippur. Dieses konnte die Sünden nur bedecken, während jenes sie vollständig hinweggetan hat. Tierblut kann das Gewissen nicht reinigen, das Blut des Messias kann das wohl.
Hebr 13,10-16: Es wird das Tor Jerusalems und das Lager des Judaismus betont. Das Opfer des Versöhnungstages musste außerhalb des Lagers verbrannt werden, obwohl das Blut des ersten Bockes in das Allerheiligste gesprengt wurde. Als der Herr starb, trug er sein Blut in das Allerheiligste im Himmel hinein, doch sein Leib wurde außerhalb des Lagers des Judaismus und außerhalb der Tore von Jerusalem geopfert. Nur diejenigen Juden, die danach das Lager des Judaismus verließen und sich gläubig dem Herrn Jesus anschlossen, konnten gerettet werden. Auch auf der sichtbaren Ebene wurde das Lager im Jahr 70 n. Chr. vollständig vernichtet. Für uns als Nationen gab es keine Verbindung zum Judaismus, und daher ist eine einfache Annahme des Evangeliums bis heute ausreichend.

 

(B) Andere Namen

Yom Kippur: Der große Versöhnungstag.

Yom ha Kippurim: Der Tag der Versöhnungen. Dieser Name betont aus jüdischer Sicht die nationale Versöhnung Israels als Volk, nicht die Versöhnung eines Einzelnen.

Shabbat Shabbaton: Der Sabbat der Sabbate: Es ist der heiligste Tag des ganzen Jahres und wird immer als Sabbat gefeiert, egal auf welchen Wochentag er fällt.

 

(C) Biblische Praxis

Das feste Kalenderdatum war und ist der 10. Tischri, also neun Tage nach dem Fest des Posaunenhalls. Es war zur Zeit des Tempels kein Pilgerfest, konnte also auch zuhause gefeiert werden. Individuelle Opfer wurden ja das ganze Jahr über gebracht, dieses Opfer im Tempel war aber ein Opfer für die Sünden der ganzen Nation. Ein Bock starb für die Sünden des ganzen Volkes, ein zweiter trug sinnbildlich die Sünden des ganzen Volkes aus dem Lager hinaus. Es war kein Tag der Freude, sondern des Gebetes und der Buße. Die Hauptempfindung, welche die Sünder kennzeichnen sollte, war die echte Betrübnis der Seele.

Es war ein sehr bedeutender Tag für die Priester. Der Hohepriester musste seine Privatwohnung einen Tag vor dem Fest verlassen und in eine spezielle Wohnung im Tempelbezirk umziehen. In dieser Woche wurde er zweimal mit der Asche der jungen roten Kuh (4Mo 19) besprengt, um eventueller ritueller Unreinheit zuvorzukommen. Es wurde auch ein Stellvertreter für den Fall von ritueller Verunreinigung, ernsthafter Krankheit oder gar Tod des Hohepriesters ernannt, um anstelle von diesem die Zeremonie durchzuführen. Es gab einen Morgendienst und den zentralen Nachmittagsdienst. Der Hohepriester musste sich im Tagesverlauf mehrmals rituell im Wasser untertauchen. Den Nachmittagsdienst verrichtete er in vollständig weißer Kleidung, im Gegensatz zu der sonst getragenen vielfarbigen Kleidung.

Die Einzelheiten der Zeremonie gibt uns 3Mo 16. Vers 1-2 zeigt die Einschränkung des Allerheiligsten. Nur ein Mann aus einer Familie von einem Stamm einer Nation der Erde hatte ein einziges Mal im Jahr Zugang in die direkte Gegenwart Gottes. Vers 3-10 zeigt weitere Vorbereitungen, die Präsentation der drei Opfertiere und das Werfen der Lose über die beiden Böcke. Vers 11-14 zeigt die Opferung des Jungstieres für die Sünden des Hohepriesters. Vers 15-22 zeigt die Tötung des ersten Bockes und die Blutbesprengung des Allerheiligsten. Das Volk als Ganzes wusste erst in dem Augenblick, in dem der Hohepriester aus dem Allerheiligsten herausgetreten war und noch am Leben war, dass Gott das Opfer angenommen hatte und dass die Sünden für ein weiteres Jahr zugedeckt waren, keinen Moment früher! Danach folgte dann das Auflegen der Sünden auf den zweiten Bock, den Asasel, und das symbolische Wegtragen der Sünden in die Wildnis.

Vers 23-34 zeigt verschiedene rituelle Reinigungen der Priesterschaft, den Kleiderwechsel des Hohepriesters und abschließende Erläuterungen zu den Zeremonien. Zwei Schlüsselelemente charakterisierten die gesamte Zeremonie: Zum einen die Opferung der beiden Böcke für die Sünden der gesamten Nation. Zum anderen die echte Betrübnis der Seele des Einzelnen, um in den Genuss der Versöhnung zu kommen. Die Versöhnung vor Gott wurde nur denen gewährt, die wirklich im Glauben Buße taten. Kein Israelit konnte dies mit den Augen sehen, es war eine Sache zwischen Gott und Mensch.

 

(D) Jüdische Praxis

Nach der Tempelzerstörung im Jahr 70 n.Chr. war die Feier des Versöhnungstages nicht mehr möglich. Deshalb lehrten die Rabbiner, dass es dem einzelnen Juden nach wie vor möglich sei, seine eigene Versöhnung aktiv zu bewirken, indem er eine Ersatzzeremonie des Festes hielt. Hierbei wurde die echte Betrübnis der Seele durch die Bedrängnis des Leibes ersetzt! Das war die entscheidende Wendung, die eine völlige Abkehr von der Substanz des mosaischen Gesetzes bedeutete.

Fasten ist heute der Hauptaspekt dieses Tages, obwohl es von Moses gar nicht geboten wurde. Yom Kippur ist heute nicht ein Tag des Feierns, sondern ein Tag des Fastens. Die Betrübnis der Seele ist durch die Bedrängnis des Leibes ersetzt worden.

Anstelle der Blutopfer gibt es dreifachen Ersatz: Buße, Gebet und Spenden für wohltätige Zwecke. Die sehr Orthodoxen haben bis heute noch ein Blutopfer in der so genannten Kapparot-Zeremonie. Hierbei wird ein Hahn für einen Mann und eine Henne für eine Frau geopfert. Man handelt hierbei nach 3Mo 17,11, ohne sich jedoch der Tatsache bewusst zu sein, dass die endgültige Versöhnung, auf die dieser Vers letztlich klar hinweist, auf Golgatha bereits erreicht worden ist.

Der orthodoxe Jude praktiziert an diesem Tag die fünffache Selbstverleugnung: Verzicht auf Waschen und Baden, Verzicht auf Ölen und Eincremen, Verzicht auf das Tragen von ledernem Schuhwerk, Verzicht auf Geschlechtsverkehr mit dem Ehepartner, Verzicht auf Essen und Trinken in jeder Form für 24 Stunden.

Der so genannte Kol Nidrei, was bedeutet: alle Gelübde. Dies ist ein ritueller Gesang, der im Synagogendienst dieses Tages dreimal gesungen wird. Er bewirkt eine Ungültigmachung aller während des vergangenen Jahres unschuldig oder unter Zwang gegebenen Gelübde. Dies ist insbesondere auf erzwungene Bekehrungen zu anderen Religionen anwendbar, was zum Beispiel im Mittelalter unter den von der katholischen Kirche schwer verfolgten Juden Europas eine große Bedeutung hatte.

Das Buch Jona wird in den Synagogen gelesen. Dieses Buch zeigt aus der Sicht der Juden, dass der Mensch zwar von Gott weglaufen kann, dass aber eine persönliche Buße und Umkehr zur Versöhnung führen kann. Die neutestamentliche Bedeutung der Jonageschichte wird allerdings nicht verstanden. Am Vortag des Festes gibt es Kreplach mit Fleisch, Zwiebeln und Knoblauch. Am Tag danach gibt es sehr salzigen Hering und es wird viel Wasser getrunken.

