Erschaffen im Bilde Gottes

Das Bild Gottes im Alten und im Neuen Testament.

 


2.1 Die Lehre im Alten Testament

1Mo 1,26-28:Und Gott sprach: Lasst uns Menschen machen nach unserem Bild, uns ähnlich; die sollen herrschen über die Fische im Meer und über die Vögel des Himmels und über das Vieh und über die ganze Erde, auch über alles Gewürm, das auf der Erde kriecht! Und Gott schuf den Menschen in seinem Bild, im Bild Gottes schuf er ihn; als Mann und Frau schuf er sie. Und Gott segnete sie; und Gott sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehrt euch und füllt die Erde und macht sie euch untertan; und herrscht über die Fische im Meer und über die Vögel des Himmels und über alles Lebendige, das sich regt auf der Erde!

Gott ist eine Pluralität. In der Erschaffung des Menschen haben wir einen „gemeinsamen göttlichen Ratschluss“. Adam kann bedeuten: der Mensch oder die Menschheit, welche aus einem Menschen hervorging. In unserem Bild (tselem: geschnitztes Bild, äußere Form) oder uns ähnlich (demuth: Ähnlichkeit vor allem im Wesen) sind Begriffe, die austauschbar verwendet werden:

 

  • 1Mo 1,26: beides
  • 1Mo 1,27: tselem
  • 1Mo 5,1: demuth
  • 1Mo 5,3: beides
  • 1Mo 9,6: demuth

 

Das bedeutet: Der Mensch ist eine äußere Repräsentation Gottes in der Schöpfung, welche auch in einigen Aspekten dem Wesen nach Gott ähnlich ist. Er soll fruchtbar sein und über die Schöpfung herrschen. Der Segen beinhaltet auch einen Auftrag, das sogenannte kulturelle Mandat des Menschen: Sich selbst zu vermehren und die Erde zu kultivieren. Der Mensch ist verantwortlich vor Gott.

Er ist als Mann und Frau geschaffen. Der Hauptunterschied zwischen beiden liegt nicht nur im körperlichen Geschlecht (obwohl auch dieser natürlich sehr klar ist und seinen Sinn hat im Hinblick auf Sexualität und Fortpflanzung; die Geschlechter gibt es auch im Tierreich aufgrund derselben biologischen Notwendigkeit der Fortpflanzung). Der Hauptaspekt liegt eher im geistlichen Bereich, denn Mann und Frau sind zwei sich gegenseitig ergänzende lebendige Wesen. Sie widerspiegeln so das innere Wesen der Gemeinschaft, welche Gott eigen ist. Der Mensch vor dem Fall war integer, nicht verdorben.

 

1Mo 5,1-3:Dies ist das Buch der Geschichte von Adam: An dem Tag, als Gott den Menschen schuf, machte er ihn Gott ähnlich; als Mann und Frau schuf er sie; und er segnete sie und gab ihnen den Namen »Mensch«, an dem Tag, als er sie schuf. Und Adam war 130 Jahre alt, als er einen Sohn zeugte, ihm selbst gleich, nach seinem Bild, und er nannte ihn Seth.

Hier ist der Mensch nach dem Sündenfall noch immer im Bild Gottes. Das Bild Gottes ist entstellt, aber es ist nicht verloren. Adam zeugte seinen Sohn Seth in seinem Bild, also im Bild des gefallenen Menschen, aber ebenso noch im Bild Gottes.

 

1Mo 9,6:Wer Menschenblut vergießt, dessen Blut soll auch durch Menschen vergossen werden; denn im Bild Gottes hat Er den Menschen gemacht.

Nach der Flut bekommt der Mensch neue Anordnungen von Gott in Verbindung mit dem Versprechen, dass trotz der Sündhaftigkeit des Menschen keine Flut mehr kommen wird. Das Mandat wird wiederholt: Weitergabe, Schutz und Vermehrung des Lebens. Die Todesstrafe wird ganz allgemein erläutert. Der Grund für die Todesstrafe wird genannt: Der Mörder wird umkommen, weil er einen Menschen im Bild Gottes getötet hat. Er hat das Bild Gottes und somit Gott selbst angegriffen. Also trägt der Mensch nach der Flut noch immer das Bild Gottes. Gott sagt aber nicht, wer die Strafe wie ausführen soll und ob es Ausnahmen gibt. Auch die Regierung erhält nicht ausdrücklich die Gewalt über die Todesstrafe. Gottes Vorsehung waltet darüber.

