Der Christ schaut auf sich selbst

Wir wollen die gesunde christliche Selbstwahrnehmung bei einem der größten Zeugen des Herrn betrachten, nämlich bei dem Apostel Paulus.
 


Paulus sah sich selbst oftmals als einen großen Sünder an, ja sogar als den Ersten der Sünder. Zugleich aber betonte er stets auch die Gnade Gottes, welche seine Sünden vergeben, ihn selbst angenommen und zum Dienst im Reich Gottes befähigt hatte. Er hatte auch gelernt, das Negative aus seiner Vergangenheit zu überwinden und in gewissem Maß zu vergessen, um sich zukünftig auszustrecken nach vorne.

 

1Tim 1,12-15: „Und darum danke ich dem, der mir Kraft verliehen hat, Christus Jesus, unserem Herrn, dass er mich treu erachtet und in den Dienst eingesetzt hat, der ich zuvor ein Lästerer und Verfolger und Frevler war. Aber mir ist Erbarmung widerfahren, weil ich es unwissend im Unglauben getan habe. Und die Gnade unseres Herrn wurde über alle Maßen groß samt dem Glauben und der Liebe, die in Christus Jesus ist. Glaubwürdig ist das Wort und aller Annahme wert, dass Christus Jesus in die Welt gekommen ist, um Sünder zu retten, von denen ich der größte bin.“

Eph 3,8: „Mir, dem allergeringsten unter allen Heiligen, ist diese Gnade gegeben worden, unter den Heiden den unausforschlichen Reichtum des Christus zu verkündigen, …“

1Kor 15,9-10: „Denn ich bin der geringste von den Aposteln, der ich nicht wert bin, ein Apostel zu heißen, weil ich die Gemeinde Gottes verfolgt habe. Aber durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin; und seine Gnade, die er an mir erwiesen hat, ist nicht vergeblich gewesen, sondern ich habe mehr gearbeitet als sie alle; jedoch nicht ich, sondern die Gnade Gottes, die mit mir ist.“

 

Paulus hatte also sowohl einen realistischen Blick auf die Vergangenheit als auch auf seine eigene Gegenwart und Zukunft als Christ. Seine Selbstwahrnehmung war positiv, weil er an die Gnade Gottes in Christus geglaubt und sie für sein Leben und Handeln angenommen hatte. Immer wenn er positive Dinge über sich selbst und sein Handeln als Diener Gottes erwähnte, verknüpfte er diese Dinge mit der Gnade Gottes, welche all das in ihm gewirkt hatte. Er gab Gott die Ehre, und nicht sich selbst. Er ging sogar noch einen Schritt weiter, denn er rühmte sich sogar seiner eigenen Schwachheit, weil dann Christus in ihm mächtig war.

 

2Kor 3,4-5: „Und eine solche Zuversicht haben wir durch Christus zu Gott; nicht dass wir von uns selber aus tüchtig wären, sodass wir uns etwas anrechnen dürften, als käme es aus uns selbst, sondern unsere Tüchtigkeit kommt von Gott, …“

2Kor 4,7: „Wir haben aber diesen Schatz in irdenen Gefäßen, damit die überragende Kraft von Gott sei und nicht von uns.“

2Kor 12,1-10: „Das Rühmen nützt mir freilich nichts; doch will ich auf die Erscheinungen und Offenbarungen des Herrn zu sprechen kommen. Ich weiß von einem Menschen in Christus, der vor 14 Jahren (ob im Leib oder ob außerhalb des Leibes, ich weiß es nicht; Gott weiß es) bis in den dritten Himmel entrückt wurde. Und ich weiß von dem betreffenden Menschen (ob im Leib oder außerhalb des Leibes, weiß ich nicht; Gott weiß es), dass er in das Paradies entrückt wurde und unaussprechliche Worte hörte, die ein Mensch nicht sagen darf. Wegen eines solchen will ich mich rühmen, meiner selbst wegen aber will ich mich nicht rühmen, als nur meiner Schwachheiten. Zwar wäre ich, wenn ich mich rühmen wollte, deshalb nicht töricht, denn ich würde die Wahrheit sagen. Ich enthalte mich aber dessen, damit niemand mehr von mir hält, als was er an mir sieht oder von mir hört. Und damit ich mich wegen der außerordentlichen Offenbarungen nicht überhebe, wurde mir ein Pfahl fürs Fleisch gegeben, ein Engel Satans, dass er mich mit Fäusten schlage, damit ich mich nicht überhebe. Seinetwegen habe ich dreimal den Herrn gebeten, dass er von mir ablassen soll. Und er hat zu mir gesagt: Lass dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft wird in der Schwachheit vollkommen! Darum will ich mich am liebsten vielmehr meiner Schwachheiten rühmen, damit die Kraft des Christus bei mir wohne. Darum habe ich Wohlgefallen an Schwachheiten, an Misshandlungen, an Nöten, an Verfolgungen, an Ängsten um des Christus willen; denn wenn ich schwach bin, dann bin ich stark.“

 

Einerseits konnte Paulus auf beträchtliche Erfolge in seinem Dienst hinweisen. Er konnte auch Mitchristen dazu ermutigen, seinem eigenen Beispiel nachzueifern.

 

1Kor 11,1: „Seid meine Nachahmer, gleichwie auch ich [Nachahmer] des Christus bin!“

Phil 3,17: „Werdet meine Nachahmer, ihr Brüder, und seht auf diejenigen, die so wandeln, wie ihr uns zum Vorbild habt.“

2Tim 4,7: „Ich habe den guten Kampf gekämpft, den Lauf vollendet, den Glauben bewahrt.“

 

Andererseits erkannte er auch immer wieder an, selbst keineswegs perfekt zu sein, sondern ein unvollkommener Diener. Er war jedenfalls kein Vertreter der Lehre des Perfektionismus, welche besagt, dass wiedergeborene Christen nicht mehr sündigen können.

 

Phil 3,12-14: „Nicht dass ich es schon erlangt hätte oder schon vollendet wäre; ich jage aber danach, dass ich das auch ergreife, wofür ich von Christus Jesus ergriffen worden bin. Brüder, ich halte mich selbst nicht dafür, dass ich es ergriffen habe; eines aber [tue ich]: Ich vergesse, was dahinten ist, und strecke mich aus nach dem, was vor mir liegt, und jage auf das Ziel zu, den Kampfpreis der himmlischen Berufung Gottes in Christus Jesus.“

 

Trotz seiner tief empfundenen eigenen Sündhaftigkeit hatte Paulus ein positives Selbstbild. Er sah sich als einen Menschen an, über den Gott seine Gnade ausgeschüttet hatte, den Gott errettet und dazu befähigt hatte, ein fruchtbringendes Leben im Dienst für Christus zu leben, und den Gott fortwährend durch die Erfüllung mit seinem Geist dazu befähigt hatte, ein Beispiel für Andere zu sein. Diese positiven Dinge kamen jedoch nicht aus Paulus selbst hervor, sondern Gott hatte sie in seinem schwachen Diener bewirkt. Paulus war sich trotz seiner Stärke im Dienst der eigenen äußersten Schwachheit bewusst. Die Grundhaltung seines Lebens war die Dankbarkeit gegenüber seinem Gott und Retter.

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