Die Legende von Asasel. Asasel bedeutet „Hinwegnahme, Entfernung“. Es wurde im Laufe der Zeit der Name des zweiten Bockes, also des Sündenbockes. Nach Jes 1,18 führten die Rabbiner eine weitere Praxis ein. Sie befestigten ein rotes Band am Horn des Bockes, bevor er weggejagt wurde. Die Legende besagt nun, das das Band sich ohne Ausnahme in jedem Jahr als ein Zeichen der erreichten nationalen Versöhnung des Volkes von selbst weiß färbte. So weit, so gut.

Der zweite Teil der Legende sagt jedoch noch etwas anderes. Das Band verfärbte sich während der letzten 40 Jahre vor der Zerstörung des Tempels ohne Ausnahme nicht mehr weiß. Als der Herr Jesus am Kreuz rief. „Es ist vollbracht!“, war die endgültige Versöhnung erreicht. Es war also kein weiterer großer Versöhnungstag im jüdischen Tempel mehr notwendig, ja er war aus Gottes Sicht sogar nicht mehr möglich! Deshalb akzeptierte Gott nach dem Tod seines Sohnes den ganzen darauf folgenden Tempeldienst nicht mehr.

Das erste Zeichen war die Tatsache, dass das Band nicht mehr weiß wurde. Das schreckliche letzte Zeichen war schließlich die Zerstörung des gesamten Tempels im Jahr 70 n.Chr. Obwohl die Juden immer um diese Legende wussten, haben sie auch hier die richtige Schlussfolgerung versäumt. Sie sehen bis heute noch nicht, dass Jesus von Nazareth ihr Messias ist.

 

(E) Messianische Bedeutung

Nach Hebr 9,10-16 ist die Versöhnung an sich dadurch geschehen, dass der Messias Jesus Christus sein eigenes Blut geopfert hat und es selbst in das Allerheiligste des himmlischen Heiligtums hineingetragen hat. Er brauchte als der vollkommene Hohepriester kein Opfer für seine eigenen Sünden, weil er sündlos war. Sein eigenes sündloses Blut reicht aus, um alle Sünden jedes Glaubenden ein für alle Mal hinweg zu tun. Die individuelle Versöhnung steht also jedem Menschen, ob Jude oder Nichtjude, offen. Der persönliche Glaube führt dazu, dass der Gläubige vollkommen gemacht ist durch das Opfer des Herrn Jesus. Wir wissen, dass der Herr eigentlich jahreszeitlich gesehen am Passahfest starb. Jedoch erfüllte er in seinem Opfer mehrere Feste auf einmal. Er war das Passahlamm Gottes, aber auch das ungesäuerte Brot und die Erstlingsfrucht. In Jes 53 finden wir schließlich, dass er sowohl der Hohepriester als auch der erste und der zweite Bock des Versöhnungstages war. Wir können also sagen, dass der Versöhnungstag für jeden einzelnen Gläubigen geistlich gesprochen auf Golgatha stattfand. Dies gilt sowohl für den einzelnen jüdischen als auch für den einzelnen nichtjüdischen Gläubigen an den Herrn Jesus. Die Versöhnung ist bereits grundsätzlich geschehen.

Das Blut dieses neuen Bundes ist schon vor 2000 Jahren auf Golgatha geflossen, denn der Herr sagte in Lk 22,20: „…dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blute, welches für euch vergossen wird.“ Das Blut ist schon längst auf dem Versöhnungsdeckel im himmlischen Heiligtum! Der Herr ist nach seiner Auferstehung den Aposteln und etwa 500 weiteren Gläubigen erschienen. Diese Gläubigen hatten den unerschütterlichen und sichtbaren Beweis der Auferstehung. Sie wussten, dass der Herr den Tod überwunden hatte und in das ewige Leben als Mensch eingetreten war. Sie wussten, dass auch sie dieses ewige Leben besaßen, und dass auch sie selbst versöhnt waren. Danach ging der Herr kurz vor Pfingsten vor den Augen der Jünger sichtbar in den Himmel zurück, nachdem er ihnen den Missionsbefehl gegeben hatte. An Pfingsten kam der Heilige Geist, und die Gemeinde begann ihren Dienst, der bis heute anhält. Bis heute leben und dienen die Christen nicht im Schauen, sondern aus Glauben an das Zeugnis der ersten Christen, welche den auferstandenen Herrn schauen durften.

Die äußerlich sichtbaren Endergebnisse dieses herrlichen Werkes des Herrn sind nämlich noch nicht in Vollkommenheit geoffenbart. Dies wird erst bei der sichtbaren Wiederkunft des Herrn am Ende dieses Zeitalters geschehen. Der Hohepriester des neuen und ewigen Bundes, nämlich der Herr Jesus Christus, ist heute noch immer im Heiligtum des Himmels. Er hat durch einen Engel den ersten Jüngern mit hörbarer Stimme seine Wiederkunft angekündigt, und die Jünger haben diese Zeugnis bis in unsere Zeit hinein weitergegeben und bewahrt. Am letzten Tag dieses Zeitalters wird der wahre Hohepriester nach der Ordnung Melchisedeks für alle Menschen auf der Erde sichtbar aus dem himmlischen Heiligtum heraustreten zur endgültigen Rettung der Gläubigen und zum endgültigen Gericht über die gottlose Welt. Wann wusste Israel im Alten Testament am großen Versöhnungstag, dass alle Sünden des vergangenen Jahres bedeckt waren? Genau in dem Augenblick, in welchem der Hohepriester nach seiner Darbringung des Blutes im inneren Heiligtum der Stiftshütte oder des Tempels wieder herauskam, ohne gestorben zu sein. Wenn die Menschen am letzten Tag den Herrn Jesus kommen sehen, dann werden die Gläubigen jubeln und die gottlosen Menschen verzweifeln. Er wird alles erneuern und wiederherstellen.

In unserer Zeit überlappen sich die beiden biblischen Zeitalter. Der Schweizer Theologe Oskar Cullmann hat eine gute Illustration der Zusammenhänge gegeben. Unter Bezug auf die Ereignisse des Zweiten Weltkrieges machte er den folgenden Vergleich: Wir Christen leben zwischen D-Day (Decision-Day) und V-Day (Victory-Day). D-Day war die entscheidende Schlacht des zweiten Weltkrieges, aber der Feind legte erst am V-Day endgültig die Waffen nieder. So bleiben auch für uns, obwohl unsere geistlichen Feinde durch den Herrn Jesus Christus entscheidend geschlagen sind, noch immer Nester des Widerstandes übrig, müssen noch immer kleinere Schlachten gekämpft werden, gibt es noch immer Guerillatruppen, die unterworfen werden müssen. Der Satan weiß, dass er besiegt ist, und trotz allem kämpft er immer noch weiter. Einerseits besitzen wir die Errettung bereits unwiderruflich, andererseits schauen wir noch immer voraus auf die herrliche Offenbarung unserer vollständigen Errettung in der Erlösung des Leibes.

 

Exkurs: Die zwei Zeitalter der Weltgeschichte

In diesen Zusammenhang gehört auch die biblische Lehre von den zwei Zeitaltern der Weltgeschichte. (Die nun folgenden Erläuterungen stammen aus dem Buch von Samuel E. Waldron; siehe das Literaturverzeichnis am Ende des Textes). Im biblischen Sprachgebrauch ist die Ewigkeit endlos, sie ist ein Zeitalter, das im Gegensatz zu unserem jetzigen Zeitalter nicht mehr endet. Die Ewigkeit steht auch ansonsten in jeder Hinsicht in völligem Gegensatz zu dem heutigen Zeitalter. Wir erwarten als Christen nicht ein zeitloses Ende, sondern eine endlose Zeit. Das griechische Wort „aion“ hat sowohl eine zeitliche als auch eine räumliche Bedeutung. Die wohl beste Übersetzung ins Deutsche lautet daher: „Weltzeit“.