 

Psalm 8 ist ein lyrisches Echo von 1Mo 1,26-28. Elohim wird dort verschieden übersetzt: manchmal mit „Gott“ (was die naheliegende und weitaus häufigste Bedeutung des Wortes ist), manchmal auch mit „Engel“ (wesentlich seltenere Bedeutung). Übersetzt man „Gott“, dann sagt der Psalm aus, dass der Mensch nur wenig unter Gott gestellt ist, was seine allgemeine Bedeutung in der Schöpfungsordnung unterstreicht. Man kann jedoch auch „Engel“ übersetzten, was sich dann – zusammen mit der Aussage des Hebräerbriefes – auf den Herrn Jesus bezieht und den Psalm zu einem messianischen Psalm macht. Diese Bedeutung wird im Hebräerbrief als die hervorstechende betont, indem der Vers dort zitiert wird in Bezug auf den Herrn.

 

2.2 Die Lehre im Neuen Testament

Jak 3,9:Mit ihr loben wir Gott, den Vater, und mit ihr verfluchen wir die Menschen, die nach dem Bild Gottes gemacht sind;

Man soll nicht Menschen (anthropous) fluchen, welche im Bild Gottes geschaffen sind (kath homoiosin theou gegonotas). Gegonotas ist die Perfekt-Form von ginomai, was einen fortdauernden Zustand bezeichnet. Der Mensch ist weiterhin im Bild Gottes geschaffen. Das gilt für Gläubige und Ungläubige: Man soll also keinem Menschen fluchen.

 

2Kor 4,4-6: „… bei den Ungläubigen, denen der Gott dieser Weltzeit die Sinne verblendet hat, sodass ihnen das helle Licht des Evangeliums von der Herrlichkeit des Christus nicht aufleuchtet, welcher Gottes Ebenbild ist. Denn wir verkündigen nicht uns selbst, sondern Christus Jesus, dass er der Herr ist, uns selbst aber als eure Knechte um Jesu willen. Denn Gott, der dem Licht gebot, aus der Finsternis hervorzuleuchten, er hat es auch in unseren Herzen licht werden lassen, damit wir erleuchtet werden mit der Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes im Angesicht Jesu Christi.

Hier wird das Wort eikon parallel zu dem hebräischen tselem verwendet. Die äußerlich sichtbare Repräsentation Gottes im Angesicht Christi. Gottes Herrlichkeit sichtbar gemacht.

 

Kol 1,15: Dieser ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene, der über aller Schöpfung ist.

Wer auf Christus schaut, sieht Gott, vor allem dem inneren Wesen nach.

 

Hebr 1,3:… dieser ist die Ausstrahlung seiner Herrlichkeit und der Ausdruck seines Wesens und trägt alle Dinge durch das Wort seiner Kraft; er hat sich, nachdem er die Reinigung von unseren Sünden durch sich selbst vollbracht hat, zur Rechten der Majestät in der Höhe gesetzt.

Hier wird das griechische Wort charakter verwendet, also ein identischer Abdruck wie bei der Münzprägung oder bei der Versiegelung. Der Herr Jesus Christus ist der vollkommene Abdruck Gottes, des Vaters.

 

Joh 1,14:Und das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns; und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des Eingeborenen vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.

Gott wollte in das Fleisch eintreten in seinem eigenen Bild, also als ein Mensch. So bestätigt die Fleischwerdung Gottes in Christus das Bild Gottes im Menschen. Da Christus ohne Sünde ist, sehen wir in ihm das vollkommene menschliche Bild Gottes. Kein anderer Mensch hat dieses Bild jemals vollkommen gezeigt. Das Bild betraf vor allem sein inneres Wesen. Das Zentrum des Bildes Gottes im Menschen ist daher Liebe zu Gott und Liebe zum Nächsten. Natürlich hat das Bild Gottes auch noch andere Aspekte, aber die Liebe Christi steht im Zentrum. So hat der Herr auch gelebt. Er hat sogar seine Feinde geliebt.

