Der Christ schaut auf sich selbst

Die neugeborenen Gläubigen sind unter der Regierung des Geistes, in dessen Macht sie dazu befähigt sind, über die Sünde zu siegen, wobei der Prozess der Heiligung das ganze Leben andauert.


Rö 6,6: „… wir wissen ja dieses, dass unser alter Mensch mitgekreuzigt worden ist, damit der Leib der Sünde außer Wirksamkeit gesetzt sei, sodass wir der Sünde nicht mehr dienen;“

Rö 8,2-4: „Denn das Gesetz des Geistes des Lebens in Christus Jesus hat mich frei gemacht von dem Gesetz der Sünde und des Todes. Denn was dem Gesetz unmöglich war – weil es durch das Fleisch kraftlos war –, das tat Gott, indem er seinen Sohn sandte in der gleichen Gestalt wie das Fleisch der Sünde und um der Sünde willen und die Sünde im Fleisch verurteilte, damit die vom Gesetz geforderte Gerechtigkeit in uns erfüllt würde, die wir nicht gemäß dem Fleisch wandeln, sondern gemäß dem Geist.“

Rö 8,9+14: „Ihr aber seid nicht im Fleisch, sondern im Geist, wenn wirklich Gottes Geist in euch wohnt; wer aber den Geist des Christus nicht hat, der ist nicht sein. (…) Denn alle, die durch den Geist Gottes geleitet werden, die sind Söhne Gottes.“

Gal 5,16-18: „Ich sage aber: Wandelt im Geist, so werdet ihr die Lust des Fleisches nicht vollbringen. Denn das Fleisch gelüstet gegen den Geist und der Geist gegen das Fleisch; und diese widerstreben einander, sodass ihr nicht das tut, was ihr wollt. Wenn ihr aber vom Geist geleitet werdet, so seid ihr nicht unter dem Gesetz.“

Eph 5,18: „Und berauscht euch nicht mit Wein, was Ausschweifung ist, sondern werdet voll Geistes;“

 

Viele Aussagen dieser Verse vermitteln eindeutig ein positives Bild von dem Gläubigen. Der Gläubige ist nicht mehr unter das Fleisch versklavt und unter die Sünde verkauft, sondern er ist ein neuer Mensch, der befreit ist aus dieser Versklavung und befähigt ist zu einem Leben unter der Führung des Geistes.

Ridderbos, „Paul“ (S. 221):

„Was meint Paulus mit Fleisch und Geist? Wir dürfen in diesen beiden Begriffen nicht einen Gegensatz sehen zwischen zwei Aspekten der menschlichen Natur, also zwischen einem fleischlichen und einem geistlichen Aspekt. Wir müssen in diesen Begriffen vielmehr eine Beschreibung von zwei gegensätzlichen Machtbereichen sehen, verbunden mit den zwei Zeitaltern, welche durch das Kommen Jesu Christi voneinander unterschieden sind. Lassen sie uns sagen, dass der Mensch getrennt vom Kommen Christi von Natur aus unter der Herrschaft des Fleisches steht. Dies bezieht sich, so muss betont werden, nicht auf die leibliche Natur des Menschen, sondern auf seine gesamte Existenz, wie sie unter der Sünde versklavt ist. Als aber Christus kam, führte er eine vollkommen neue Lebensweise ein, welche das Leben im Geist genannt wird. Im Geist zu sein bedeutet, dass Menschen, die früher unter der Herrschaft des Fleisches als einer sündigen Macht lebten, jetzt unter die befreiende Regierung des Geistes gebracht worden sind.“

Die neugeborenen Gläubigen sind jetzt unter der Regierung des Geistes, in dessen Macht sie dazu befähigt sind, über die Sünde zu siegen, und zwar immer mehr. Die Gläubigen sind nicht mehr unter die Sünde verkauft, aber sie müssen als erneuerte Menschen noch immer gegen die fleischlichen Impulse kämpfen. Der Prozess der Heiligung in der Kraft des Geistes dauert das gesamte Leben hindurch an. Die grundsätzliche Stellung der Gläubigen in diesem Kampf ist jedoch klar:

 

Rö 8,9: „Ihr aber seid nicht im Fleisch, sondern im Geist, wenn wirklich Gottes Geist in euch wohnt; wer aber den Geist des Christus nicht hat, der ist nicht sein.“

Gal 5,22-23: „Die Frucht des Geistes aber ist Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Selbstbeherrschung. Gegen solche Dinge gibt es kein Gesetz.“

 

Die Frucht des Geistes reift im Leben des Gläubigen schrittweise immer mehr heran. Es sind auch nicht verschiedene Früchte, sondern es ist „die Frucht“, also eine Frucht, welche in allen ihren Aspekten immer mehr sichtbar wird. Der Christ lebt gemäß seiner neuen Geburt, wenn er in der Kraft des Geistes in seinem praktischen Wandel die Sünde besiegt, welche er bei seiner Wiedergeburt bereits gekreuzigt hat:

 

Gal 5,24: „Die aber Christus angehören, die haben das Fleisch gekreuzigt samt den Leidenschaften und Lüsten.“

 

Immer dann, wenn der Gläubige seinen alten Gewohnheiten Raum gibt und in Sünde fällt, dann lebt er eigentlich entgegen seiner Neuheit in Christus. Der Ausweg aus dem Dilemma ist das ehrliche Bekenntnis der Sünde und der Glaube an das Blut Christi. Das gesamte Selbstbild des Christen sollte jedoch trotz der Sünden, welche er noch begeht und auch bekennen muss, nicht negativ sein, sondern positiv.

Ridderbos, „Paul“ (S. 272):

„Der beherrschende Gesichtspunkt, unter welchem Paulus das christliche Leben betrachtet, ist nicht der fortwährende Angriff des Fleisches auf den Gläubigen, sondern die Macht des Geistes, welche den Gläubigen dazu befähigt, den Sieg über die Sünde zu erringen.“

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