Verse, welche über die Zeitalter sprechen, sind folgende: Mt 12,32; Mk 10,29; Lk 16,8; Lk 18,30; Lk 20,34-36; Rö 12,2; 1Kor 1,20; 1Kor 2,6-8; 1Kor 3,18; 2Kor 4,4; Gal 1,4; Eph 1,21; Eph 2,2; 1Tim 6,17-19; Tit 2,12; Hebr 6,5.

Der Apostel Johannes benutzt in seinen Schriften das Wort „kosmos“ (Welt) für das heutige Zeitalter, das Wort „aion“ (Zeitalter) für die künftige Weltzeit. Diese Zeit (kairos) ist synonym für dieses Zeitalter (Mk 10,30; Rö 8,18). Außerdem existiert der Ausdruck „die Vollendung des Zeitalters“ (Mt 13,39+40+49; Mt 24,3; Mt 28,20) und „die Vollendung der Zeitalter“ im Plural, was auf das Grundschema der zwei Zeitalter passt (1Kor 10,11; Hebr 2,8-10). Dieses Zeitalter und das kommende Zeitalter umfassen zusammengenommen alle Zeit einschließlich der Ewigkeit. Die Qualitäten der beiden Zeitalter werden in verschiedener Hinsicht einander gegenübergestellt. Die Aspekte des zukünftigen Zeitalters werden als ewig eingestuft. Somit muss auch das Zeitalter selbst ewig sein. Auch das AT spricht von einem  gegenwärtigen Zustand von Sünde und Elend sowie von einem künftigen Zustand von Erlösung und Segen. Sogar die rabbinische Theologie redet darüber!

Dieses Zeitalter und das kommende Zeitalter sind von ihrem Wesen her verschiedene Zustände der menschlichen Existenz und verschiedene Epochen der Weltgeschichte. Mt 13,24-30 und 46-43; Lk 20,27-40. Dieses Zeitalter: Man heiratet. Sterben und Tod. Natürliche Menschen. Gerechte und Böse nebeneinander. Weizen und Unkraut vermischt. Natürlicher Weltzustand. Das kommende Zeitalter: Man heiratet nicht. Kein Sterben und kein Tod. Auferstandene Menschen. Nur die Würdigen gelangen hinein. Nur Weizen, die Söhne des Reiches. Verherrlichter Weltzustand.

Dieses Zeitalter und das kommende Zeitalter werden durch das Gericht über die Gottlosen und die Auferstehung der Gerechten voneinander getrennt. Die beiden Ereignisse beenden das jetzige Zeitalter und läuten zu gleicher Zeit das kommende Zeitalter ein. Das Gericht und die Auferstehung finden beide beim Kommen des Herrn Jesus Christus statt. Das Kommen des Herrn ist der letzte Tag des jetzigen Zeitalters und zugleich der erste Tag des zukünftigen Zeitalters.

Die beiden Zeitalter stehen in jeder Hinsicht in völligem Gegensatz zueinander. Das eine Zeitalter ist vergänglich und natürlich, das andere ewig und übernatürlich. Dabei gibt es keinen irgendwie gearteten Zwischenzustand, also auch kein dispensationalistisches oder historisch prämillennialistisches Millennium. Es gibt zwischen den beiden Zeitaltern kein Mischszenario oder Übergangsszenario, in welchem unerlöste und natürliche Anteile mit erlösten und übernatürlichen Anteilen zusammen existieren. Dieses Problem ist für sämtliche Denksysteme hinsichtlich eines irdischen Millenniums unlösbar. Kein schrittweiser Prozess kann den Übergang zwischen den beiden Zeitaltern herbeiführen. Es gibt keine  naturalistische oder materialistische Erklärung für die Herrlichkeit, die geoffenbart werden soll. Nur das übernatürliche und plötzliche Eingreifen des allmächtigen Gottes kann jemals die Herrlichkeit des kommenden Zeitalters herbeiführen. Und genau das ist die christliche Hoffnung.

Dieses Zeitalter ist in seinem gesamten Charakter grundsätzlich böse und wird es immer sein. Ansonsten könnte nämlich doch noch ein Tag kommen, an welchem die Verfolgung der Christen aufhören würde und an welchem es nicht mehr falsch wäre, sich dem gegenwärtigen Zeitlauf anzupassen. Dann wäre auch der Satan nicht mehr der Gott dieses Zeitalters. Mk 10,30; Lk 16,8; Rö 12,2; 2Kor 4,4; Gal 1,4; Eph 2,2. Das jetzige Zeitalter befindet sich in seinen letzten Tagen, ja sogar in seiner letzten Stunde. 1Kor 2,6; 1Kor 10,11; 2Tim 3,1+5; Hebr 1,2; Hebr 9,26; Jak 5,3; 1Petr 1,20; 1Joh 2,17-18.

Die Kräfte des zukünftigen Zeitalters sind bereits im jetzigen Zeitalter angebrochen und wirksam. Die Wunder des Herrn und das Vorhandensein der Zeichengaben in der Gemeinde (vor allem bei den Aposteln), waren eine Proklamation der Tatsache, dass das zukünftige Zeitalter bereits angebrochen war. Das kommende Zeitalter, also die Herrschaft Christi, hat bereits auf eine gewisse Art und Weise begonnen. Beide Zeitalter überlappen also einander. Schon jetzt ist die Weltgeschichte quasi „schwanger“ mit dem kommenden Zeitalter. Das kommende Zeitalter wirft seine Schatten voraus, aber es ist noch nicht in vollständig geoffenbarter Herrlichkeit real geworden. Lk 20,34-36; Apg 4,2; 1Kor 15,20-23; 2Kor 5,17; Gal 6,15; Eph 1,21; Hebr 2,9; Hebr 6,4-6.

Dieses Konzept erklärt sehr gut die zwei Phasen der Errettung. Die Errettung unterteilt sich in zwei Phasen, von denen die erste „schon jetzt“ verwirklicht ist, die zweite „noch nicht“. Der Christ lebt in der Spannung des „schon jetzt – noch nicht“, weil auch das Reich Gottes, welches das Heil bringt, sich in zwei Phasen entfaltet. Die Aspekte der Errettung sind bei dem Gläubigen einerseits schon jetzt Wirklichkeit. Die Rechtfertigung in Rö 5,1. Die Kindschaft und die Sohnschaft in Rö 8,14-16. Der Loskauf und die Erlösung in Eph 1,7. Das ewige Leben in Joh 3,36. Die Ruhe in Mt 11,29. Gleichzeitig sind sie aber noch nicht letztlich vollendet, sie müssen noch endgültig erfüllt und geoffenbart werden. Die Rechtfertigung in Mt 12,37. Die Kindschaft und die Sohnschaft in Rö 8,23. Der Loskauf und die Erlösung in Eph 4,30. Das ewige Leben in Mt 25,46. Die Ruhe in Hebr 4,9-11. Daher ist das Ausharren im Glaubenswandel so wichtig. Die Errettung ist nicht nur etwas, was wir bereits in der Tasche haben. Sie ist auch etwas was wir noch empfangen müssen. Deshalb werden die Christen, die in Mt 11,28-30 ihre Ruhe in Christus empfangen haben, dazu aufgefordert, auch in die kommende Ruhe einzugehen (Hebr 4,11).