Das entstellte Bild Gottes im Menschen muss wiederhergestellt werden. Gott hat dies vor Grundlegung der Welt schon beschlossen, also vor der Erschaffung und vor dem Sündenfall, und der Heilige Geist vollbringt es im Leben der berufenen Menschen bis zur vollständigen Erlösung.

 

Rö 8,29: „Denn die er zuvor ersehen hat, die hat er auch vorherbestimmt, dem Ebenbild seines Sohnes gleichgestaltet zu werden, damit er der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern.

Eph 1,4: „… wie er uns in ihm auserwählt hat vor Grundlegung der Welt, damit wir heilig und tadellos vor ihm seien in Liebe.

1Kor 15,49: „Und wie wir das Bild des Irdischen getragen haben, so werden wir auch das Bild des Himmlischen tragen.

 

2Kor 3,18:Wir alle aber, indem wir mit unverhülltem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn anschauen wie in einem Spiegel, werden verwandelt in dasselbe Bild von Herrlichkeit zu Herrlichkeit, nämlich vom Geist des Herrn.

Hier wird das Wort katoptrizomenoi verwendet, also spiegeln oder widerspiegeln in der Präsensform. Gottes Erlöste widerspiegeln ständig die Herrlichkeit Gottes, und sie werden außerdem immer mehr verwandelt in das Bild der Vollkommenheit Christi, welches in seinem Angesicht leuchtet. Dies ist das Ziel der Heiligung im Christenleben, welches durch das Werk des Geistes schrittweise verwirklicht wird.

 

Phil 1,6: „weil ich davon überzeugt bin, dass der, welcher in euch ein gutes Werk angefangen hat, es auch vollenden wird bis auf den Tag Jesu Christi.

Phil 3,20-21: „Unser Bürgerrecht aber ist im Himmel, von woher wir auch den Herrn Jesus Christus erwarten als den Retter, der unseren Leib der Niedrigkeit umgestalten wird, sodass er gleichförmig wird seinem Leib der Herrlichkeit, vermöge der Kraft, durch die er sich selbst auch alles unterwerfen kann.

1Joh 3,2: „Geliebte, wir sind jetzt Kinder Gottes, und noch ist nicht offenbar geworden, was wir sein werden; wir wissen aber, dass wir ihm gleichgestaltet sein werden, wenn er offenbar werden wird; denn wir werden ihn sehen, wie er ist.

 

Andere Stellen reden über das Ausziehen (apothesthai, Aorist) das alten Menschen (palaion anthropon) als vollendete Tatsache, ebenso auch über das Anziehen (endusasthai, ebenfalls Aorist) des neuen Menschen (kainon anthropon, der erneuerte Mensch), ebenso ein für alle Mal geschehen. Dieser neue Mensch muss im Lauf des Lebens immer weiter erneuert (anakainoumenon) werden, bis die Vollkommenheit in der Auferstehung der Gläubigen erreicht sein wird. Der wiedergeborene Mensch ist grundsätzlich erneuert, jedoch noch nicht in Vollkommenheit erneuert.

 

Eph 4,22-24: „… dass ihr, was den früheren Wandel betrifft, den alten Menschen abgelegt habt, der sich wegen der betrügerischen Begierden verderbte, dagegen erneuert werdet im Geist eurer Gesinnung und den neuen Menschen angezogen habt, der Gott entsprechend geschaffen ist in wahrhafter Gerechtigkeit und Heiligkeit.

