Der Christ schaut auf sich selbst

Einerseits besitzen wir die Errettung bereits, andererseits schauen wir noch immer voraus auf die herrliche Offenbarung unserer vollständigen Errettung.
 


1Joh 3,9: „Jeder, der aus Gott geboren ist, tut nicht Sünde; denn Sein Same bleibt in ihm, und er kann nicht sündigen, weil er aus Gott geboren ist.“

 

Die Perfektionisten haben den Vers missbraucht. Deren Auslegung widerspricht jedoch klar 1Joh 1,8-10:

„Wenn wir sagen, dass wir keine Sünde haben, so verführen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns. Wenn wir aber unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von aller Ungerechtigkeit. Wenn wir sagen, dass wir nicht gesündigt haben, so machen wir ihn zum Lügner, und sein Wort ist nicht in uns.“

 

Die Aussagen des erstgenannten Verses stehen im Präsens und drücken im Griechischen einen anhaltenden Zustand aus. Der Vers sagt also aus, dass kein Christ permanent in der Sünde verharren kann. Sein Leben ist nicht ein Leben der ständigen Sünde, sondern ein Leben der Heiligung. Er hat zwar noch Sünde, weil er nach seinem praktischen Wandel noch nicht ganz vollkommen ist, aber er bekennt seine Sünde und wird durch das Blut Christi immer wieder gereinigt.

 

1Joh 2,1: „Meine Kinder, dies schreibe ich euch, damit ihr nicht sündigt! Und wenn jemand sündigt, so haben wir einen Fürsprecher bei dem Vater, Jesus Christus, den Gerechten;“

 

Hier steht das Wort für sündigen nicht im Präsens, sondern im griechischen Aorist. Diese Zeitform bezeichnet eine punktuelle Handlung. Der Vers redet also nicht über ein andauerndes Leben in der Sünde, sondern über das Begehen einzelner Sünden, für welche die Christen durch den Herrn Jesus Christus als Anwalt vor dem Vater vertreten werden. Das Leben, das ein Christ nicht mehr leben kann, ist daher gewohnheitsmäßige und beständig fortgesetzte Sünde, also ein Leben in der Sünde.

 

1Kö 8,46: „Wenn sie gegen dich sündigen – denn es gibt keinen Menschen, der nicht sündigt – und du über sie zornig bist und sie vor dem Feind dahingibst, sodass ihre Bezwinger sie gefangen wegführen in das Land des Feindes, es sei fern oder nah, …“

Jes 53,6: „Wir alle gingen in die Irre wie Schafe, jeder wandte sich auf seinen Weg; aber der HERR warf unser aller Schuld auf ihn.“

Rö 3,23: „… denn alle haben gesündigt und verfehlen die Herrlichkeit, die sie vor Gott haben sollten, …“

Rö 12,1-2: „Ich ermahne euch nun, ihr Brüder, angesichts der Barmherzigkeit Gottes, dass ihr eure Leiber darbringt als ein lebendiges, heiliges, Gott wohlgefälliges Opfer: Das sei euer vernünftiger Gottesdienst! Und passt euch nicht diesem Weltlauf an, sondern lasst euch [in eurem Wesen] verwandeln durch die Erneuerung eures Sinnes, damit ihr prüfen könnt, was der gute und wohlgefällige und vollkommene Wille Gottes ist.“

2Kor 3,18: „Wir alle aber, indem wir mit unverhülltem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn anschauen wie in einem Spiegel, werden verwandelt in dasselbe Bild von Herrlichkeit zu Herrlichkeit, nämlich vom Geist des Herrn.“

2Kor 7,1: „Weil wir nun diese Verheißungen haben, Geliebte, so wollen wir uns reinigen von aller Befleckung des Fleisches und des Geistes zur Vollendung der Heiligkeit in Gottesfurcht!“

Jak 3,2: „Denn wir alle verfehlen uns vielfach; wenn jemand sich im Wort nicht verfehlt, so ist er ein vollkommener Mann, fähig, auch den ganzen Leib im Zaum zu halten.“

Luk 11,4: „Und vergib uns unsere Sünden, denn auch wir vergeben jedem, der uns etwas schuldig ist! Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen!“

1Kor 10,12: „Darum, wer meint, er stehe, der sehe zu, dass er nicht falle!“

Eph 6,11: „Zieht die ganze Waffenrüstung Gottes an, damit ihr standhalten könnt gegenüber den listigen Kunstgriffen des Teufels;“

Phil 3,12-14: „Nicht dass ich es schon erlangt hätte oder schon vollendet wäre; ich jage aber danach, dass ich das auch ergreife, wofür ich von Christus Jesus ergriffen worden bin. Brüder, ich halte mich selbst nicht dafür, dass ich es ergriffen habe; eines aber [tue ich]: Ich vergesse, was dahinten ist, und strecke mich aus nach dem, was vor mir liegt, und jage auf das Ziel zu, den Kampfpreis der himmlischen Berufung Gottes in Christus Jesus.“

 

Der Schweizer Theologe Oskar Cullmann hat eine gute Illustration der Zusammenhänge gegeben. Unter Bezug auf die Ereignisse des Zweiten Weltkrieges machte er den folgenden Vergleich: Wir Christen leben zwischen D-Day und V-Day. D-Day war die entscheidende Schlacht des zweiten Weltkrieges, aber der Feind legte erst am V-Day endgültig die Waffen nieder. So bleiben auch für uns, obwohl unsere geistlichen Feinde durch den Herrn Jesus Christus entscheidend geschlagen sind, sind noch immer Nester des Widerstandes übrig, müssen immer noch kleinere Schlachten gekämpft werden, gibt es noch immer Guerillatruppen, die unterworfen werden müssen. Der Satan weiß, dass er besiegt ist, und trotz allem kämpft er immer noch weiter. Einerseits besitzen wir die Errettung bereits, andererseits schauen wir noch immer voraus auf die herrliche Offenbarung unserer vollständigen Errettung. Wir haben bereits das neue Leben, aber wir haben noch nicht die Vollkommenheit erreicht.

 

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