Dieses Konzept erklärt die ethische Spannung im Leben des Christen während des jetzigen Zeitalters. Der Christ braucht in diesem Zeitalter kein „tieferes Leben“, keinen „zweiten Segen oder eine Geistestaufe“, kein „siegreicheres Leben“, um aus den Konflikten, Sorgen und Versuchungen dieses Zeitalters befreit zu werden. Das biblische Konzept der überlappenden Zeitalter ermahnt uns, dass es in diesem Zeitalter keinen Segen gibt, auf den nicht Versuchung folgt, keine Freude auf die nicht Sorge folgt, und keinen endgültigen Sieg über die Sünde, die immer noch in uns wohnt. Diese Wahrheit macht uns frei. Wir müssen uns vor der „christlichen Höhenkrankheit“ hüten. - Jauchzet mit Zittern (Ps 2,11). Kämpfet den guten Kampf des Glaubens.

Dieses Konzept erklärt auch gut die Zukunft der Gemeinde. Sowohl der finstere Pessimist als auch der unverbesserliche Optimist haben eine unausgewogene Sichtweise. Wer lehrt, dass diese Dispensation der Gemeinde ebenso wie alle anderen Dispensationen unweigerlich in Versagen und Abfall enden müsse, der liegt verkehrt. Ebenso falsch liegt aber auch derjenige, welcher lehrt, dass die Gemeinde vor dem Kommen des Herrn in ein Zeitalter eines wunderbaren weltweiten Sieges hineingehen und die ganze Erde erfolgreich evangelisieren würde. Sowohl der sogenannte Prämillennialismus als auch der Postmillennialismus sind daher im Irrtum. Der bibeltreue Christ ist Optimist und Realist zugleich. Er weiß, dass der Glaubensweg ein Kampf mit äußerlichen Siegen und Niederlagen in dieser bösen Welt  sowohl für den einzelnen Christen als auch für die ganze Gemeinde ist, dass aber der Herr am Ende den völligen Sieg geben und alles in Vollkommenheit ordnen wird.

2Petr 3,3-13: Hier werden drei Welten parallel gestellt. Die damalige Welt war durch das Wort Gottes geschaffen (siehe den Schöpfungsbericht) und ging nach einer Zeit des geduldigen Wartens Gottes im Gericht der Flut unter. Danach wurde jedoch nicht eine ganz neue Welt erschaffen, sondern die jetzige Welt ging erneuert und umgestaltet aus der damaligen Welt hervor. Keine Neuschöpfung, sondern Erneuerung! Die jetzige Welt ist wieder durch den Spott der Gottlosen und durch das geduldige Warten Gottes gekennzeichnet. Sie wird untergehen im Feuer, welches am Tag des Herrn kommen wird, welcher zugleich auch der Tag Gottes ist. Es wird der Tag der Wiederkunft Christi in Macht und Herrlichkeit sein, wenn er geoffenbart werden wird in flammendem Feuer, um den Gottlosen zu vergelten (2Thess 1,8-9). Das Gericht wird nicht zur Umkehr der Gottlosen führen, sondern zu ihrem endgültigen Verderben. Es wird kein einziger lebender Mensch übrig bleiben, welcher in ein darauf folgendes Zwischenreich eingehen könnte. Dieses Problem ist für die Prämillennialisten  unlösbar, denn sie können nicht erklären, welche natürlichen Menschen in unverherrlichtem Zustand das von ihnen gelehrte Millennium bevölkern sollen.

Die neue Welt (das kommende Feuergericht wird genau parallel zum bereits geschehenen Wassergericht gesehen: keine Neuschöpfung, sondern Erneuerung und Umgestaltung) folgt unmittelbar auf das Feuergericht über die jetzige Welt. Der Text gibt keinen Hinweis auf einen irgendwie gearteten Zwischenzustand oder eine Zwischenzeit von 1000 Jahren. Diese Deutung wird von entsprechenden Lehrern in den Text hineingelesen, damit er in deren vorgefertigtes Denkschema hineinpasst. Die Lehre von einem 1000 Jahre andauernden Tag des Herrn ist  nichts anderes als frei erfunden. Der Tag kommt wie ein Dieb! (Bis hierhin die Erläuterungen von Samuel E.Waldron).

 

7. Das Laubhüttenfest (3Mo 23,33-44)

(A) Andere Bibelstellen

2Mo 34,22: Das Fest des Einsammelns nach der Sommerernte.
4Mo 29,12-34: Die speziellen Opfer an diesem Fest. Die insgesamt 70 Farren sollen nach jüdischer Tradition die 70 Nationen aus 1Mo 10 repräsentieren. In der Tat ist das Fest im „Millennium“ (Gemeindezeitalter) auch mit der Welt der Nationen verbunden. Die Nationen werden sogar am Tempeldienst teilnehmen.
5Mo 16,13-15: Man soll sich für volle sieben Tage freuen, sonst übertritt man das Gesetz!
Neh 8,13-18: Wiedereinsetzung nach der babylonischen Gefangenschaft. Dies war die erste Feier des Festes seit der Zeit Josuas! Sogar David und Salomo, Hiskia und Josia hatten es nicht wieder fest eingesetzt. Vielleicht war es ja damals zu schwierig gewesen, sich sieben Tage ununterbrochen zu freuen.
Joh 7,1 bis 10,21: Was der Herr Jesus am Laubhüttenfest sagte und tat.

 

(B) Andere Namen

Hag: Das Fest.

Hag ha Succot: Das Fest der Laubhütten.

Hag ha Asiph: Das Fest des Einsammelns. Es kommt nach dem Einsammeln der Sommerernte und ist das dritte Pilgerfest (Ungesäuerte Brote, Wochen, Laubhütten).

Shemini atzeret: Der achte Tag der Versammlung. Mose fügte zu den sieben Festtagen einen unabhängigen achten Tag hinzu, der sich unmittelbar anschloss und als ein Sabbat gefeiert werden musste. Dieser Tag bildet den Abschluss aller heiligen Festzeiten. Es kommen zwar später im Jahr noch Festtage, aber diese gehören nicht mehr zu den zwei Zyklen der heiligen Feste.

Simchat Torah: Die Freude über das Gesetz. Der Pentateuch wurde in 54 Portionen geteilt. Wöchentlich wird bis heute in allen Synagogen der Welt am gleichen Sabbat die gleiche Stelle vorgelesen. Dieser Zyklus endet am Laubhüttenfest. Man liest das Ende des Buches 5Mo und beginnt sofort den neuen Zyklus mit 1Mo 1,1-5, um dadurch zu zeigen, dass das Lesen des Gesetzes niemals endet. Danach verlässt die Gemeinde die Synagoge und tanzt draußen um die Schriftrollen.

 

(C) Biblische Praxis

Das Fest begann am 15. Tischri und dauerte sieben Tage, danach folgte der hinzugefügte achte Tag. Das Volk lebte in kleinen Laubhütten, um der Wüstenwanderung zu gedenken. Man gebrauchte Palmzweige, Myrtenzweige, Weidenzweige und den Citron, eine Citrusfrucht. Es war eine Zeit großer Freude nach der Betrübnis des Versöhnungstages. Es markierte das Ende der Sommerernte und den Beginn der Herbsternte. Es markierte auch das Ende der Tauzeit und den Beginn der Regenzeit.

 

(D) Jüdische Praxis

Die drei Symbole

Die Laubhütten: Sie sind in negativem Sinne ein Symbol der verlorenen nationalen Hoffnung Israels durch die Tempelzerstörung und die Diaspora und geben ein Gefühl der Unsicherheit dem, der darin wohnt. Sie sind aber auch ein positives Symbol der Hoffnung auf spätere Wiederherstellung gemäß Am 9,11: Der Messias wird die verfallene Hütte Davids wieder bauen.