Kol 3,9-10: „Lügt einander nicht an, da ihr ja den alten Menschen ausgezogen habt mit seinen Handlungen und den neuen angezogen habt, der erneuert wird zur Erkenntnis, nach dem Ebenbild dessen, der ihn geschaffen hat;

 

Wir sehen hier in der Gesamtheit das Ziel unserer Erlösung. Gott wird uns in Christus mehr und mehr sich selbst ähnlich machen. Das bedeutet natürlich, dass das Bild Gottes in uns zum Zeitpunkt unserer Errettung verdorben und entstellt war, denn sonst müsste es ja nicht wiederhergestellt werden. In diesem Sinn ist das Bild Gottes in uns auf dem Weg der Heiligung nicht statisch, sondern dynamisch: Wir widerspiegeln Christus mehr und mehr. Dieser Prozess ist primär das Werk des Geistes, aber er beinhaltet auch unsere aktive Teilnahme. Gott selbst ist es aber letztendlich, der uns die Kraft gibt, dieser Verantwortung gerecht zu werden, wenn wir – auf seine Gnade vertrauend – in der Nachfolge ausharren.

 

Joh 13,14-15: „Wenn nun ich, der Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, so sollt auch ihr einander die Füße waschen; denn ein Vorbild habe ich euch gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe.

Eph 4,32 bis 5,2: „Seid aber gegeneinander freundlich und barmherzig und vergebt einander, gleichwie auch Gott euch vergeben hat in Christus. Werdet nun Gottes Nachahmer als geliebte Kinder und wandelt in der Liebe, gleichwie auch Christus uns geliebt und sich selbst für uns gegeben hat als Darbringung und Schlachtopfer, zu einem lieblichen Geruch für Gott.

1Kor 11,1: „Seid meine Nachahmer, gleichwie auch ich [Nachahmer] des Christus bin!

Phil 1,6: „… weil ich davon überzeugt bin, dass der, welcher in euch ein gutes Werk angefangen hat, es auch vollenden wird bis auf den Tag Jesu Christi.

Phil 2,5-11: „Denn ihr sollt so gesinnt sein, wie es Christus Jesus auch war, der, als er in der Gestalt Gottes war, es nicht wie einen Raub festhielt, Gott gleich zu sein; sondern er entäußerte sich selbst, nahm die Gestalt eines Knechtes an und wurde wie die Menschen; und in seiner äußeren Erscheinung als ein Mensch erfunden, erniedrigte er sich selbst und wurde gehorsam bis zum Tod, ja bis zum Tod am Kreuz. Darum hat ihn Gott auch über alle Maßen erhöht und ihm einen Namen verliehen, der über allen Namen ist, damit in dem Namen Jesu sich alle Knie derer beugen, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind, und alle Zungen bekennen, dass Jesus Christus der Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters.

1Thess 1,6: „Und ihr seid unsere und des Herrn Nachahmer geworden, indem ihr das Wort unter viel Bedrängnis aufgenommen habt mit Freude des Heiligen Geistes,

 

Die Erlösung und Heiligung hat in der Schrift auch eine klare Verbindung zur Eschatologie, also zur Lehre von den letzten Dingen, denn sie wird erst vollendet sein, wenn der Herr wiederkommt.

 

1Kor 15,49: Und wie wir das Bild des Irdischen getragen haben, so werden wir auch das Bild des Himmlischen tragen.

Vorrangiger Bezug zum Auferstehungsleib, aber natürlich auch zu unserer ewigen Existenz als ganze Menschen. Wir werden erst in der Verwandlung bei der Wiederkunft Christi am letzten Tag die Vollkommenheit erlangen, welche uns dazu befähigen wird, mit Leib und Seele als ganze Menschen in die Gegenwart der vollen Herrlichkeit Christi einzutreten.

Das Bild Gottes ist somit ein unverlierbarer Aspekt des Menschen, ein Teil seiner innersten Existenz und Wesenheit, welchen er nicht einbüßen kann, ohne dabei gleichzeitig sein Menschsein zu verlieren. Das Bild Gottes muss jedoch auch als etwas verstanden werden, was hinsichtlich seiner wesenhaften Ähnlichkeit Gottes grundsätzlich pervertiert und verdorben ist durch den Sündenfall, und welches im Prozess der Rettung und der Heiligung erneuert und wiederhergestellt werden muss. Dies soll nun in den nächsten Kapiteln näher betrachtet werden.

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