Der Lulaw: Es ist ein Halter mit insgesamt sechs Zweigen darin: Ein Palmzweig, zwei Weidenzweige und drei Myrtenzweige. Er wird mit der rechten Hand hin und her sowie aufwärts und abwärts geschwungen, um schlechten Wind und schlechten Regen abzuhalten. Gleichzeitig wird Gott um guten Regen zu den richtigen Zeiten gebeten, denn dies würde die Ernten verbessern.

Der Etrog: Die Citrusfrucht, gehalten in der linken Hand als ein Symbol der Frucht des verheißenen Landes.

 

Die zweite Tempelperiode (516 v.Chr. bis 70 n.Chr.)

Während dieser Zeit gab es verschiedene Schlüsselzeremonien, auf die sich auch der Herr in den Evangelien bezieht.

Das Ausgießen des Wassers: An jedem Morgen der sieben Tage ging der Hohepriester zum Teich Siloah, füllte einen Krug mit Wasser und ging zurück zum Tempel. Als er durch das Wassertor eintrat, wurde Jes 12,3 mit drei Trompetenstößen zitiert. Als er die 15 Stufen zwischen dem äußeren und dem inneren Vorhof hinaufstieg, wurde auf jeder Stufe ein Stufenlied (Ps 120-134) gesungen. Dann ging er weiter zum Fuß des Altars und goss das Wasser zusammen mit einem Krug Wein aus. Die Rabbiner sagen, dass dies die Ausgießung des Heiligen Geistes über Israel in den letzten Tagen symbolisierte. In diesem Augenblick kam es im Tempelbezirk unter den Zuschauern zu einem gewaltigen Ausbruch jubelnder Freude. Es gab dann noch einmal drei Trompetenstöße, und der Levitenchor sang den Hallel. Die Priester gingen einmal um den Altar. Wenn Ps 118,25 gesungen wurde, schwenkten die anwesenden Volksmengen ihre Palmzweige und riefen laut: „Hoshanna Rabba!!“, das bedeutet: „Rette uns in der Höhe!!“.

Yom ha shvi i shel arava, das bedeutet: Der siebte Tag der Weiden. Dies war der letzte Tag des Festes, und die Betonung lag ganz auf Wasser. Im Lulaw trug man einen Weidenzweig mehr als sonst, da Weiden direkt am Wasser wachsen. Bei der Hoshanna Rabba Zeremonie gab es dreimal sieben Trompetenstöße. Man ging siebenmal um den Altar herum und sang siebenmal das Hoshanna Rabba. Der Herr Jesus selbst nimmt in Joh 7 Bezug auf diese Zeremonie.

Das Anzünden der Leuchter: Es gab vier gewaltige Leuchter mit jeweils vier Armen im äußeren Vorhof des Tempels. Am zweiten Abend des Festes wurden sie von den Priesterlehrlingen angezündet, dabei sang der Chor auf den Stufen des Nikanortores die Stufenlieder. Die Ältesten des Sanhedrin führten während der ganzen Nacht Fackeltänze auf, so dass die gesamte Stadt von einem hell flackernden Licht durchflutet war, welches jedes Haus erreichte. Die Rabbiner sagen, dass dies die Herrlichkeit des Herrn bei seinem sichtbaren Kommen symbolisiert. Der Herr kam am hinzugefügten achten Festtag vom Ölberg herab in die Stadt und sagte in Joh 8,12: „Ich bin das Licht der Welt.“ Am gleichen Tag heilte er den Blindgeborenen und sagte in Joh. 9,5: „Solange Ich in der Welt bin, bin Ich das Licht der Welt.

Das Gebet um Regen: Es fand erst am siebten Tag des Festes statt. Fragte man die Rabbiner nach dem Grund dafür, dann erhielt man eine sehr praktische Antwort: „Stell dir vor, wir würden am ersten Tag um Regen bitten und der Herr würde das Gebet augenblicklich erhören. Es wäre für den Rest der Woche bei starkem Regen sehr schwierig, in den kümmerlichen Laubhütten fröhlich zu bleiben und zu feiern.“

In den Synagogen wird bis heute das Buch Prediger gelesen.

 

(E) Messianische Bedeutung

Zunächst sollen hier zwei missverständliche Anwendungen des Festes erwähnt werden, die während des ersten Kommens des Herrn Jesus auftraten. Die erste betrifft den Apostel Petrus auf dem Berg der Verklärung. In Mt 16 wusste er bereits, wer der Herr Jesus wirklich war: Er bekannte ihn klar als den Christus, den Sohn des lebendigen Gottes. Er wusste, dass Jesus von Nazareth der Messias Israels war. Aber dann kündigte der Herr mehrmals seinen bevorstehenden Kreuzestod in Jerusalem an. Die Apostel verstanden das überhaupt nicht und Petrus sagte sogar: „…das wird dir niemals zustoßen.“ Der Herr erklärte dann auch, dass einige der Jünger nicht sterben würden, ohne den Sohn des Menschen in der Herrlichkeit seines Königreiches gesehen zu haben. Dieses Versprechen wurde in Mt 17 dem Petrus, Jakobus und Johannes erfüllt, als sie auf dem Berg der Verklärung standen. Was sie jedoch nicht verstanden war die Tatsache, dass die endgültige Verherrlichung des Herrn noch nicht sofort kommen konnte, sondern dass der Sohn des Menschen zunächst gekreuzigt werden und auferstehen musste. Nach seiner Himmelfahrt und der Gründung der Gemeinde würde er erst nach langer Zeit zurückkommen und sein ewiges Reich auf der neuen Erde gründen.

Die Jünger verstanden nicht die Tatsache des zweifachen Kommens des Herrn. Nun sahen sie in der Verklärung seine zukünftige Herrlichkeit genauso, wie er sie in der Ewigkeit haben wird. Mose und Elia erschienen zusammen mit dem Herrn und redeten mit ihm über seinen Ausgang in Jerusalem, über seinen Tod (Lk 9,31). Petrus sah die Herrlichkeit und erwartete nun, dass das von den Pharisäern gelehrte irdische Reich in diesem Augenblick sofort beginnen sollte! Petrus wusste, dass schon im Alten Testament das Laubhüttenfest mit dem von den Pharisäern gelehrten tausendjährigen und irdischen Reich der jüdischen Tradition eng verbunden worden war. Da er in diesem Augenblick an das sofortige Kommen dieses irdischen Reiches glaubte, wollte er auch sofort das Laubhüttenfest feiern und drei Hütten bauen. Aufgrund dessen was er verstand, gab er die korrekte Antwort durch sein Handeln. Der Herr selbst verurteilt ihn nicht dafür! Der Fehler des Petrus basiert aber auf dem was er nicht wusste. Er hatte nicht verstanden, dass zuerst das Passahfest und alle anderen heiligen Zeiten erfüllt werden mussten. Er hatte nicht erkannt, dass das Laubhüttenfest erst ganz am Ende aller Festzeiten steht. Was er ebenso nicht erkannte war die Tatsache, dass das zu erwartende Reich des Herrn nicht zeitlich sondern ewig war, dass es nicht dieser Erde angehören würde sondern der Ewigkeit der neuen Schöpfung. Erst vor Pilatus würde der Herr offen aussprechen, dass sein Reich nicht von dieser Welt ist. Erst nach seiner Auferstehung würde er es den Aposteln nochmals erklären, und erst an Pfingsten würde Petrus es wirklich verstehen.

Die zweite falsche Anwendung geschah beim Einzug des Herrn Jesus auf dem Eselsfüllen in Jerusalem am Palmsonntag. In diesem Augenblick wurde der Herr von seinem Volk als der Messiaskönig, ja auch als der Sohn Davids der da kommt im Namen des Herrn, proklamiert. Sie riefen sogar das Hoshanna Rabba aus, den öffentlichen messianischen Gruß zum Beginn des ihnen von den Schriftgelehrten vorgestellten irdischen Reiches. In Joh 12,12-13 brachen sie Palmzweige von den Bäumen und schwenkten sie vor dem Herrn. Sie glaubten wirklich für einen Augenblick, dass das Reich des Messias nun unmittelbar aufgerichtet würde. Deshalb taten sie alle Dinge, die sie normalerweise am Laubhüttenfest tun sollten. Das bringt uns zu der Frage: Warum richtete der Herr denn das Reich nicht sofort auf? Das Volk tat und sagte doch genau das, was der Herr in Mt 12,43-45 und in Mt 23,38-39 als Voraussetzung für sein Kommen als König gefordert hatte. Die Antwort führt zurück auf die Dinge, die wir beim Fest des großen Versöhnungstages besprochen haben. Teile des Volkes und seine Führer im Ganzen hatten in Mt 12 die unvergebbare Sünde begangen und dort einen Punkt ohne Wiederkehr erreicht. Als Volk waren sie dem göttlichen Gericht verfallen.

Deshalb sagt der Herr in Lk 19,41-44 nicht Worte des Segens, sondern er weint und verkündigt das endgültige Gericht über die damalige Nation. Dieses Gericht wurde letztendlich im Jahr 70 n.Chr. von den Römern ausgeführt. Zwar wurden bis zu diesem Zeitpunkt nach der Auferstehung des Herrn noch etliche Juden durch das Evangelium gerettet, aber die damalige Nation als ganze war unwiderruflich verloren! Der Jubel kam zum völlig falschen Zeitpunkt. Es war nämlich nicht das Laubhüttenfest, sondern der Sonntag vor dem Passahfest. Das Passahlamm Gottes war im Begriff, in Jerusalem einzuziehen und somit für die bevorstehende Opferung beiseite gesetzt zu werden, wie wir es beim Passahfest zuvor betrachtet haben. Der Messias musste zuerst verworfen werden und nach Dan 9,26 ausgerottet werden und nichts haben. Das geschah genau fünf Tage später auf Golgatha. Die Zeit des Laubhüttenfestes und seiner endgültigen Erfüllung für Israel und die gesamte Erde steht heute zu Teilen noch immer in der Zukunft. Zu anderen Teilen ist sie bereits erfüllt.

Den Herrn Jesus am Fest sehen wir in Joh 7,1 bis 10,21. Er beobachtet das Ausgießen des Wassers am letzten Tag des Festes in Joh 7,37-40. Er verbindet hier seine eigene Person und den Heiligen Geist klar mit der Zeremonie. Wer an Ihn glaubt, wird lebendiges Wasser in sich selbst haben. Der Heilige Geist, symbolisch durch das Wasser dargestellt, wird in jedem Gläubigen für immer wohnen.

Joh 8,12 bezieht sich klar auf das Licht, das die Leuchter im Tempelbezirk ausstrahlen. Der Herr sagt, dass er das Licht der Welt ist. Er selbst ist die Herrlichkeit, die durch die Leuchter nur symbolisiert wird. Die leibhaftige Erfüllung des Lichtes ist an diesem Tag in Jerusalem anwesend, und weder die Priester noch das Volk erkennen sie. Der Messias ist nach Maleachi 3,1 plötzlich zu seinem Tempel gekommen und niemand hat ihn bemerkt. Die letztendliche Erfüllung liegt auch hier noch in der Zukunft, wie wir noch sehen werden.

In Joh 9,5 kommt das Licht des Messias am Tag des Festes zu dem Blindgeborenen. Der Herr sagt: „Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt.“ Der Mann kommt zunächst von körperlicher Blindheit und Dunkelheit zu körperlichem Sehen und Licht. Aber dazu muss er in noch blindem Zustand an diesem belebten Tag durch die ganze Stadt gehen, um den Teich Siloam zu erreichen. Als das Wunder dann offenbar wird, gibt es eine große Menge von direkten Augenzeugen dafür, denn gerade an diesem Tag ist der Teich Siloam einer der belebtesten Plätze der ganzen Stadt! Somit spricht sich die Nachricht wie ein Lauffeuer in der ganzen Stadt herum. Einige Zeit später, nachdem er aus der Synagoge hinausgeworfen wurde, hat der nun sehende Mann seine zweite Begegnung mit dem Herrn und kommt nun von geistlicher Blindheit zu geistlichem Sehen. Er war bereits vorher geheilt, aber jetzt kommt er zu der vollen Erkenntnis der Wahrheit Gottes in der Person des Messias Jesus Christus. Genauso ist es geistlich gesprochen auch mit uns. Wenn wir aus Gnade durch den Glauben errettet sind, sollten wir dem Herrn Schritt für Schritt nachfolgen und ein Zeuge für Ihn sein. Dann werden wir ihn immer besser kennen lernen. Im Himmel werden wir Ihn dann sehen, wie er ist. Wer den Herrn niemals als seinen Heiland und Erlöser akzeptiert hat, wird wie die Pharisäer in ewiger geistlicher Blindheit und Dunkelheit verbleiben müssen.

Die endgültige Erfüllung des Laubhüttenfestes liegt am Ende der Weltgeschichte und in der Ewigkeit. Das Laubhüttenfest markierte das Ende der Sommerernte in Israel. Wie wir wissen, ist die Ernte, insbesondere die Traubenernte, in der Bibel oft ein Bild für Gericht (Hos 6,11; Jona 4,13; Mt 13,39; Off 14,15). Die sichtbare Verherrlichung des Herrn und der Beginn der neuen Schöpfung stehen in engem zeitlichem Zusammenhang mit dem Gericht, denn der letzte Tag unseres Zeitalters wird zugleich der Beginn des ewigen Zeitalters sein. Es wird an diesem Tag eine letztendliche und klare Trennung zwischen den Gläubigen und den Ungläubigen geben. Der Herr wird auf der neuen Erde sichtbar inmitten seines Volkes wohnen (Hes 37,27-28; Off 21,3; Zeph 3). Nach dem Laubhüttenfest kommt in Israel dann noch die Olivenernte, was symbolisch zum einen auf die Rettung von Menschen aus allen Nationen während des Gemeindezeitalters hinweist, zum anderen auf die unzählbaren Früchte des Werkes des Herrn auf der neuen Erde und im neuen Himmel (Jes 27,12-13; Jes 11,11-12; Jer 23, 7-8 und andere Stellen). Doch es gibt noch mehr.

Das Thema des Laubhüttenfestes ist nämlich aus christlicher Sicht noch umfassender als aus rein jüdischer Sicht. Um das volle Verständnis davon zu erlangen, müssen wir einen geistlichen Gang durch die gesamte Heilige Schrift machen, beginnend mit 1Mo 2 und endend mit Off 22. Dies kann natürlich nur in abgekürzter Form geschehen, um den Rahmen der vorliegenden Abhandlung nicht zu sprengen.

Wir sehen in 1Mo 2 Adam und Eva in der direkten und sichtbaren Gemeinschaft mit Gott im Paradiesgarten. Dieses Paradies war die Urform des Gartenheiligtums Gottes, welches durch die gesamte Schrift hindurch immer wieder zu finden ist, sei es in der Menora, welche die Gestalt eines Mandelbaumes aufweist, sei es in der Stiftshütte mit ihren Pflanzenmotiven oder in den vielfältigen Blumen- und Baummotiven, welche auch in dem steinernen Tempel Israels reichlich anzutreffen waren. Gewissermaßen war es so, dass der Paradiesgarten Gottes unter den Decken und Vorhängen der Stiftshütte wie auch hinter den Mauern und Vorhängen des Tempels Israels stets gegenwärtig blieb, um der Tatsache Ausdruck zu verleihen, dass Gott auch nach der Vertreibung der ersten Menschen aus dem Paradies noch immer in Gnade bei seinem auserwählten Volk wohnte. Am Ende der Offenbarung finden wir schließlich wieder einen Paradiesgarten, welcher dann in vollkommener Form in direkter und sichtbarer Gegenwart des verherrlichten Herrn die gesamte neue Schöpfung einnehmen wird, und in welchem die dann ebenfalls verherrlichten Gläubigen aller Zeiten gesehen werden. Was der erste Adam und seine Frau nicht schafften, nämlich die Erfüllung des Auftrages Gottes zur Ausdehnung des Gartenheiligtums über die ganze Erde, das wird dann durch den vollkommenen Gehorsam und das vollbrachte Werk des letzten Adam, des Herrn Jesus Christus, Wirklichkeit geworden sein. Der letzte Adam wird dann mit seiner Frau, der verherrlichten Gemeinde, die neue Schöpfung für immer bewohnen und verwalten. Das ist die erste Hauptlinie.

Die zweite Hauptlinie bezieht sich auf die Hütte des Menschen und auf die Hütte Gottes bei den Menschen. Wir sehen in 1Mo 2, wie Gott in der Kühle des Abends im Paradiesgarten wandelte, und wie er gewissermaßen das sichtbare Zelt oder die Hütte seiner Gegenwart im Garten aufgeschlagen hatte. Gleichzeitig können wir nicht daran zweifeln, dass auch Adam und Eva in einer Laubhütte oder einer Baumhütte wohnten, denn die Bibel sagt uns, dass die Menschen erst nach der Flucht Kains damit begannen, in festen Häusern und in Städten zu wohnen. Der Urzustand zeigt uns also dieses Bild: Die Hütten der Menschen und die Hütte Gottes bei den Menschen. Adam war Anbeter im Gartentempel Gottes, und vielleicht besaß er sogar einen Altar aus aufgehäufter Erde und Natursteinen. Wir wissen es nicht genau. Gleichzeitig war er Verwalter des Gartens mit dem Auftrag, nicht an einer Stelle sitzen zu bleiben, sondern zusammen mit seinen Nachkommen das Gartenheiligtum als Ort des Dienstes und der Anbetung Gottes durch fortlaufende Kultivierung über die ganze Erde auszudehnen. Wir sehen auch in späteren Zeiten, dass die ersten Gläubigen, besonders natürlich Abraham, oftmals nicht sesshaft waren, sondern in Zelten wohnten und das Land Gottes durchwanderten. In diesem Sinne waren die Laubhütten und später auch die Zelte immer biblische Bilder für das Umherwandern der Gläubigen auf der Erde und für die Gegenwart Gottes inmitten der Gläubigen. Dieses Thema muss nun noch etwas weiter entwickelt werden.

In 2Mo haben wir den Auszug der Kinder Israel aus Ägypten und den Beginn der Wüstenwanderung des Volkes. Wir sehen die Ankunft des Volkes am Berg Sinai in 2Mo 19, wo Gott dem Volk als Gesetzgeber über einem gewaltigen Bergtempel erschien: Der Vorhof dieses Bergtempels war der Ort, an dem das Volk stehen musste, das Zwischenplateau auf halber Berghöhe war das Heiligtum, in  welchem die siebzig Ältesten als ein Vorbild der bald danach gebildeten Priesterschaft verweilen und anbeten durften, und die Bergspitze war der Ort der direkten Gegenwart Gottes, das Allerheiligste des riesigen Bergtempels am Sinai. Nur Mose als ein Vorbild des bald danach gesalbten Hohepriesters Aaron des Mittlers zwischen Gott und Menschen, durfte in die Rauch- und Feuersäule auf dem Berggipfel eintreten und mit Gott reden.

Nachdem das Volk noch während des Aufenthaltes von Mose auf dem Berggipfel in Götzendienst gefallen war, wurde außerhalb des Lagers das Zelt der Zusammenkunft errichtet, auf welchem die Wolke der Herrlichkeit Gottes ruhte, und in welchem Gott mit Mose von Angesicht zu Angesicht redete. Dieser Einrichtung folgte dann kurze Zeit später der Bau der Stiftshütte, also des tragbaren Wüstenheiligtums Gottes, welches exakt nach dem himmlischen Vorbild gebaut wurde, das Gott seinem Diener Mose auf dem Berg gezeigt hatte. Diese Stiftshütte war geistlich gesprochen nichts anderes als eine Miniaturausgabe des riesigen Bergheiligtums, das wiederum drei Teile aufwies. Den Vorhof durften die normalen Israeliten betreten. Das Heiligtum unter den Decken mit ihren Pflanzenmotiven des Paradiesgartens durfte von den Priestern betreten werden. Das Allerheiligste, ein Würfel von zehn Ellen Kantenlänge, durfte nur einmal im Jahr am großen Versöhnungstag vom Hohepriester betreten werden, welcher in diesem Augenblick vor der Bundeslade in der direkten Gegenwart Gottes stand. Die entsprechenden Gottesdienstordnungen finden wir in 3Mo 16, wo es sich um den großen Versöhnungstag für das Volk handelt. Das ganze Volk war durch die Begrenzungen der Stiftshütte von der direkten Gegenwart Gottes abgetrennt, obwohl es die Wolkensäule und die Feuersäule über der Hütte Gottes erkennen konnte.

So blieb es bis zum Einzug in das verheißene Land. Die Stiftshütte wanderte über verschiedene Stationen nach Silo. Später ging die Bundeslade für einige Zeit an die Philister verloren, als Gott den Priester Eli und seine Söhne in 1Sam richten musste. Nachdem die Lade für viele Jahre im Haus Abinadabs in Kirjath-Jearim geblieben war und zuletzt noch eine weitere Station durchlaufen hatte, wurde sie schließlich vom König David in Jerusalem eingeführt, nachdem David die Stadt als seinen Königssitz eingenommen hatte. Wir finden die Geschichte in 2Sam 6.

David führte die Lade unter großem Jubel nach Jerusalem und stellte sie in einem eigens dafür errichteten Zelt auf dem Berg Zion auf. An diesem Tag herrschte große Freude unter dem ganzen Volk, und alle erhielten von David einen Brotkuchen und einen Trunk Wein. Warum war die Freude so groß? Die Antwort auf diese Frage ist, dass wir hier nichts weniger haben als die Hütte Davids und die Hütte Gottes bei den Menschen, und zwar auf dem Berg Zion. Wir finden hier fünf Personen/Dinge: David, die Hütte Gottes bei den Menschen, den Berg Zion, Brot und Wein. Erkennen wir die Bedeutung des Bildes? Es handelt sich um eine klare Vorschattung der neutestamentlichen Anbetung, wo die Gläubigen geistlich in das himmlische Zion und sein Heiligtum eintreten, wo der wahre David, der Herr Jesus Christus, ihnen begegnet und ihnen Brot und Wein darreicht. Dieser Zustand der freien Anbetung vor dem Zelt, ohne die Begrenzungen der Stiftshütte, hielt für etwas mehr als 30 Jahre an, bis schließlich Salomo den Tempel baute und die Bundeslade hinter die Mauern und hinter den Vorhang des Allerheiligsten zurückbrachte. Es findet sich hierin eine geistlich interessante Parallele zu der ungefähren Lebensdauer des Herrn auf dieser Erde. Nach dem Tempelbau wurde die Hütte Davids auf Zion nicht mehr gebraucht und verfiel.

Wir wissen wie es in Israel weiterging. Das Reich wurde bereits unter Salomos Sohn geteilt. Das Nordreich verfiel unmittelbar dem Götzendienst und ging letztlich durch die Hand der Assyrer unter. Das Südreich mit dem Tempel erlebte ein Wechselspiel zwischen gläubigen und gottlosen Königen, bis der Zustand auch dort so weit verdorben war, dass Gott die Zerstörung Jerusalems und des Tempels durch die Hand der Babylonier bringen musste. Während des Abfalls im Nordreich hatte es jedoch bereits einen Propheten Gottes gegeben, welcher inmitten des Verfalls bedeutsame Worte ausgesprochen hatte. Es war Amos, der in harten und klaren Worten den Götzendienst im Nordreich angriff. In Am 9 lesen wir, dass eine Zeit kommen würde, in welcher Gott die verfallene Hütte Davids wieder aufrichten würde. Viele Zeitgenossen von Amos erinnerten sich noch an das Leben unter David mit der freien Anbetung Gottes vor der Zelthütte auf Zion, welche nun verfallen war. Sie wussten durch das Wort des Propheten, dass einmal die von vielen ersehnte Wiederherstellung kommen würde. Die Jahrhunderte verstrichen. Es kamen die Assyrer, danach die Babylonier. Am Ende der babylonischen Gefangenschaft offenbarte Gott dem Propheten Daniel den genauen Zeitplan für die Ankunft des Messias Israels und der Welt (Dan 9,24-27). Maleachi war der letzte schreibende Prophet. Es kamen die Perser, die Griechen, die Makkabäer und schließlich die Römer.

Und dann war es endlich soweit: Gott selbst wurde Mensch, der Herr Jesus Christus. In Joh 1 lesen wir die folgenden Worte: „Und das Wort wurde Fleisch und wohnte (wörtlich: zeltete) unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als eines Eingeborenen vom Vater, voller Gnade und Wahrheit“ (Vers 14). Der menschliche Leib Jesu war die Hütte Gottes unter den Menschen, in welcher die Herrlichkeit des lebendigen Gottes hinter dem Vorhang seines Fleisches (Hebr 10,20) inmitten seines Volkes wohnte! Der menschliche Leib des Herrn war der wahre Tempel des Heiligen Geistes. Dieser Tempel wurde auf Golgatha durch den Tod abgebrochen und in der Auferstehung des Herrn am dritten Tag in verherrlichter Form wieder aufgerichtet, genauso wie es der Herr selbst gesagt hatte (Joh 2,19-21). Viele Christen sahen den auferstandenen Herrn mit eigenen Augen und konnten ihn bezeugen. Vor den Augen seiner Jünger fuhr er schließlich auf in den Himmel. Er wird genauso wiederkommen zum Gericht am letzten Tag.

Danach entstand an Pfingsten die große Gemeinde aller Gläubigen, in welchen der Heilige Geist Wohnung nahm. So wie im Alten Testament die Feuersäule der Herrlichkeit Gottes auf den Berg Sinai, auf das Zelt der Zusammenkunft, auf die Stiftshütte und schließlich auf den Tempel Salomos herabgekommen war, um darin zu wohnen, genauso kam auch am Pfingsttag eine Miniaturfeuersäule in Form einer Feuerzunge auf jeden einzelnen der Zeugen in Jerusalem um zu zeigen, das Gott nun als Heiliger Geist Wohnung in jedem einzelnen Gläubigen genommen hatte. Nun war jeder einzelne Gläubige und auch die Versammlung der Gläubigen als ganze für immer und ewig der Tempel des Heiligen Geistes geworden. Die Gemeinde ist somit die wieder aufgerichtete Hütte Davids nach dem Geist. In Apg 15 können wir dies klar erkennen. Auf dem Konzil in Jerusalem geht es um die große Frage, ob man Gläubigen aus den Nationen die gleichen zeremoniellen Lasten auferlegen solle wie den Juden unter dem Gesetz Moses. Die Frage wird letztlich verneint. Im Verlauf der Diskussion spricht Jakobus in den Versen 13-18 die entscheidenden Worte. Er zitiert Am 9 und bezeichnet ganz eindeutig die Sammlung der Gemeinde Christi aus allen Nationen als die Erfüllung dieses Prophetenwortes. Am 9 ist in der Gemeinde des neuen und ewigen Bundes erfüllt. Die verfallene Hütte Davids ist wieder aufgerichtet, und sie wird bis zu ihrer Vollendung bei der Wiederkunft Christi weiter gebaut.

Diese Vollendung finden wir schließlich in Off 21,1-3. Das neue Jerusalem, die Frau Gottes, kommt von Gott aus dem Himmel auf die erneuerte Erde, nachdem die neue Schöpfung gegründet worden ist. Der Heilige Geist bezeichnet diese Stadt, welche nichts anderes ist als der Leib Christi und der aufgerichtete Tempel des Heiligen Geistes, die Gemeinde aller Erlösten, als die Hütte Gottes bei den Menschen. Christus wird auf immer und ewig geistlich in und sichtbar inmitten all seiner Erlösten leben. Die Hütte des wahren David, die Gemeinde, der Leib Christi, wird mit dem Haupt in Vollkommenheit vereinigt sein. Gott wird alles in allem sein. Der ewige Paradiesgarten Gottes wird in verherrlichter Form da sein, es wird die ganze neue Schöpfung sein. So wie beim Laubhüttenfest des alten Israel die Tempeltüren geöffnet blieben, so wird auch jeder einzelne Gläubige in der Ewigkeit des neuen Jerusalem freien Zutritt in die direkte persönliche Gegenwart seines Herrn haben. Das wird für Dich und für mich gelten, lieber Bruder/liebe Schwester! So wie die Nacht über der Stadt Jerusalem im alten Israel am Laubhüttenfest durch das Licht der gewaltigen Leuchter aus dem Tempel heraus hell erleuchtet wurde, so wird der Herr, das Lamm Gottes, die Lampe des neuen Jerusalem in der Ewigkeit sein. Nacht wird nicht mehr sein. So wie der Herr in Jerusalem beim Laubhüttenfest die Ausgießung des lebendigen Wassers ankündigte (Joh 7,37-38), welches im Strom von Eden in 1Mo 2 und im Strom von Hes 47 im Alten Testament schon gesehen wurde, so wird auch der kristallklare Strom des Segens aus dem ewigen Heiligtum der neuen Schöpfung zu jedem einzelnen Gläubigen fließen. Alles dies wird die endgültige Erfüllung des Laubhüttenfestes sein. – Komm, Herr Jesus!

 

Quellenangabe und weitere Literatur

Dr. Arnold G. Fruchtenbaum: Die Prophetische Bedeutung der Feste Israels. Wort des Lebens Verlags-GmbH, Assenbucher Strasse 101, 82335 Berg. Tonkassettenreihe aus dem Jahr 1998. Die Grundstruktur des vorliegenden Textes und die Abhandlungen der Feste unter den jeweiligen Punkten (A) bis (D) sind überwiegend diesem Werk entnommen. Hinsichtlich der messianischen Bedeutung der Feste entsprechend jeweils Punkt (E) ist der Schreiber des vorliegenden Textes jedoch in weiten Teilen anderer Ansicht und greift deshalb oftmals auf eigene Gedanken sowie auf andere Textquellen (siehe unten) zurück.

Kevin Howard/Marvin Rosenthal: Die Feste des Herrn, Hit-Verlag Wien, 2000.

Die Bibel Schlachter 2000.

Dr. Martyn Lloyd-Jones: Gott und seine Gemeinde. 3L-Verlag.

Samuel E. Waldron: Endzeit? Eigentlich ganz einfach. Deutsche Ausgabe Betanien Verlag 2013. ISBN: 978-3-935558-43-3.

Kim Riddlebarger: Streitfall Millennium. Betanien Verlag.

Dennis Johnson: Der Triumph des Lammes. Deutsche Ausgabe im Betanien Verlag 2014. ISBN: 978-3-935558-30-3.

William Hendriksen: More Than Conquerors. An Interpretation of The Book of Revelation. Baker Books London, 1998. ISBN: 978-0-8010-5792-2.

Gregory K. Beale: The Book of Revelation. William B. Eerdmans Publishing Company, Grand Rapids Michigan 1999. ISBN: 978-0-85364-851-2.

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